Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus
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Den Mühlbach, einen Zulauf zur Leitzach beim Bayrischzeller Ortsteil Geitau, staut ein Biber seit Herbst auf (links im Bild). Es hat sich deshalb schon ein kleiner See gebildet. Einige Faschingsnarren fanden das in Bezug auf die vorherigen Probleme in der Trinkwasser-Versorgung witzig und haben ein Schild aufgestellt.

Bach bei Bayrischzell aufgestaut

Ein Biber hinterlässt im Landkreis seine Spuren

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Große Schneidezähne, langer Schwanz, dichtes Fell: Der Biber ist im Landkreis auf dem Vormarsch. In Geitau sorgt er für überflutete Wiesen, in Gmund brauchen die Bäume Draht-Hosen. 

Landkreis – Ein Baumstamm mit abgenagter Rinde. Ein Stück weiter der Stumpf einer Weide mit spitzem Ende. Auf dem Boden Holzspäne. Spuren wie diese finden sich an vielen Stellen im Landkreis: an der Promenade in Gmund, am Ringsee und überall entlang der Leitzach. Rund 15 Stellen sind bekannt, an denen er sich bemerkbar macht: der Biber.

Seit Jahren wird die Population in der Region wieder größer, nachdem der Biber 1867 in Bayern komplett ausgerottet war. Eine genaue Anzahl im Landkreis ist nicht erfasst. Dennoch scheint klar: Dem Biber, dem größten Nagetier Europas, gefällt es hier. Nicht jeden freut das. Während es Naturliebhaber und Umweltschützer begrüßen, dass sich der vom Aussterben bedrohte Nager im Landkreis ansiedelt, ärgern sich Landwirte über geflutete Wiesen.

Besonders macht sich der Biber unter anderem in Geitau bei Bayrischzell bemerkbar. Direkt an der Straße bei der Wendelsteinbahn hat der Nager, dessen Schneidezähne extrem hart sind und immer wieder nachwachsen, den Mühlbach aufgestaut. Der Zulauf der Leitzach überschwemmt deshalb an manchen Tagen die angrenzende landwirtschaftliche Fläche. Bürgermeister Georg Kittenrainer sagt: „Was Naturliebhaber freut, ist des anderen Leid.“

Das Biber-Werk in Geitau.

Dass entlang der Leitzach immer wieder landwirtschaftliche Flächen beeinträchtigt sind, hat Kittenrainer schon öfter mitbekommen. Als gemeindliches Problem sieht er den Biber aber nicht. Darum kümmern sich im Landkreis die Biberbeauftragten. Während der Otterfinger Max Wolf für den gesamten Kreis zuständig ist, beschäftigt sich Werner Wagner, der auch Bauamtsleiter der Gemeinde Fischbachau ist, speziell mit den Bibern im Leitzachtal. Im Landratsamt war Wagner zuvor für das Jagd- und Fischereirecht zuständig. Um den Biber kümmert er sich ehrenamtlich. Er bestätigt: „Tendenziell gibt es immer mehr.“

Der Castor fiber – so der wissenschaftliche Name des europäischen Bibers – fühlt sich hier wohl: bewachsene Ufer, Weiden und andere weiche Hölzer, wenig vorbeilaufende Hunde. „An der Leitzach mit ihren Nebengewässern hat er angefangen, sich anzusiedeln“, erklärt Wagner. Er vermutet, dass die Verbreitung an der Donau begonnen hat und der Biber dann weiter nach Süden gewandert ist. An der Leitzach besiedelt der Biber nun mit seinem Nachwuchs nach und nach die Gebiete flussaufwärts.

An der Leitzach im Fischbachauer Ortsteil Aurach hinterlässt der Biber ebenfalls seine Spuren.

Übrigens: Biber leben monogam. Die Paare bleiben im Normalfall zusammen, die Jungen – meist kommen sie Ende April zur Welt – bauen sich nach zwei oder drei Jahren in der Nähe ihrer Eltern einen eigenen Bau. Weil es lange Zeit keinen Biber mehr in Bayern gab, wurden die Nager aktiv angesiedelt. Seither stehen die Tiere unter strengem Schutzstatus und dürfen nur in wenigen Ausnahmefällen getötet werden.

An den meisten Standorten könne der Nager toleriert werden. Auch die Landwirte seien verständnisvoll, sagt Wagner. „Der Biber ist ja ein sympathisches Tier.“ Nur an manchen Stellen, wie in Geitau, richtet er wirklichen Schaden an. Mit möglichst moderaten Mitteln versuchen die Biberbeauftragten gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt dann, eine Lösung zu finden. Wie die in Geitau aussehen wird, will Wagner noch nicht verraten. „Wir haben da einen Test vor“, sagt er.

Die gemeldeten Schäden im Landkreis sind gering. Wie Pressesprecher Birger Nemitz sagt, wurden lediglich im Jahr 2012 rund 102 Euro aus dem Schadenfonds des Umweltministeriums an den Landkreis ausbezahlt. Das liege vor allem daran, dass die Untere Naturschutzbehörde präventiv gegen die Nager vorgehe. An der Promenade in Gmund wurden zum Beispiel einige Bäume mit Maschendraht umwickelt, sogenannte Draht-Hosen, um ein Umnagen zu verhindern.

Der Biber ist das größte Nagetier Europas. Ein ausgewachsenes Exemplar kann bis 30 Kilo schwer werden.

Beschwerden von Landwirten oder Privatpersonen mit Gärten gehen beim Landratsamt schon hin und wieder ein. „Der Biber legt auch Obstbäume oder Hecken um“, sagt Nemitz. Manchmal würden Elektrozäune aufgestellt, um so Feldfrüchte und Gärten zu schützen. Der Biber lerne schnell, sich davon fernzuhalten.

Lässt man den Nager sich ohne Weiteres ausbreiten, untergräbt er Wiesen und Wege. Werden die nicht mit baulichen Maßnahmen gesichert, kann es passieren, dass landwirtschaftliche Maschinen in den unterhöhlten Boden einbrechen. Im Landkreis Rosenheim ist das schon passiert. Wagner, Wolf & Co. müssen also weiterhin mit wachsamen Augen durch die Region gehen und dem Nager auf der Spur bleiben.

nip

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