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Bekannter Drehort: In der ZDF-Serie Frühling wird aus der Bayrischzeller Skischule im Haus hinten eine Dorfhelferzentrale – das Herzstück der Sendung. Stephanie Hintermayr (2.v.r.) führt Fans zu den wichtigsten Drehorten.

Sie kommen sogar aus Frankreich

Bayrischzell: Führung zu den Drehorten der Serie „Frühling“ begeistert Fans

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Das ZDF dreht in Bayrischzell die Serie „Frühling“ – und erreicht Millionen Zuschauer. Manche von ihnen nehmen Tagesreisen auf sich, um die Drehorte zu erleben. 

Bayrischzell – Stephanie Hintermayr (48) steht vor einer Dorfhelferzentrale, die es nicht gibt, und erzählt einer Gruppe Touristen von einer Frau, die hier nicht lebt. „Ganz oben links ist ihr Büro“, sagt sie. In Wirklichkeit ist dort ein Gästezimmer. Das einzig Reale an der Situation: 13 Menschen sind unter anderem aus Frankreich, dem Ruhrgebiet und dem Saarland angereist, um die erfundene Dorfhelferzentrale zu sehen. Und vor allem das Dorf, in dem sie steht.

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Bayrischzell: Führung zu den Drehorten der Serie „Frühling“ begeistert Fans

Denn an bisher 22 Sonntagen erwachte für sie die Dorfhelferzentrale im ZDF zum Leben. Dann steht hier die Dorfhelferin Katja Baumann, gespielt von Simone Thomalla, mit Menschen Notsituationen durch, liebt, lebt und leidet. „Frühling“ heißt die Serie, die das Zweite zur bestehen Sendezeit um 20.15 Uhr ausstrahlt – wie der Frühling, den Baumann in das Leben der Menschen bringt. Seit 2010 läuft Frühling, grob fünf bis sechs Millionen Menschen schalten jeweils ein. Heuer entstehen fünf neue Folgen.

Daran hat auch Hintermayr mitgewirkt. Als Leiterin der Tourist-Info hat sie Drehorte empfohlen und die Serienmacher beraten, wie schon von Anfang an. Vor zwei Jahren kam ihr die Idee, ihr Wissen an die Fans weiterzugeben und eine Führung zu den Drehorten anzubieten. Acht Führungen dieser Art hat Hintermayr bereits geleitet, 15 bis 20 Gäste waren jeweils gekommen.

Paraderolle für Simone Thomalla: In bisher 22 Folgen spielte sie in der ZDF-Serie „Frühling“ die Dorfhelferin Katja Baumann.

Heute, bei Führung Nummer neun, drückt die Sonne, das Thermometer an der Tourist-Info zeigt 30 Grad. Zehn Erwachsene und drei Kinder trotzen der Hitze. Auch Hintermayr hat sich angepasst: Normalerweise trägt sie zum Rundgang ein langes Dirndl. Heute ist sie im knielangen Sommerkleid unterwegs, hat eine Sonnenbrille dabei.

Die Gruppe läuft los. Entlang der Schulstraße, vorbei am Café Huber, dass in der Serie Café Hagen heißt, zum Gasthof Zur Post, ebenfalls ein regelmäßiger Drehort. Eine Radfahrerin kommt vorbei. „Grüß Gott, Stephanie“, ruft sie. Hintermayr winkt und lacht. Auch die Gäste lachen. „Wie im Fernsehen“, sagt eine Frau zu ihrem Mann.

Das Paar sind Anny und Francis Reinhart, beide 63 und beide Frühling-Fans. Sie sind aus Konheim im Elsass in Frankreich angereist, eine ganze Tagestour war das, sagt Anny. Sie und ihr Mann schauen regelmäßig ZDF, weil deutsche Serien seltener vom Krieg handeln als die französischen, sagt Anny. Eines Tages entdeckte sie dabei Frühling. „Danach mussten wir jeden Sonntag um acht zu Hause sein“, sagt ihr Mann. „Da gab es kein Aber.“

Hatten sichtlich Spaß: Die Teilnehmer der Führung um Stephanie Hintermayr (v.m.).

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Bayrischzell: Frühlings-Fans googeln den Namen des Filmdorfs - und kommen zum Urlaub

Die Gruppe macht Halt vor dem Grundstück, auf dem derzeit ein Familien-Hotel gebaut wird. Hintermayr nutzt die Gelegenheit für ein wenig Standortwerbung: Das Hotel ist nötig, weil Bayrischzell bei den Touristen so beliebt ist, erklärt sie. Auch die Locations-Scouts des ZDF seien durch Bayern und das gesamte Alpenland gefahren, um den perfekten Drehort zu finden. Nirgendwo habe es ihnen so gut gefallen wie in Bayrischzell. Das abgeschlossene Dorf, das Dorfleben und die Landschaft – genau das hätten die Produzenten gesucht. „Hier kann man ein echtes Dorf erleben. Wir sind keine Kulisse und keine Hotelburg“, sagt Hintermayr. Anny Reinhardt nickt: „Hoffentlich bleibt es auch so.“

Sie und ihr Mann sind bereits zum zweiten Mal in Bayrischzell. Sie hatte den echten Namen des Filmdorfs ergoogelt, im April reisten die Reinharts zum ersten Mal nach Bayrischzell. Sie schlenderten durch das Dorf, fuhren zum Spitzingsee, machten die Wanderungen, die die Zeit zuließ. „Hier ist das Paradies für mich“, sagt Anny Reinhart. „Das Dorf ist so gemütlich, die Leute sind so freundlich. Und das Panorama!“ Also kamen sie im Sommer noch einmal, um richtig in die Berge zu gehen. Und um die Führung zu machen.

Die Gruppe kommt zur Praxis Müller. In Frühling lebte hier Dr. Tom Kleinke. Das Holz der Außenfassade seines Hauses war in einer Folge mit einem giftigen Material behandelt worden, seine Frau deswegen an Depressionen erkrankt, erklärt Hintermayr. „Ahh“, raunt die Runde. „Stimmt“, sagt Anny Reinhart. „So war das.“

Wegen Frühling schon zum zweiten Mal aus Frankreich nach Bayrischzell gekommen: Francis und Anny Reinhart (v.v.l).

Hintermayr kennt alle Frühling-Folgen. Anfangs schaute sie die Serie „aus professionellen Gründen“, wie sie mit einem Lachen sagt. Inzwischen mag sie die warmen Geschichten aus dem Leben. „Die Serie ist nah am Alltag“, sagt sie. „Nicht Herz-Schmerz, aber auch nicht Mord und Totschlag. Das könnten Menschen sein, die ich kenne.“

Das gefällt auch Gerald Weinmann (52). Er ist mit seiner Frau und den beiden Kindern aus Welgesheim bei Mainz nach Bayrischzell gefahren. Auch er hatte Frühling gesehen, den Drehort gegoogelt und seinen Urlaub danach geplant. „Gut“ findet der Sohn das. „Schön“ die Tochter. Sie schauen die Serie zusammen mit den Eltern und mögen sie. Ihre Lieblingsserie ist es nicht. Den Urlaub mögen sie trotzdem.

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Bayrischzell: Durch die ZDF-Serie Frühling entdecken auch Einheimische ihr Dorf neu

Dass Bayrischzell heute die Anlaufstelle für Frühling-Fans ist, verdankt die Gemeinde auch ihrem Bürgermeister Georg Kittenrainer. Die ersten Jahre der Sendung stand auf dem Ortsschild im Vorspann noch „Gemeinde Hausham“, berichtet Hintermayr. Warum, weiß sie nicht. Sie und ihre Kollegen wiesen die Serienmacher zwar mehrfach auf den Fehler hin, aber der blieb dennoch. Bis Kittenrainer den Produktionsleiter auf das Problem ansprach. Der schritt ein. Seit zwei Jahren stimmt die Aufschrift auf dem Ortsschild.

Die Gruppe kommt zum Café Stumpp, ab Folge 20 Drehort für das Café Hagen, und zum ehemaligen Lichtspielhaus Peterhof. „Hier habe ich meinen ersten Kinofilm gesehen“, erzählt Hintermayr. In einer Frühling-Folge gingen die Jugendlichen hier wieder ins Kino. „Da dachte ich erst: ,Was, die haben das Kino wieder aufgemacht?‘“, sagt Hintermayr. Die Gruppe lacht.

Am Alpenwirt endet die Führung. Knapp 90 Minuten waren die Teilnehmer in Frühling unterwegs – wie sonntags, wenn eine Folge läuft. „Ich habe von einigen Sendungen, erfahren, die wir verpasst haben“, sagt Anette Greis (55) aus Saarlouis im Saarland. „Die schauen wir in der Mediathek“, sagt ihr Mann. Am nächsten Tag wollen sie aber erst einmal an den Schliersee.

Die nächste Führung

mit Stephanie Hintermayr findet am Mittwoch, 7. August, statt. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Rathaus. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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