Ansiedlung in Schliersee

Ja zu Sixtus – Naja zum Standort

Schliersee - Die Ansiedlungswünsche der Firma Sixtus in Schliersee haben im Gemeinderat erneut eine kontroverse Diskussion hervorgerufen. Den ersten Schritt hat das Gremium dennoch gemacht.

Mit dem Landschaftsschutz ist das so eine Sache. Wo er besteht, muss für Bauvorhaben erst einmal eine Herausnahme durch den Kreistag oder eine Befreiung durch die Landkreisverwaltung her. 

Im Falle der Ansiedlungspläne von Sixtus in Schliersee deutet alles auf eine Herausnahme hin – wenn das Landratsamt im Paragraphendschungel nicht wieder irgendwelche Trampelpfade entdeckt, wie beim Osterberg in Gmund oder beim Fußball-Golf in Wall (wir berichteten). 

Naturschützer sehen dieses Vorgehen sehr kritisch, und auch in Schliersee regt sich Widerstand gegen eine Sixtus-Ansiedlung an der Seestraße, nur wenige Meter vom Seeufer entfernt, von diesem allerdings getrennt durch die Bundesstraße.

Gerhard Waas (Grüne) etwa ist wie alle anderen Gemeinderäte auch „absolut für eine Sixtus-Ansiedlung in Schliersee“, aber: „absolut nicht an dieser Stelle“. Er bewertet es als „katastrophales Zeichen, eine unbebaute Wiese am See für eine Bebauung freizugeben“. Und er fürchtet, dass die Gemeinde immer wieder diesen Weg beschreite, jedesmal mit dem Hinweis, es sei jetzt aber das letzte Mal. 

Waas unkte gar, dass Schliersee abermals wegen eines Umweltthemas in den überregionalen Negativ-Schlagzeilen landet, zumal Fußball-Star Phillip Lahm ja Miteigentümer von Sixtus ist.

Wie berichtet, möchte Sixtus die 2900 Quadratmeter Gemeindegrund nördlich der Wohnanlage an der Seestraße (außerorts) kaufen, und weitere 4000 Quadratmeter aus privater Hand dazu. Entstehen soll ein Firmensitz mit Produktion (Manufaktur), Lager, Büros, Verkaufsfläche und Bistro. Am jetzigen Standort in Hausham sei dafür ebensowenig Platz wie am alten an der Urtlbachstraße in Schliersee, heißt es seitens des Unternehmens.

Sixtus will sich natürlich sichtbar präsentieren – so wie dies zum Beispiel die Whisky-Destillerie Slyrs in Neuhaus – übrigens besteht dort kein Landschaftsschutz – kann. Zusammen mit dem Freilicht-Museum von Markus Wasmeier und eben Slyrs könnte Sixtus ein Dreigestirn bilden, das Schliersees Magnetwirkung auf Urlauber und Ausflügler stärken könnte. 

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) brachte insbesondere Gruppen- und Busreisen ins Spiel. Auch er habe erst überlegen müssen, ob Sixtus am gewünschten Standort passend ist, sei aber zu dem Ergebnis gekommen: Ja. „Sixtus muss nach Schliersee, ich plädiere dafür, dass man das positiv begleitet.“

Das tat der Gemeinderat dann, indem er gegen fünf Stimmen für die Änderung des betreffenden Bebauungsplans stimmte, der somit ins Verfahren geht. Das Gremium verabschiedet sich damit von seinen bisherigen Wohngebietsplänen, was Michael Dürr (PWG) abermals als „Rausschmeißen von öffentlichen Geldern“ geißelte, da die Gemeinde ihr Wohngrundstück zum Gewerbegebiet abwerte. 

Ohnehin wollte er rechtlich geklärt haben, ob Schliersee seinen Grund freihändig an Sixtus verkaufen kann. Sein Antrag, den Tagesordnungspunkt, bei dem es nicht um den Verkauf, sondern die Bauleitplanung ging, zu verschieben, wurde gegen fünf Stimmen abgelehnt.

Die Befürworter des Standorts priesen abermals die Chancen des Projekts, neben dem touristischen Nutzen etwa auch Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Robert Mödl (Die Schlierseer) etwa, der sagte: „Wir sollten froh sein, dass wir noch Unternehmer in Schliersee haben, die Geld in die Hand nehmen.“ Und Florian Zeindl (CSU) wünschte sich „ein bissl mehr Mut im Gemeinderat“.

Von Daniel Krehl

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