Notlösung: Im Sommer 2013 diente die Berufsschul-Turnhalle Miesbach als Quartier für Asylbewerber.

Asylbewerber

Flüchtlingsstrom nimmt weiter zu

Miesbach/Landkreis - Mehr Krisenherde, mehr Flüchtlinge und immer mehr volle Unterkünfte: Im Landkreis Miesbach sind die Asylbewerberzahlen gestiegen. Nun steht die nächste Flüchtlingswelle bevor.

Miesbach/Landkreis – Das Szenario haben viele Miesbacher noch im Kopf: Vor einem Jahr quartierte das Landratsamt Miesbach 19 Flüchtlinge aus Nigeria und Pakistan in der Turnhalle der Miesbacher Berufsschule ein. Eine Übergangslösung aus Platznot. Die Asylbewerber sind längst wieder ausgezogen, in reguläre Unterkünfte. Doch die dramatischen Bilder von einst sind nicht vergessen.

„Die Situation damals war ein Schuss vor den Bug“, sagt Gerhard Brandl, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts. Durch die Berichte der Medien hätten einige Leute dem Landkreis Unterkünfte angeboten. Zudem habe das Thema Asyl bei der Bevölkerung an Bedeutung gewonnen.

Aktuell ist es wieder brisant: Wegen der vielen weltweiten Krisenherde und der laxen Grenzkontrollen Italiens explodieren bayernweit die Flüchtlingszahlen. Auch im Landkreis Miesbach. Seit September 2013 sind dort 175 Menschen mehr untergebracht – eine Steigerung von 147 Prozent. Derzeit leben im Landkreis 227 Asylbewerber, 17 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und 50 Fehlbeleger. Dazu zählen Personen, deren Asylantrag anerkannt worden ist und die daher aus dem Asyl-Quartier ausziehen müssen. Fehlbeleger sind sie, wenn sie keine Wohnung finden und weiter in der Unterkunft bleiben. Die größte Gruppe der Asylanten kommt aus den Ländern Afghanistan, Nigeria und Eritrea.

Mit Ausnahme von Rottach-Egern, Gmund, Waakirchen, Valley und Bayrischzell sind in allen Kreis-Kommunen Asylbewerber beherbergt. Die meisten von ihnen wohnen in Miesbach, gefolgt von Hausham und Fischbachau. Exakte Zahlen pro Kommune seien laut Brandl derzeit nicht zu erfassen, weil es so viele Umzüge zwischen den einzelnen Unterkünften gebe. „Die Länge der Unterbringung bringt Zwist mit sich, was man durch Umzüge versucht zu vermeiden“, erklärt er.

In der Tat: „Es kommt innerhalb der Gruppe der Asylbewerber häufiger zu Konflikten“, sagt Reinhard Schuster, stellvertretender Leiter der Polizei Miesbach. So hatten die Beamten in einem Jahr mehrere Einsätze – meist in Miesbach: 14 wegen Körperverletzung, zwei wegen Diebstahl, einen wegen Bedrohung und einen wegen Beleidigung. Hinzu kamen vier Vermisstenfälle, drei Einlieferungen in die Psychiatrie und vier Streitigkeiten ohne Straftatbestand. „Es summiert sich“, sagt Schuster. Er weiß auch, warum: „Es sind verschiedene Kulturkreise, die aufeinandertreffen. Hinzu kommen die Traumatisierung aus dem Heimatland und die räumliche Enge.“ Die Polizei Holzkirchen vermeldet zwei Einsätze im vergangenen Jahr, wegen Körperverletzung.

Nach außen verhalten sich die Asylbewerber unauffällig. „Es gibt weder Schwierigkeiten mit Asylbewerbern noch Beschwerden von Bürgern“, sagt Dienstgruppenleiter Helmut Lex von der PI Holzkirchen. Dasselbe meldet Paul Knott, Vize-Chef der Polizei Bad Wiessee. Lediglich ab und zu klagen laut Brandl vom Landratsamt Bürger über unzureichende Mülltrennung oder -entsorgung.

In der Behörde arbeiten ab Oktober acht Personen ausschließlich für den Bereich Asyl. Immerhin kommen weitere Flüchtlinge. „Es gibt nur Mitteilungen, dass wir von einer Steigerung ausgehen sollen. Wir rechnen mit maximal 400 Personen bis Jahresende“, sagt Brandl. Zu Jahresbeginn hieß es, dass heuer 200 Personen erwartet werden.

Hat der Landkreis für neue Asylbewerber Platz? „Noch geht’s“, sagt Brandl. Aber: „Ohne die Container in Holzkirchen wäre wieder eine Notunterbringung erforderlich gewesen.“ Platz wäre für fast 50 Personen, zwei sind schon dort, und heute ziehen voraussichtlich 24 weitere ein. Zudem hat das Amt verschiedene Objekte in Aussicht, die es gerade prüft. Die Auflagen sind hoch. „Mehr Spielraum wäre schön“, sagt Brandl.

Sollte aber der Zustrom weiter zunehmen, sei ein Paradigmenwechsel denkbar. Und dann sind womöglich auch Turnhallen als Unterkünften wie einst in Miesbach kein Tabu mehr.

Vera Markert

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