Leere Becken im Warmfreibad in Bayrischzell
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Zu groß und zu kaputt: Ihr Warmfreibad in Bayrischzell müsste die Gemeinde eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Im Gemeinderat wurde nun eine Sanierungsstudie vorgestellt.

Infos zum Bürgerentscheid

Freibad: Sanierung und Umbau kostet mindestens 2,1 Millionen

Die Zukunft des Freibads Bayrischzell liegt in den Händen der Bürger. Diese entscheiden Ende November. Schon jetzt hat ein Ingenieurbüro ein Sanierungs- und Umbaukonzept vorgelegt.

Bayrischzell – Wer zurückblickt, kann so einige Überraschungen innehaben: So diskutierte der Gemeinderat vor 25 Jahren genauso über die Zukunft des Bayrischzeller Warmfreibads wie heute. Darauf war Georg Kittenrainer bei der Lektüre unserer Zeitung, namentlich der Rubrik Das Datum, gestoßen. „Der Beton ist ermüdet, das Becken nicht mehr wasserdicht. Die Ratsmitglieder diskutieren über eine Umgestaltung des Warmfreibades“, hieß es da über eine Ausgabe im September 1995.

Ein Thema, das mit dem kommenden Bürgerentscheid zur Warmbad-Zukunft wieder brandaktuell wird. Im Gemeinderat stellte Ingenieur Johann Wach nun die Studie zu Warmfreibadsanierung vor. Dazu faltete er inzwischen rotstichigen Bauplan auseinander, der in verblichenen Bleistiftstrichen das Alpenfreibad in seiner heutigen ikonischen Fuß-Form skizziert. „Im Jahr 1957 hat man vom Bäderbau noch nichts gewusst, aber dieses ist wegweisend gewesen“, berichtete Wach. Für die damalige Zeit revolutionär, wurde das Bayrischzeller Bad nämlich in Stampfbeton mit Trennfugen und einer beachtlichen Beckenlänge von 50 Metern gebaut, das Becken in Schwimmer und Nicht-Schwimmer aufteilte.

Das alles ist 63 Jahre her, und wie mehrfach berichtet, ist die Technik des Freibads nun nicht mehr zeitgemäß, die Anlage veraltet und das Becken verliert Wasser – laut Wach täglich im Wert von rund 80 Euro. Bevor die Gemeinde ihr Bad aber aus wirtschaftlichen Gründen dichtmacht, sollen die Bürger darüber entscheiden, ob sie an der Zukunft des Betriebs festhalten wollen. Um für diese Entscheidung Zahlen und Fakten zu haben, hatte die Kommune das Ingenieurbüro Wach mit einer Bestandsdokumentation beauftragt.

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Konkret müsse die Wasserfläche verkleinert werden, sagte Wach, „sie ist für ein 1600 Einwohner-Dorf viel zu groß“. 440 Quadratmeter anstatt 650 würden ausreichen, andernfalls sei der Unterhalt zu teuer. Der Planer schlug der Gemeinde zudem ein zeitgemäßes Edelstahlbecken mit Überlaufrinne vor, das in den alten Baukörper eingelassen wird. Dieses unterteilt sich in die Bereiche Kinder- (30 qm), Übergangs-(und Sportbecken 100 qm) sowie einer Sprungnische (60 qm), die jeweils eine von einer abgerundeten Trennwand abgrenzt werden. Für Schwimmer sieht Wach im Sportbecken vier 25-Meter-Bahnen auf zehn Metern Breite vor. Die Wassertiefe dort liegt bei 1,80 Metern. Im Kinderbecken beträgt die Wasserhöhe am niedrigsten Punkt 90 Zentimeter und am tiefsten misst sie 1,35 Meter. Die beiden Becken sind auf der Ostseite per Treppe erreichbar und mit einer zusätzlichen Schleuse verbunden. Eine zweite Einstiegstreppe befindet sich zudem auf der gegenüberliegenden Seite.

„Freibäder werden in der heutigen Zeit mit Solar geheizt“, fuhr Wach fort. Eine Wärmepumpe, um die Temperatur auf 26 Grad hoch zu heizen, sei nicht mehr Usus. Allerdings bedeutet dies auch schwankende Temperaturen im Wasser, die morgens und nach ein paar Tagen ohne Sonnenschein schonmal 16 Grad betragen können. Laut Wachs zeige die Erfahrung aus anderen Bädern, die auf erneuerbare Energie setzten, aber: „Den täglichen Frühschwimmer stört das nicht.“ Zur Energiegewinnung müsste außerdem ein neues Technikhaus unmittelbar an der Südseite des Schwimmbeckens untergebracht werden. Der Bestand im ehemaligen Bademeisterhaus reiche dafür nicht mehr aus, so Wach weiter. Der Experte nannte auch einen Preis für das kommunale Sanierungskonzept: „2,1 Millionen Euro. Weniger ist nicht möglich.“ Der Freistaat fördert mit 27 Prozent. Zum Vergleich: 1995 hatte die Gemeinde für ihre geplanten Schwimmbad-Baumaßnahmen eine Summe von vier Millionen Mark zu stemmen. „Auch damals eine große Diskussion“, sagte Kittenrainer.

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Der Bürgermeister appelliert beim Bürgerentscheid – den Termin setzte der Gemeinderat auf den 29. November fest, beim Ratsbegehren mit „Ja“ und beim Bürgerbegehren mit „Nein“ zu stimmen. „So ist gewährleistet, dass wir uns mit der Materie dauerhaft beschäftigen“, betonte er und ergänzte mit Blick aufs Bürgerbegehren: „Das Schwimmbad im vollen Umfang zu erhalten, ist nicht finanzierbar. Das war vor 25 Jahren schon nicht möglich.“

Daniel Wegscheider

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