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Unter dem Birkensteiner Sternenhimmel: Schwester Eresta in der neu beleuchteten Wallfahrtskapelle.

Wallfahrtskapelle Birkenstein

Alles ist erleuchtet

Birkenstein - In warmen Rot- und Goldtönen erstrahlen seit Kurzem die Wände der Wallfahrtskapelle Birkenstein. Die Sternendecke ist in ein leuchtendes Blau getaucht. Gefertigt wurde die Anlage von einem ehemaligen Birkensteiner Ministrant, der derzeit auch die Sixtinische Kapelle neu beleuchtet.

Dass silberne Sterne auf blauem Grund an der Decke der Wallfahrtskapelle Birkenstein funkeln, ist vermutlich bislang nur den wenigsten Besuchern aufgefallen. Es war schlicht zu dunkel in der kleinen Kapelle. Seit ein paar Tagen aber ist das Gotteshaus neu ausgeleuchtet – und nicht nur die Decke erstrahlt förmlich. Lichtdesigner Christian Späth aus Bad Tölz hat ein Konzept entworfen, das von der Tölzer Firma Seebacher umgesetzt wurde. Deren Geschäftsführer Martin Daller ist ein ehemaliger Birkensteiner Ministrant. „Ich bin vielleicht 300, 400 Meter entfernt aufgewachsen“, sagt der 32-Jährige.

Mesnerin Schwester Eresta Mayr, die das Amt seit 27 Jahren ausübt, kennt ihn daher gut. Und sie ist stolz auf ihren früheren Schützling. „Die Firma Seebacher macht auch die Beleuchtung für die Sixtinische Kapelle.“ Die Kirche im Apostolischen Palast wird derzeit von Osram neu beleuchtet, Seebacher ist mit an Bord (wir berichteten im überregionalen Teil). „Aber zuerst war Birkenstein“, betont Schwester Eresta.

Der Gedanke, dass an der Beleuchtung etwas geändert werden muss, kam der 77-Jährigen eher nebenbei. Wie berichtet, wurde die Kapelle seit Allerheiligen gründlich entstaubt. „Auf die Idee mit der Beleuchtung sind wir gekommen, weil das Gerüst ja eh schon stand“, sagt die Nonne. Schließlich geht die technische Entwicklung schnell voran. „Als ich hergekommen bin, wurde noch mit Kerzen beleuchtet. Nach der Renovierung vor 30 Jahren war die Kapelle auf dem modernsten Stand.“ Seitdem hat sich nichts geändert in der Loretto-Kirche. Der Hochaltar mit dem Gnadenbild Marias war zwar beleuchtet, durch das einzige Fenster dringt aber fast kein Tageslicht herein, die Votivtafeln und Putten kamen nicht zur Geltung.

Den Auftrag zur Neugestaltung bekam Lichtdesinger Späth. Der 51-Jährige hat Erfahrung mit Gotteshäusern, er hat schon die Staatsmoschee in Kuala Lumpur (Malaysia) beleuchtet. Von Birkenstein war er gleich begeistert. „Der Ort ist ja schon mal ein Wahnsinn mit dem Bach und der Kapelle.“ Drinnen gab es dann einiges zu tun für ihn.

Bislang waren hauptsächlich zwei flache Scheinwerfer für die Beleuchtung zuständig, die aber vor allem blendeten. Jetzt gilt: „Wenn das Licht von der richtigen Seite kommt, dann sieht man sogar den zarten Hautton der Putten“, sagt er. Etwa 1800 Leuchtdioden (LED) sind verbaut, sagt Ex-Ministrant Daller, der für die Steueranlage zuständig war. „Die LEDs haben ein weit größeres Farbspektrum als normale Leuchtmittel“, erklärt Späth. Der Himmel ist nun mit einem kühlen, bläulichen Licht bestrahlt, die Votivbilder mit einem warmen, rötlichen. Dem Lichtdesinger war es wichtig, zwei Dinge zu verbinden: „Auf der einen Seite die Meditation, auf der anderen die Feierlichkeiten“.

So kann Schwester Eresta zwischen mehreren Einstellungen wählen, erklärt Daller: Führung, Tageslicht, Maximum, Andacht, Rosenkranz und Abendgebet gibt es. Die Ordensfrau ist begeistert – vor allem vom Sternenhimmel. „Die Decke kommt zum ersten Mal raus“, sagt sie begeistert. „Die werd’ ich jetzt bei meinen Führung miteinbeziehen.“ Da gerade ein paar Gläubige in der Kapelle sitzen, legt sie gleich los. „Der rückwärtige Teil ist auf Maria abgestimmt, der vordere auf Jesus.“ Heidnische Sternbilder sind durch christliche Symbole ersetzt.

Die Kosten für das Projekt will Schwester Eresta nicht verraten. Nur soviel: Einen Teil übernimmt die Diözese, „einen Teil wir“. Bei der Auftragsvergabe hatte sie eine andere Sorge. Was ist, wenn eine LED erlischt? „Muss ich dann das Gerüst wieder aufbauen?“ Eine Lebenszeit von 35 Jahren garantierten ihr die Licht-Experten. „Dann macht’s es“, hat sie ihnen gesagt und gelacht. „Dann trifft’s mich nimmer.“

Julia Pawlovsky

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