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5G-Smartphone

Weder Industrie noch autonome Autos

5G-Ausbau: Bayrischzell wartet ab - Aktuell kein Bedarf

Braucht Bayrischzell den neuen Mobilfunkstandard 5G? Im Gemeinderat überwog die Skepsis. Der eindeutige Beschluss: aktuell besteht kein Bedarf.

Bayrischzell – Der 5G-Mobilfunk sendet auch erste Signale in die kleinste Landkreisgemeinde: Im Bayrischzeller Gemeinderat landete nun der vielerorts noch höchst umstrittene Netzausbau auf dem Ratstisch. Bürgermeister Georg Kittenrainer bezeichnete es als „schwieriges Thema“.

Bei der anschließenden Diskussion zeigten sich viele offene Fragen. Kittenrainer gab zu, kein Fachmann zu sein: „Deshalb habe ich versucht, mich zu informieren, aber es ist sehr komplex.“ Der Bürgermeister hatte diverse Veranstaltungen besucht, die sich mit der 5G-Technologie und deren Ausbau befassten. Sicher ist er sich dagegen, was die Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bürgern betrifft: Diese sei nämlich eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.

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5G-Ausbau: Bayrischzell wartet ab - Aktuell kein Bedarf

Kittenrainers Meinung nach ist das Thema „besser beim Gesetzesgeber aufgehoben“, da dieser wissenschaftliche Studien in Auftrag geben könne. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie habe nun die Gemeinden beauftragt, geeignete Standorte für den mobilen Ausbau der fünften Generation „aktiv mit zu erarbeiten“. Die Technik sehe vor, mit großen Mobilfunkmasten die sogenannten Mikrowellenstrahlen auf Verteiler von kommunalen Straßenlaternen weiterzuleiten, um das Netz möglichst flächig auszustrahlen.

Kittenrainer schüttelte den Kopf: „Für was brauchen wir das?“ Zum Vergleich zog er das aktuelle 4G-Netzwerk heran: „Damit kann ich vom Jägerhochstand auf dem Berg aus Live-TV schauen.“ Die 5G-Technologie benötige in erster Linie die Industrie, so Kittenrainer weiter. „Nur haben wir hier keine Hightech-Betriebe.“ Auch vom autonomen Fahren – ebenfalls ein 5G-Einsatzbereich – sei man „noch ein ganzes Stück weit entfernt. Wir sind schon zufrieden, wenn bei uns im Winter der Zug fährt.“

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Keineswegs möchte der Bürgermeister als „technikfeindlich“ gelten, betonte er. Zuerst müsse aber bewiesen werden, dass das 5G-Netz schädlich sei, bevor der Gesetzgeber gezwungen sei, dagegen vorzugehen. Der richtige Weg ist laut Kittenrainer aber ein anderer: „Erst einmal beweisen, dass es unschädlich ist, bevor man es auf die Menschheit loslässt.“

Georg Reisberger stellte den Antrag zur kommunalen Position für den Netzausbau. „Einige Gemeinden waren zuerst mit dabei“, berichtete er. Mittlerweile hätten viele wieder ihren Kurs geändert, „sind skeptischer geworden“. Deshalb sein Rat: auch erst einmal abzuwarten. Das empfahl auch Heilpraktiker Florian Müller und sprach Elektrosmog und Burnout an: So würden Gäste vermehrt Orte aufsuchen, um sich dort zu erholen und regenerieren, anstatt von „Strahlen vollgeballert zu werden“. Auch Burgi von Mengershausen empfahl, „keine Panik, langsam und gemach“.

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Dagegen war Klaus Weilbach zwiegespalten. „Wenn etwas Neues kommt, dann hat man Angst davor“, erinnerte der IT-Administrator. Dies sei bereits bei vorherigen Netzausbauten wie 3G so gewesen. Eine eindeutige Empfehlung mochte Weilbach dennoch nicht aussprechen: So habe Bayrischzell in der Vergangenheit lange Zeit auf einen herkömmlichen, dann schnelleren Internetanschluss warten müssen. „Irgendwann kommt auch bei 5G der Zeitpunkt, wo wir es gerne hätten und es dann heißt, wir wollten es nicht.“

Aus den Infoveranstaltungen weiß der Rathauschef um den „enormen Energiebedarf“ des Mobilfunks in den europaweiten Rechenzentren. Eine unsichtbare, sich rasant entwickelnde Technologie, die Kittenrainer kritisierte: „Wir reden über Klimaschutz und E-Autos, aber auf diese Seite schaut keiner.“ Und: „Wir werden die Welt nicht retten, wenn wir 5G nicht sofort ausbauen.“ So fiel auch das Votum im Gemeinderat aus. Einstimmig erteilte das Gremium dem Netzausbau eine Absage.

von Daniel Wegscheider

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