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Neuer Verwendungszweck: Das Restbudget des Bayrischzeller Kulturvereins haben (v.r.) Andrea Schilling, Rosa Rummel und Ute Waller jetzt an Kilian Wuttig, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Leitzachtal, überreicht.

Guthaben an Förderverein Ersthelfer vor Ort

Ausflugsgruppe des Kulturkreises löst sich auf - Reisekasse kommt Bergwacht zugute

Die Ausflugsgruppe des Bayrischzeller Kulturvereins musste aufgelöst werden. Über das Restbudget ihrer Ausflugskasse hat sich die örtliche Bergwacht gefreut.

Bayrischzell – In den 1950er- und 60er-Jahren trugen Damen zu kulturellen Anlässen noch schicke Hüte. Es war die Zeit des Wiederaufbaus und Wirtschaftswunders. Eben zu dieser Zeit gründete sich in Bayrischzell am Nikolaustag 1950 der Kulturkreis, um nach dem Krieg wieder Kunst und Kultur erlebbar zu machen. Der Kulturkreis begründete die bis heute stattfindende jährliche Bayrischzeller Kunstausstellung, aber es entwickelte sich daraus auch eine Sparte, die kulturelle Ausflüge veranstaltete. Die löst sich nun auf – und leitet den Inhalt ihrer Ausflugskasse für den guten Zweck weiter.

Seit dem Tod der letzten Vorsitzenden Anita Schmidbauer im Juni 2017 fanden keine Aktivitäten mehr statt. Daher spendet deren Tochter Andrea Schilling nun das Kassengeld in Höhe von 1400 Euro an den Förderverein Ersthelfer vor Ort Bayrischzell-Fischbachau. „Keiner wollte die Organisation weiter übernehmen“, berichtet die 69-jährige Rosi Rummel, die Schmidbauer während ihrer Amtszeit sozusagen als Stellvertretende helfend unterstützte. „Wir sind ja kein eingetragener Verein“, berichtet die Bayrischzellerin weiter. „Wir waren das Kaffeekranzl des Kulturvereins.“

In den Anfangsjahren habe der Kulturkreis nur aus Männern bestanden. „Die Frauen der Künstler haben sich dann irgendwann zusammengetan und Ausflüge unternommen.“ Getreu den Gründergedanken des Kulturkreises, wie in der Bayrischzeller Chronik nachzulesen ist: „Die Künste sollen gepflegt werden in Konzerten, Dichterlesungen und Ausstellungen; auch werden Omnibusreisen nach Orten mit besonderen Sehenswürdigkeiten durchgeführt.“ Letzteres haben die kulturellen Kaffeekranzl-Damen seit den 1970er-Jahren regelmäßig unternommen. Auch Schmidbauer und Rummel organisierten zahlreiche Busfahrten zu den unterschiedlichsten Zielen. Als Verpflegung für unterwegs belegten sie selbst Brote oder backten Plätzchen. „Das war eine schöne Zeit“, schwärmt Rummel noch heute.

Reisen brachten die Kulturgruppe aufs Arthurhaus an der alpinen Flanke des Hochkönigs, zur Schifferlfahrt auf dem tiefsten See Österreichs, dem Traunsee, oder nach Burghausen zur längsten Burg Europas. Auch Osterfeste und Weihnachtsmärkte in München, Nürnberg, Ulm oder Regensburg besuchten die Kulturdamen. Die letzte Fahrt führte 2015 ins niederbayerische Abensberg zum Hundertwasser-Turm. Und die Damenrunde traf sich monatlich zum Kaffeekranzl in Cafés in und um Bayrischzell. „Dort können sich die Frauen austauschen oder Karten spielen und versauern nicht allein in ihrer Wohnung“, berichtet Schilling.

Diese Kaffeekranzl wird es auch weiterhin geben, sagt Rummel, immer am ersten Mittwoch im Monat. Jetzt, da die Tagesausflüge aber nicht mehr stattfinden, soll das Geld für die Ausflüge einem gemeinnützigen Verein zugute kommen. Wie Schilling berichtet, beschlossen die insgesamt rund 40 Frauen bei der Weihnachtsfeier einstimmig, den Förderverein Ersthelfer vor Ort der Bergwacht Leitzachtal zu unterstützen.

Kilian Wuttig, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Leitzachtal, freut sich über die Spende: „Wir können das Geld gut gebrauchen bei über 400 Einsätzen im Jahr“, erklärt er. „Gerade stehen Reparaturen an für unser in die Jahre gekommenes First Responder-Auto.“ Auch Rummel findet das Geld gut angelegt: „Die Ersthelfer helfen auch älteren Leuten und sind gleich vor Ort.“

Daniel Wegscheider

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