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Verstörend: Dieses Bild von Anis wurde nicht von ihrer Familie gemacht - sondern vom Entführer.

Mysteriöser Fall

Dalmatiner-Hündin entführt und auf Facebook angeboten: Familie hat Verdacht

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Verzweifelt sucht eine Familie aus dem Leitzachtal nach ihrer Dalmatiner-Hündin Anis. Ihr schlimmer Verdacht: Sie wurde entführt. Und die Familie glaubt auch zu wissen, von wem.

Bayrischzell - Anis verschwand an einem Wintertag im Februar. Ihr Frauchen, Maria Elisabeth Hecker aus Bayrischzell, ließ sie in den Garten ihres Hauses unterhalb des Wendelsteins. Wie jeden Tag. Nur diesmal kam Anis nie wieder zurück. Hecker schlägt Alarm. Ihr Sohn Friedrich (55) und seine Tochter machen sich mit ihr auf die Suche. Sie entdecken eine Spur aus Frolic-Futter, die aus dem Garten bis zu einem angrenzenden Wanderweg an der Leitzach führt. Dort endet sie. Schon jetzt wächst ein schrecklicher Verdacht: Anis, die sieben Jahre alte Dalmatiner-Hündin, wurde entführt. Und die Familie glaubt auch zu wissen, von wem.

Sie verdächtigen Helene S. aus Oberfranken. Sie und die Familie Hecker kennen sich über ihre Hunde. S. besitzt ebenfalls einen Dalmatiner aus demselben Wurf. Früher besuchte sie regelmäßig Elisabeth Hecker und ihre Hündin Anis, wohnte sogar einmal in dem Haus in Bayrischzell. Helene S. heißt nicht wirklich so. Ihr Name und genauer Wohnort ist der Redaktion bekannt, wurde aber zu ihrem eigenen Schutz geändert. Denn vor ein paar Jahren wurde alles sehr komisch zwischen den Heckers und Helene S.. Deshalb auch der konkrete Verdacht der Familie.

Anis wurde schon einmal entführt

Anis mit Emilio, ein Urenkel von Elisabeth Hecker.

Anis verschwand schon einmal. Vor etwa einem Jahr. Helene S. machte zur gleichen Zeit mit ihrem Mann auf der anderen Seite des Wendelsteins Urlaub. Nachdem die Polizei Miesbach eingeschaltet wurde, fand sie Anis bei Helene S.. Hecker erstatte Anzeige wegen Diebstahls. Den Tatbestand Entführung gibt es nicht bei Hunden. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren wegen Mangels an Beweisen ein.

Aber das ist noch nicht alles. Schon zuvor scheint sich Helene S. sehr um das Wohlbefinden von Anis zu sorgen. Sie zeigt Elisabeth Hecker beim Veterinäramt am Landratsamt Miesbach an. Mehrmals. Elisabeth Hecker ist mit 87 Jahren nicht mehr die Jüngste. Sie kann sich nicht mehr ausreichend um Anis kümmern, lautet der Vorwurf. Die Behörde schickt jedes Mal jemanden bei Hecker vorbei, kann aber nichts beanstanden. Im Februar landet wieder eine anklagende Mail von S. im Landkreis Miesbach. Diesmal beim Tierschutzverein Tegernseer Tal. Wenige Tage später ist Anis verschwunden.

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Die Polizei Miesbach nimmt im Februar die Ermittlungen auf. Erstmal in alle Richtungen. Die fränkischen Kollegen klingeln auch bei S. an der Tür. Anis ist aber nicht da. Vielleicht ist selbst Anis weggelaufen, vielleicht schon tot, ist eine andere Vermutung.

Erschreckender Facebook-Post: Entführer sucht neue Bleibe für Besitzer

Dann findet Friedrich Heckers Tochter einen Facebook-Post mit einem Bild von Anis. Er stammt von einer Gruppe, die ehrenamtlich Hunde vermittelt. Anis ist angeblich von ihren früheren Eigentümern misshandelt worden und sucht nun neue Herrchen. Die Heckers nehmen Kontakt zu den Inhabern der Seite auf. Ihnen sei das Foto anonym zugespielt worden, lautet die Antwort. Zwar sind die Heckers keinen Deut weiter in ihrer Suche, aber immerhin haben sie ein Lebenszeichen.

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Auch der zuständige Ermittler der Polizei Miesbach sagt unserer Redaktion: „Unser Tatverdacht richtet sich nach den Angaben der Geschädigten.“ Die Polizei vermute den Hund „irgendwo in Oberfranken“. Gechipt wäre Anis. Man könnte sie also zweifelsfrei identifizieren, wenn man sie denn finden würde.

Friedrich Hecker jedenfalls ist sich sicher, wo die Polizei noch einmal suchen sollte. „Niemand sonst kann Interesse an dem Hund haben. Anis ist sterilisiert. Sie hat keinen Zuchtwert.“ Seine Mutter sei wahnsinnig traurig, dass ihre Anis nicht mehr da ist. „Wir können nicht verstehen, wie man einer alten Frau so etwas antun kann.“ 

Wir sprechen mit Helene S.

Unsere Redaktion konfrontiert S. mit den Vorwürfen. Ihr das Verschwinden von Anis in die Schuhe zu schieben sei eine „verlogene Frechheit“, sagt sie. Sie werde einen Anwalt einschalten, wenn die Familie Hecker diese Vorwürfe aufrechterhielte. „Ich würde mir wünschen, dass der Hund bei mir wäre. Dann wüsste ich wenigstens, dass er gut aufgehoben ist.“ Denn in Bayrischzell sei er das nicht gewesen. Auch wenn das Veterinäramt etwas anderes behaupte. Sie bleibe dabei.

Bei Friedrich Hecker erntet das nur Kopfschütteln. Seine größte Sorge ist, dass S. keinen Ausweg mehr hat. „Sie könnte Anis höchstens irgendwo in der Nähe aussetzen“, hofft er. Die einzige Alternative will Friedrich Hecker nicht zu Ende denken: Anis wird irgendwo still und heimlich beseitigt.

Wer Informationen zum Aufenthaltsort von Anis hat, meldet sich bei der Polizei Miesbach unter 08025/2990.

kmm

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