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Eine möglicherweise tödliche Falle: Offene Schranken am Bahnübergang Hausham. Passiert jetzt ein Fehler, und es kommt eine BOB – wie es vergangenen Freitag passierte –, kann dies schlimm enden.

Behörden ermitteln

Schon wieder: Zug fährt durch - bei offenen Schranken

Hausham - Es soll unmöglich sein, ist aber schon wieder passiert: Kürzlich ist ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn bei offenen Schranken über den Bahnübergang in Hausham gefahren.

Irgendetwas ist bei der eigentlich bombensicheren Prozedur falsch gelaufen: Wieder hat ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) den Bahnübergang in Hausham passiert, ohne dass die Schranken geschlossen waren. Es ist der elfte verbürgte Fall seit 1999. Pannen, die im schlimmsten Falls tödlich enden können. Die Rufe nach einer zügigen Verlegung des Bahnübergangs werden wieder lauter.

Es ist schon einige Jahre her, als die Deutsche Bahn das Prozedere am Haushamer Bahnübergang änderte. Um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, durften fortan Züge den Bahnhof Schliersee erst verlassen, wenn aus Hausham die telefonische Meldung kam: „Schranken unten.“ Die Folge waren enorm lange Schließzeiten der Schranken, aber eben auch: Sicherheit.

Eine Scheinsicherheit, wie sich nun abermals herausgestellt hat. Schon im April 2012 waren die Schranken bei durchfahrender BOB offen. Zuständig für die Schranke ist die DB Netz AG. Deren Angestellte, in Hausham ein Schrankenwärter, in Schliersee der Fahrdienstleiter, stehen in Kontakt. Der Fahrdienstleiter darf dem Lokführer der BOB erst grünes Licht geben, wenn die Schranken zu sind. Die in Westenhofen kann er vom Stellwerk Schliersee aus – übrigens ausgestattet mit über 100-jähriger Technik – selbst schließen. Hausham eben nicht.

Wer vergangenen Freitag gegen 18 Uhr welchen Fehler gemacht hat, ist jetzt Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Die Bahn selbst schweigt sich deshalb über die erneute Panne aus. Seitens der Bayerischen Oberlandbahn heißt es: „Der Vorgang beim Bahnübergang in Hausham wird derzeit untersucht, es ist jedoch im Moment nicht erkennbar, dass hier ein Fehlverhalten seitens der Bayerischen Oberlandbahn vorgelegen hat.“ Ein solches Fehlverhalten wäre es gewesen, wenn der Lokführer losgefahren wäre, ohne das Okay des Fahrdienstleiters zu haben. Oder wenn er einen Befehl ignoriert hätte, den Zug vor dem Bahnübergang zu stoppen, die Autos anzuhalten und dann den Bahnübergang in Schrittgeschwindigkeit zu passieren. Beides erscheint nicht wahrscheinlich. Zu dem beschriebenen Vorgehen im Fall von bekanntermaßen offenen Schranken – etwa bei einem Defekt – ist es ebenfalls mehrfach gekommen. Allerdings gilt es wegen der obwaltenden Vorsicht als nicht gefährlich. Den Zug mittels Notbremsung rechtzeitig zu stoppen, ist in Hausham nicht möglich. Dafür sieht der Zugführer den Bahnübergang zu spät.

Einem Augenzeugen zufolge schlossen sich die Schranke am Freitag, nachdem der Zug schon durchgefahren war. Eine Stellungnahme der zuständigen Bundespolizei steht aus. Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind kann den Vorfall „nicht ganz verstehen. Ich dachte, wir haben die langen Schließzeiten, damit alles sicher ist.“ Er will die zuständige Stelle bei der DB Netz AG zu einem Gespräch bitten. Und natürlich drängt der Bürgermeister darauf, dass der – wie sich herausgestellt hat – immer noch unsichere Bahnübergang schnellstmöglich verlegt wird. Wunschtermin ist 2016.

Bekanntlich ist das notwendige Planfeststellungsverfahren im Gange. Die öffentliche Auslegung ist beendet, und das federführenden Straßenbauamt Rosenheim teilt auf Anfrage mit: „Derzeit werden von uns die Einwände gesichtet und unsere Stellungnahme dazu erstellt. Der weitere Ablauf des Verfahrens und damit ein möglicher Baubeginn ist nur schwer absehbar. Ich denke Mitte des Jahres können wir mehr dazu sagen.“ Das hört sich nicht hoffnungsfroh an.

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