Alpenfreibad in Bayrischzell
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Bleibt bis auf Weiteres geschlossen: das Alpenfreibad in Bayrischzell.

„Ich will keine Gräben im Ort“

Alpenfreibad Bayrischzell: Rathauschef will Bürgerentscheid

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Zukunft des Alpenfreibads Bayrischzell spaltet die Gemüter im Ort. Bürgermeister Georg Kittenrainer schlägt deshalb einen Bürgerentscheid vor. Warum, erklärt er hier.

Bayrischzell – Für gewöhnlich läuft es so: Wenn Bürger mit Entscheidungen des Gemeinderats nicht einverstanden sind, sammeln sie Unterschriften. Wird das erforderliche Quorum erreicht, kommt es zum Entscheid. Meist stehen sich dann ein Bürger- und ein Ratsbegehren gegenüber. Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) will nun den umgekehrten Weg gehen. Er will zuerst die Bürger fragen, wie es mit dem derzeit geschlossenen Alpenfreibad weitergehen soll. Wie der Entscheid ablaufen soll und was sich er sich davon verspricht, haben wir den Rathauschef im Interview gefragt.

Herr Kittenrainer, scheuen Sie davor zurück, zusammen mit dem Gemeinderat eine weitreichende Entscheidung zu treffen?

Georg Kittenrainer: Absolut nicht. Aber mich treibt etwas anderes um: Ich habe in den vergangenen Monaten immer mehr gespürt, wie sehr die Zukunft des Alpenfreibads die Gemüter erhitzt. Bei Befürwortern wie bei Gegnern gärt es gewaltig. Mit dem Bürgerentscheid will ich vermeiden, dass wir das Problem in endlosen Debatten zerreden und als Ergebnis Gräben in der Dorfgemeinschaft bekommen. Ein demokratisches Votum müssen alle akzeptieren.

Georg Kittenrainer, Bürgermeister von Bayrischzell.

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So ein Votum könnte aber auch der Gemeinderat als demokratisch gewähltes Gremium fällen.

Georg Kittenrainer: Selbstverständlich. Trotzdem finde ich es besser, wenn alle Bayrischzeller über eine so weitreichende Entscheidung abstimmen und nicht nur zwölf Vertreter am Ratstisch. Egal welchen Beschluss wir fassen würden: Eine Seite wäre hinterher immer enttäuscht und würde auf die Barrikaden gehen. Dann haben wir am Ende auch ein Bürgerbegehren, vorher aber möglicherweise viel Zeit und Geld vergeudet.

Das Geld ist ja auch einer der Hauptdiskussionspunkte, wenn es um die Sanierung des Warmfreibads geht.

Georg Kittenrainer: Darum möchte ich die Bürger ganz generell fragen, ob wir das Bad erhalten sollen oder nicht. Denn mit den Sanierungskosten ist es ja nicht getan. Schon jetzt kostet uns der Betrieb 160 000 Euro pro Jahr, mittelfristig rechne ich mit 200 000 Euro. Das ist viel Geld für eine kleine Gemeinde wie Bayrischzell. Da muss jeder Bürger für sich entscheiden, ob wir uns das weiter zumuten sollen. Eins muss klar sein: Wenn wir uns das Schwimmbad weiter leisten wollen, werden wir uns über die Finanzierung unterhalten müssen. Da reden wir dann aber auch von einer Erhöhung von Kurtaxe oder Steuern. Sonst müssen wir an anderer Stelle sparen.

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Zuletzt waren mehrere Varianten im Gespräch. Von einer klassischen Sanierung bis hin zum Umbau in ein Naturfreibad. Wie wollen Sie die in einem Bürgerentscheid abfragen, in dem man nur Ja oder Nein ankreuzen kann?

Georg Kittenrainer: Gar nicht. Wie schon gesagt geht es erst mal nur darum, über den Fortbestand des Bads abzustimmen. Sollten die Bürger dies mehrheitlich befürworten, werden wir uns im Gemeinderat über die verschiedenen Varianten unterhalten und das Beste aus dem Willen der Bürger machen.

Damit diese sich eine Meinung bilden können, brauchen sie aber einiges an Hintergrundwissen.

Georg Kittenrainer: Das sollen sie auch bekommen! Wir werden alle relevanten Zahlen vorlegen. Ich sichere den Bürgern volle Transparenz zu, es wird keine Geheimnisse geben.

Wie sieht denn der weitere Zeitplan aus?

Georg Kittenrainer: Erst mal muss der Gemeinderat über meinen Vorschlag abstimmen. Das wird in der nächsten öffentlichen Sitzung am Montag, 13. Juli, passieren. Den Bürgerentscheid selbst würde ich dann gern im Oktober durchführen. So verlieren wir möglichst wenig Zeit und haben bald Klarheit, welchen Weg wir weiter beschreiten.

sg

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