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Hier wird Ihnen geholfen: Marianne Kittenrainer (r.) beantwortet als Loipenbetreuerin in Bayrischzell die Fragen der Langläufer. Die zahlen dann ihren Loipenpflegebeitrag gleich viel lieber.

Neuer Service in Bayrischzell

Loipenbetreuer begeistert: Langläufer zahlen Gebühr gern

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Sie verstehen sich nicht als Sheriffs, sondern als Kundenbetreuer: Genau deshalb kommen die Bayrischzeller Loipenbetreuer gut an. Das zeigt sich auch an der Zahlungsmoral der Gäste.

Bayrischzell – Leute um Geld zu bitten, macht keinen Spaß. Das jedenfalls dachte sich auch Sandra Sieber, bevor sie das erste Mal als Kontrolleurin an der Loipe stand. „Ich habe erwartet, dass das ein ziemliches Bettelgeschäft wird“, sagt die Bayrischzeller Rathausmitarbeiterin. Doch es kam anders – ganz anders. „Die Leute“, schwärmt Sieber, „sind der Hammer.“

Das berichten auch ihre zehn Kollegen, die seit dieser Saison an fünf Kontrollstellen im 100 Kilometer langen Loipennetz von Geitau bis zur Bäckeralm die Langläufer auf den Pflegebeitrag von fünf Euro aufmerksam machen. 95 Prozent der Wintersportler würden freiwillig und sogar gerne zahlen, sagt Sieber. „Sie sehen, dass unsere Loipen erstklassig präpariert sind und dass das Geld gut investiert ist.“ Obendrein sei das Parken im Winter gratis und damit quasi auch in der Gebühr enthalten.

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Die ganz überwiegend freundlichen Reaktionen der Langläufer kommen laut Sieber aber nicht von ungefähr. Sie sind eher eine Folge der altbekannten Weisheit: Wie man in den Wald reinschreit, so hallt es wieder heraus. Heißt: Je freundlicher die Kontrolleure auftreten, desto weniger provozieren sie Unmut. Deshalb ist Sieber ganz besonders stolz auf ihr Team. Neben Müttern, die sich vormittags für ein paar Stunden an den Kassenautomaten aufhalten, hat die Rathausmitarbeiterin etliche Schüler und Studenten aus ihrem privaten Umfeld akquiriert. „Die sind alle absolut zuverlässig und sehr nett“, lobt Sieber.

Damit bei den Langläufern auch gar nicht erst der Eindruck des Abkassierens entsteht, würden die Kontrolleure nicht als Sheriffs, sondern eher als Berater und Betreuer auftreten. Alle haben Loipenpläne dabei und helfen den Sportlern bei Fragen weiter. Im Vergleich zu den Automaten könnten sie auch Scheine wechseln. „Da sind viele Leute sehr dankbar drüber“, sagt Sieber. Nicht jeder hat schließlich fünf Euro in Münzen im Geldbeutel.

Damit die Kontrolleure auch gut zu erkennen sind, haben sie alle schicke, blaue Jacken mit einer entsprechenden Aufschrift bekommen. So soll bei den Gästen der Eindruck eines professionellen Loipen-Service hängen bleiben und nicht das Gefühl, grundlos fünf Euro abdrücken zu müssen.

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Das ist auch Marianne Kittenrainer wichtig. Die Ehefrau von Bürgermeister Georg Kittenrainer ist regelmäßig von 10 bis 12 Uhr an der Loipe im Einsatz. „Es macht mir eine Riesenfreude“, schwärmt sie. Vor allem, weil man so unkompliziert mit den Gästen ins Gespräch komme und ihnen bei Fragen weiterhelfen könne. Nicht jeder wisse zum Beispiel, dass es in der Sportalm Duschen und Schließfächer gebe.

Interessant und höchst unterschiedlich sei auch die Anreise mancher Langläufer, erzählt Kittenrainer. Sie habe mal eine Gruppe von fünf Personen beobachtet, die alle einzeln mit dem Auto nach Bayrischzell gefahren seien. „Da habe ich sie schon gefragt, ob sie nicht mal an Fahrgemeinschaften gedacht haben“, sagt Kittenrainer. Andererseits war sie aber auch beeindruckt von einer Mutter und ihrer Tochter, die mit dem Zug aus Ingolstadt bis an die Loipe gekommen seien. „Es ist echt erstaunlich, wie gut sich manche Leute organisieren.“

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Ob sich die Kontrollaktion auch in der gewünschten Steigerung der Loipeneinnahmen niederschlägt, kann Sieber derzeit noch nicht sagen. Ohnehin sei ein Vergleich zum Vorjahr schwierig, weil die Saison heuer schneebedingt später begonnen habe. Vom Gefühl her geht die Rathausmitarbeiterin aber schon davon aus, dass sich die Zahlungsmoral trotz der Gebührenerhöhung von vier auf fünf Euro verbessert hat. Auch würden vermehrt Saisonkarten (50 Euro, ermäßigt 40 Euro) nachgefragt. Die Kontrolleure machen also Eindruck. „Man merkt, dass es sich herumspricht“, sagt Sieber. Und zwar positiv.

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