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Kaffee, Kakao, Striezeln: Meiers haben die 20 Asylbewerber in ihren Garten eingeladen.

Integration mal anders

Nachbarn laden Asylbewerber zum Kaffee ein

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Hausham - Das hier ist keine Gutmenschen-Geschichte. Das ist eine Menschen-Geschichte. Sie handelt von 20 Asylbewerbern, die seit Kurzem in Hausham leben. Und von Familie Meier, für die klar war: Neue Nachbarn lädt man zum Kaffee ein!

Sahid ist jetzt öfter da. Dann hockt er im Garten, quatscht mit den beiden Mädels und packt mit an, wenn’s nötig ist; beim Blätterharken oder so. Kein Mensch weiß, ob der 18-Jährige daheim in Pakistan jemals Blätter harken musste. Ist ja auch egal. Bei Familie Meier in Hausham (Kreis Miesbach) hilft er gerne – weil er sich hier einfach sauwohl fühlt.

Da ist er nicht der einzige, Sahids 19 ziemlich internationalen Mitbewohnern geht es ähnlich. Spätestens seit sie am vergangenen Sonntag bei Meiers eingeladen waren, hinten im Garten, zu Kaffee und Striezeln. „Jeder redet immer von Integration“, sagt Manfred Meier, 47, Familienvater, Weltmann. „Wir machen mehr als reden.“

Multikulti in Hausham: Ein Passant hat die Sonntagsgesellschaft fotografiert. Vorne rechts kniet Papa Manfred Meier. Der junge Mann mit blauer Mütze heißt Sahid und hat mit der Familie Freundschaft geschlossen.

Kann man so sagen. Und angefangen hat’s mit den beiden Meier-Töchtern Magdalena (15) und Michaela (12). Die sahen die Männer aus Pakistan, Nigeria und sonstwo her immer am Bahnhof, auf dem Weg zur Schule. Man winkte sich, grüßte, klar, auf Englisch. Daheim erzählten die Mädels von den Fremden, die in einem Haus nur zwei Garagen weiter wohnen. „Weißt was“, sagte Manfred Meier dann zu seiner Frau, „am Sonntag ist Kirchweih, da mach ma was.“ Man kann das Integration nennen. Das schlichte Wort Gastfreundschaft tut’s auch. In jedem Fall ist’s mustergültig, schließlich hätte es auch eine dieser traurigen Geschichten werden können, die überall stattfinden. Dass in irgendein Haus am Ortsrand Asylbewerber einziehen, eher gemieden, mit Verweis darauf, dass es halt nicht anders geht, geduldet. Von der Gemeinde wurden Meiers nicht über die neuen Nachbarn informiert. Die Zeichen standen auf Anonymität.

Dass die meist Gift ist, weiß die Familie von ihren vielen Reisen ins Ausland. Mit dem Rucksack durch den Urwald in Borneo, nach Sri Lanka oder Nepal. Mit Berührungsängsten kommt man da nicht weit. Daheim, sagt Manfred Meier, ist es das Gleiche: „Die Kontaktschwäche kommt daher, weil die Leute nicht über ihren Tellerrand schauen.“

Amen. Wobei es so ganz einfach dann doch nicht war. Am Sonntag, also hinten im Garten, waren die 20 Männer erstmal ein wenig scheu. „Ich glaub, das war denen nicht ganz geheuer“, sagt Meier. Alle knabberten an ihren Striezeln, waren ja genug da, Mutter Kerstin (39) hatte 80 Stück gebacken. Erst als einer auf die Idee kam, Fotos zu machen, um die nach Hause zu schicken, war das Eis gebrochen. Selbst der immer grimmige Pakistani, den Meier nur „Häuptling“ nennt, ratschte plötzlich mit. Jeder der Männer hat eine Wahnsinns-Geschichte hinter sich. Zu viel für einen Text.

Wie lange die 20 Asylbewerber noch in Hausham bleiben wissen Meiers nicht. Ist auch egal: „So lange sie da sind, sind sie bei uns willkommen.“ Die Mädels holen Sahid jetzt morgens immer ab, er geht Deutsch lernen, sie in die Schule. Im Winter wollen sie Schlitten fahren. Wäre also super, wenn Sahid noch eine Weile bleiben könnte.

Marcus Mäckler

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