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Gemeinsam für die Regionen: Aufsichtsrat und Vorstand des Vereins Coworkation ALPS mit (v.l.) Marion Niederkofler (Stadtmarketing Bruneck), Harald Gmeiner (Alpenregion Tegernsee Schliersee), Hannes Götsch (Basis Vinschgau) Michael Hohenwarter (Regionalmanagement Osttirol), Veronika Müller (Vorsitzende), Luca Dapra (Basis Vinschgau), Julia Scharting (Standortagentur Tirol), Georg Gasteiger (Mesnerhof) und Alexander Schmid (Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach). 

International aufgestellter Verein

Arbeit oder Urlaub: Warum nicht beides? - Coworkation soll Region fördern

Kann das ein Ausbluten der Provinz verhindern? Mittels Coworkation möchte ein neuer, international aufgestellter Verein die Region fördern – auch den Landkreis Miesbach.

Bayrischzell/Landkreis Den Alpenraum als innovativen und zukunftsorientierten Wirtschaftsraum positionieren und eine neue Seite der ländlichen Regionen zeigen – das macht soll Coworkation, ein Trend aus dem Bereich der neuen Arbeitsformen, möglich machen. Die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach hat jetzt unter anderem zusammen mit dem Stadtmarketing Bruneck aus Südtirol und der Standortagentur Tirol aus Österreich einen Verein gegründet. Veronika Müller, Initiatorin und Vorsitzende des Zusammenschlusses, stellte nun in Bayrischzell das Projekt „Coworkation ALPS“ zusammen mit weiteren Vereinsmitgliedern vor.

Der Begriff Coworkation setzt sich aus Co (zusammen), Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) zusammen. Gruppen oder Einzelpersonen, die ortsunabhängig und digital arbeiten können, verbringen dabei mehrere Tage beispielsweise in einer Almhütte und führen ihre Arbeit allein oder in Workshops fort – idealerweise beseelt von der Kulisse und den Freizeitmöglichkeiten des Urlaubsortes. Durch den Wechsel des Arbeitsumfeldes und gegenseitigen Austausch sollen Kreativität und Innovation gefördert werden. Laura Alt von der SMG sieht Coworkation als logischen Fortschritt. Der Übergang von Arbeit und Freizeit sei heutzutage ohnehin fließend. „Es ist eine Weiterentwicklung und Optimierung einer Situation, die schon besteht.“

Für Coworkation-Expertin Müller bietet der junge Verein vor allem die Möglichkeit, sich grenzüberschreitend auszutauschen: „Es geht um eine größere Expertise und darum, gemeinsam Wissen und Erfahrungen zu sammeln.“ Da der Alpenraum länderübergreifend ähnlich aufgestellt sei, hätten alle mit gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Eine wichtige Aufgabe des Vereins sei es dabei, die Orte auf die Option Coworkation aufmerksam zu machen und ihnen Wissen an die Hand zu geben, das eine Entwicklung unterstützt.

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Geograf Michael Beismann aus Innsbruck, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, meint, dass Coworkation helfen kann, die zwei großen Probleme, die durch Abwanderung in die Städte entstünden – nämlich Leerstand und Arbeitslosigkeit – zumindest abzumildern. Zunächst sei das Ziel, Pendler dazu zu bewegen, ein paar Tage pro Woche in ihrem Heimatdorf zu verbringen. „Die Potenziale des Alpenraums liegen auf der Hand. Ruhe und teilweise Internet bis zur letzten Almhütte ist für viele attraktiv“, ist sich Beismann sicher.

„Ein hochinteressantes Thema“, findet auch Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer. Es gelte zu verhindern, dass der Landkreis zu einem „Freizeitpark der Großstädter“ wird. „Wir brauchen Einheimische“, sagt Kittenrainer. Coworkation sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Freizeitmöglichkeiten des Alpenraums würden ein gewaltiges Potenzial bieten, Coworkation umzusetzen, betont Marion Niederkofler, Direktorin des Stadtmarketing Bruneck. „Wir müssen Neues entwickeln, mit dem wir arbeiten können.“

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Einige Paradebeispiele für Coworkation hat der Landkreis bereits. Peter Kirchberger erklärt, dass 40 Prozent der Umsätze des Almbads Huberspitz oder des auch Sillberghauses durch Menschen generiert werden, die diese Orte zum Arbeiten nutzen. Er selbst habe immer seinen Computer im Urlaub dabei. „Das hat mir einfach viel Stress genommen.“

Was die nächsten Schritte für den Verein betrifft, hat Müller erst mal vor allem ein Ziel: „Wir müssen ausschwirren und das, was wir erarbeitet haben, an die Leute und die Regionen bringen.“ 

Tanja Hertl  

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