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Zukunft offen: der Alpenhof mit Hotel und Restaurant an der B 307 in Osterhofen. 

Hotel in Schwierigkeiten

Bayrischzell: Betrieb im Alpenhof läuft trotz Insolvenz weiter

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Wie geht es mit dem Alpenhof weiter? Darüber machen sich nicht nur Insolvenzverwalter und Eigentümer Gedanken, sondern auch die Wirtsleute Jutta und Horst Werner.

Update vom Montag, 20. Januar: Pächter melden sich zu Wort

„Wir sind nach wie vor im operativen Geschäft tätig“, betont Horst Werner gegenüber unserer Zeitung. Ende des Monats werde man sich mit allen Beteiligten zusammensetzen und besprechen, wie es mit dem Hotel und Restaurant in Osterhofen weitergeht, so Werner.

Wie berichtet, wurde Ende November das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Ein Rückschlag für die Werners, die den Alpenhof seit gut zwei Jahren gepachtet haben. Die Gründe, warum sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, begründet Horst Werner in erster Linie mit den gesundheitlichen Problemen seiner Frau. Er räumt aber auch ein, dass man in der Region nicht den „erhofften Durchschlag“ erzielt habe. „Obwohl wir an so gut wie an jeder Tür geklingelt haben“, so Werner.

Die Probleme würden jedoch auch in der Fünf-Sterne-Vergangenheit des Alpenhofs wurzeln. „Diese Altlasten wird man nicht so einfach los“, sagt der Pächter. Obendrein habe zwei Mal in kurzer Zeit der Küchenchef gewechselt. Auch das mache es nicht leichter, die Gastronomie unter den Einheimischen zu verankern. Insgesamt sei es schwer gewesen, Personal zu finden. Dies liege nicht zuletzt am fehlenden bezahlbaren Wohnraum in Osterhofen und Umgebung . Über eigene Personalzimmer verfüge der Alpenhof leider nicht.

Vorerst werden die Werners das Haus noch bis Ende des Monats betreiben. Über die Zukunft, so Horst Werner, sei man im Gespräch.

Ursprüngliche Meldung:

Osterhofen – Baden mit orientalischem Sternenhimmel im „Salome“, Wohnen wie ein italienischer Adliger im „Michelangelo“ oder „Leonardo da Vinci“, Anstoßen an der holzvertäfelten Bar im „Franz Josef“ – und das alles unter einem Dach. Der Alpenhof in Osterhofen bietet Themensuiten für jeden Geschmack. Vom japanisch designten Mikado ab 180 Euro pro Nacht bis zur „Königsklasse“, dem „Hideaways“ mit 150 Quadratmetern und eigenem Wellnessbereich ab 450 Euro. Ein Angebot, das man eher in einem Grandhotel am See, in den Bergen oder in einer Großstadt erwarten würde. Aber direkt an der Bundesstraße 307 zwischen Osterhofen und Bayrischzell?

Das hat auch Michael George überrascht, als er den Alpenhof zum ersten Mal besichtigt hat. Allerdings war er nicht hier, um sich in eine der Suiten einzubuchen, sondern um die wirtschaftliche Lage des Hotels mit Restaurant zu begutachten. Nicht als Pachtinteressent, sondern in anderer Funktion: als Insolvenzverwalter. Ende November hat die Alpenhof Hotel GmbH, vertreten durch die Geschäftsführerin Jutta Werner, den Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, heißt es in der öffentlichen Bekanntmachung des zuständigen Amtsgerichts Wolfratshausen.

Wie berichtet, waren Werner und ihr Mann Horst erst Anfang 2018 angetreten, um den Alpenhof in ein „Haus des Willkommens“ zu verwandeln und damit auch mehr Einheimische anzulocken. Quasi als Startschuss richteten die neuen Pächter ein Benefizsommerfest mit Spendentombola aus. Im Mai 2019 engagierten sie zudem Sternekoch Tobias Jochim für das hoteleigene Restaurant. Parallel führten die Werners ihr Bildungszentrum in München weiter.

Warum ihr Konzept für den Alpenhof nicht aufgegangen ist, bleibt offen. Auf Anfrage unserer Redaktion war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Auch Thomas Rische, Bevollmächtigter des Eigentümers des Alpenhofs, will nicht spekulieren. Aus Erfahrung weiß er aber, dass man einen solchen Betrieb nicht als Zweitgeschäft führen könne. „Wenn man ein familiengeführtes Haus bewirbt, muss man jeden Tag vor Ort sein“, sagt Rische.

Aktuell noch im Haus sind Koch Jochim und auch die anderen 23 Mitarbeiter. Während dies laut George auch erst mal so bleiben soll, wird sich das Ehepaar Werner aus dem Alpenhof zurückziehen. Der Insolvenzverwalter hat sich mit dem Eigentümer darauf geeinigt, einen neuen Betreiber zu suchen und somit dem Hotel mit seinen 40 Zimmern eine Perspektive zu eröffnen. „Ein paar Interessenten sind in der Pipeline“, verkündet George. Spruchreif sei aber noch nichts. Überstürzen werde man aber nichts, betont Rische. „Zu häufige Wechsel schaden dem Haus.“

Bis zur Entscheidung gelte es, das Konzept zu überprüfen und eventuell zu überarbeiten. Das Haus selbst sei in gutem Zustand, bestätigt George. Mehrere Faktoren hätten zuletzt einen wirtschaftlichen Betrieb erschwert. Sowohl die Suiten wie auch die Sternegastronomie, die der damalige Pächter und Spitzenkoch Paul Urchs von 2003 bis 2009 etabliert hatte, seien heutzutage nur schwer rentabel zu führen. Ein Ziel könne es sein, vermehrt auf die Faktoren Natur und Freizeit zu setzen, etwa mit Kräuterwanderungen. „Wir werden intensiv die Köpfe zusammenstecken“, sagt der Insolvenzverwalter.

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Ob auch ein Verkauf des Alpenhofs zur Debatte steht, kann George derzeit nicht abschließend beantworten. Man habe aber mit dem Eigentümer vereinbart, grundsätzlich alle Optionen durchzuspielen. Oberstes Ziel sei aber, einen nahtlosen Übergang hinzubekommen und eine Schließung von Hotel und Restaurant in jedem Fall zu vermeiden, versichern Rische und George. Dies würde den Kontakt zu Stammgästen und Firmen abbrechen lassen. „So etwas lässt sich nur schwer wieder aufbauen,“ sagt George. Für die Gäste ändert sich damit im Alpenhof vorerst nichts. Sie können weiter im Hotel nächtigen oder im Restaurant speisen – gern auch fürstlich.

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