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Alpenplus-Gebiete ringen mit Energiekrise: Skipässe werden teurer werden

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Von: Gabi Werner

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Skivergnügen soll es trotz Energiekrise auch heuer geben. Auf die Sitzheizung im 8er-Sessellift am Sudelfeldkopf werden die Wintersportler aber möglicherweise verzichten müssen.
Skivergnügen soll es trotz Energiekrise auch heuer geben. Auf die Sitzheizung im 8er-Sessellift am Sudelfeldkopf werden die Wintersportler aber möglicherweise verzichten müssen. © Archiv Thomas Plettenberg

Erst die Pandemie, jetzt die Energiekrise: Es wird wiederum keine leichte Wintersportsaison für die Bahnbetreiber im Landkreis Miesbach. Die Skifahrer müssen sich indes auf höhere Preise gefasst machen.

Bayrischzell/Spitzingsee – Die anstehende Wintersportsaison bereitet den Liftbetreibern schon reichlich Kopfzerbrechen. Auch in den großen Alpenplus-Skigebieten des Landkreises Miesbach, dem Skiparadies Sudelfeld in Bayrischzell und der Region Spitzingsee-Tegernsee, laufen derzeit Überlegungen, wie sich Energie einsparen und ein wirtschaftlicher Betrieb aufrechterhalten lässt. Schon jetzt steht fest: Die Skifahrer und Snowboarder werden ihren Teil dazu beitragen müssen – die Tarife werden deutlich steigen.

Sudelfeld-Chef: Bahnen müssen nicht unbedingt Vollgas fahren

An ein paar Stellschrauben lasse sich durchaus drehen, um teure Energie einzusparen, sagt Egid Stadler, Geschäftsführer der Bergbahnen Sudelfeld. „Wenn weniger los ist, müssen die Bahnen nicht unbedingt Vollgas fahren“, meint Stadler. Auch ein Teil der Sessel könnte bei geringerem Andrang im Depot bleiben – „dann brauchen wir weniger Strom“. Zudem könnte es sein, dass die Wintersportler beizeiten auf lieb gewonnenen Komfort verzichten müssen. Die Sitzheizungen in den modernen Sesselliften könnten abgeschaltet werden. All das deckt sich mit den Vorschlägen des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS), die auch unter Einbeziehung der hiesigen Liftbetreiber erarbeitet wurden.

Auf Kunstschnee wollen Betreiber unter keinen Umständen verzichten

Bei allem Bestreben, Energie einzusparen, macht Stadler eines ganz deutlich: Auf die Produktion von Kunstschnee könne man nicht verzichten. „Ein modernes Skigebiet lässt sich ohne Beschneiung nicht betreiben“, sagt der Geschäftsführer und nennt als Beispiel das Naturschneeskigebiet Wendelstein, das gänzlich ohne Schneekanonen auskommen muss. Im vergangenen Winter habe es dort gerade einmal zehn Skitage gegeben, am Sudelfeld waren es 130.

Pisten am Sudelfeld könnten schmaler werden

Stadler betont aber, dass man sich mittlerweile dank der modernen und großzügigen Anlagen den Luxus leisten könne, mit der Beschneiung zu warten, bis es richtig kalt sei. Er sagt: „Bei minus fünf Grad macht man doppelt so viel Schnee bei der Hälfte Energie.“ Diese Hauptbeschneiung aber sei unerlässlich, Abstriche könnte man höchstens bei der Nachbeschneiung im Januar machen, meint Stadler. „Je nachdem, wie viel Naturschnee kommt.“ Möglicherweise könnte man die Pisten ein wenig schmäler gestalten, damit weniger von dem kostbaren Weiß vonnöten ist.

Skifahrer und Boarder müssen mit Preissteigerung rechnen

Klar ist für Stadler schon jetzt: Die gestiegenen Energiekosten werden sich am Sudelfeld auch auf die Preise für die Skipässe niederschlagen müssen. Noch ist nicht endgültig geklärt, um wie viel teurer das Brettlvergnügen heuer sein wird, der Geschäftsführer rechnet aber mit einer Preissteigerung von etwa acht bis zehn Prozent. Es komme darauf an, wie sich der Strom- und Dieselpreis bis zum Winter entwickle.

Am Spitzingsee ist man um Wirtschaftlichkeit bemüht

Das Thema Energiesparen steht derzeit auch für Peter Lorenz ganz oben auf der Agenda. Lorenz ist nicht nur Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee sowie der Brauneckbahn im Tölzer Nachbarlandkreis, sondern auch Vize-Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS). Als solcher betonte er kürzlich, dass die Seilbahnen hinsichtlich einer effizienten Energienutzung schon jetzt gut aufgestellt seien. Doch auch er sieht an manchen Stellen noch Einsparpotenzial: Neben dem Abschalten der Sitzheizungen in den Sesseln und der Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit könnte man noch Hand anlegen bei der Beleuchtung in den Liftstationen – etwa durch den Einbau von Bewegungsmeldern. „Kleinvieh macht auch Mist“, meint Lorenz. Immerhin sei es im ureigensten Interesse der Bergbahnen, den Energieverbrauch so weit wie möglich nach unten zu schrauben. „Wir müssen ja schauen, dass wir wirtschaftlich arbeiten.“

Skipässe könnten um etwa zehn Prozent teurer werden

Dass die steigenden Kosten teilweise auf die Wintersportler umgelegt werden müssen, daran lässt auch Lorenz keinen Zweifel. Er spricht von einer Preissteigerung in Höhe von etwa zehn bis zwölf Prozent. Eine definitive Entscheidung dazu werde es aber erst „kurz vor Schluss“ geben, kündigt der Geschäftsführer an. Vermutlich im Oktober werden die Wintersportler Genaueres wissen.

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Schon länger seien die Liftbetreiber um eine Optimierung der Beschneiung bemüht, sagt Lorenz. Ein kompletter Verzicht auf die Schneekanonen ist aber auch für ihn keine Option: „Unser Produkt ist der Schnee“, sagt er, „ohne den haben wir kein Angebot“.

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