„Hundsdreck-Verweigerer“

Mit Bio-Tütchen gegen Hundehaufen

Ein kontroverse Diskussion gab es im Gemeinderat Bayrischzell über Hinterlassenschaften von Hunden am Wegesrand. Der Umwelt zuliebe sollen Bio-Tütchen angeschafft werden. 

Bayrischzell – Wiesen grünen wieder, auch haben Kehrmaschinen längst verbliebene Kieselsteine von den Straßen geputzt, und somit ist auch der letzte Rest des Winters im Tal verschwunden. Doch nun sorgen diese Hinterlassenschaften im Gemeinderat Bayrischzell für Unmut: Hundehaufen und Kotbeutel, die an den Wegen liegen bleiben. Die Ratsmitglieder halten das für eine „Obersauerei“ und appellieren an die Vernunft von Hundebesitzern. Zudem sollen nun verrottbare Bio-Hundebeutel mit Blick auf eine umweltfreundliche Entsorgung angeschafft werden.

In der jüngsten Sitzung stieß Florian Müller das Thema Hundekot an: Er beobachtete vor Kurzem eine „ältere Dame“ am Bahnhof, als ihr Hund sein Geschäft an den Fahrradständern verrichtete. Doch anstatt den Hundehaufen zu entfernen, verschwand die Frau uneinsichtig, nachdem Müller sie zum Saubermachen aufgefordert hatte. „Es hat sie einfach nicht interessiert“, sagte Müller und ist stinksauer: „Jeder Wildbiesler auf dem Oktoberfest wird wie ein Schwerverbrecher geahndet.“ Deshalb fordert auch er eine „strenge Strafe“ für Hundebesitzer, „die auf frischer Tat ertappt werden“, wenn sie Kottüten nicht ordnungsgemäß in den Mülleimern der Gemeinde entsorgen.

Geschäftsführer Josef Acher bremste ein: Eine Sanktion sei in der Praxis nicht möglich. „Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die angezeigt und bewiesen werden muss, damit die Gemeinde den Vorfall ans Landratsamt weitergeben kann.“ Dafür brauche es einen Ordnungshüter, der auf den Straßen patrouilliert, um die Verstöße von „Hundsdreck-Verweigerern“ zur Anzeige zu bringen, ergänzte Bürgermeister Georg Kittenrainer.

„Um nicht jeden im Ort zum Sheriff zu machen, der auf andere schaut“ (Matthias Sobotta), setzt die Gemeinde nun auf Aufklärungsarbeit: Über richtiges Verhalten will sie in der nächsten Ausgabe der Gemeindenachrichten berichten. Auch sind Infotafeln bei Hundestationen geplant.

Kittenrainer ist dennoch skeptisch: „Wir hatten schon öfters in den Gemeindenachrichten darüber informiert. Es ist wie immer: Die Ordentlichen befolgen es, und es gibt die, denen es herzlichst wurscht ist.“

Ein weiteres Problem sprach Vize-Bürgermeister Egid Stadler an: „Die Gemeindenachrichten lesen nur die Bürger. Aber wir haben hier einen regelrechten Hundetourismus, der aus den Nachbargemeinden kommt.“ Zudem verwies der Landwirt darauf, dass der Hundekot nicht nur ein optischer Makel für die Landschaft sei, sondern auf den Feldern ein „Gesundheitsproblem“ für die grasenden Rinder darstelle.

Burgi von Mengershausen befürchtet bei der Anschaffung der Bio-Hundetüten indes erst recht eine Wegwerfmentalität in der Natur: „Nach dem Motto: Dort verrotten sie ja eh.“ Zudem dauert es laut Mengershausen zu lange, bis die Tüten kompostiert sind.

Die Gemeinde will mit den Bio-Tüten aber vor allem auf die „weltweite Diskussion“ zum Abbau von Kunststoffmüll reagieren – das war auch Müllers Anliegen. Gründe für nicht entsorgte Hundehäufchen und -tüten am Straßenrand sieht Mengershausen auch in der Bequemlichkeit vieler Hundebesitzer: „Viele sind einfach zu faul, ihre Tüten bis zum nächsten Mülleimer zu tragen, und argumentieren oft, es gebe zu wenig Abfalleimer.“ Auch wenn eine Entsorgungsstelle nicht gleich an der nächsten Ecke steht, sind Hundekottüten in der Landschaft für Kittenrainer „eine grenzenlose Rücksichtslosigkeit von einigen Hundehaltern“, betonte er. „Das ist bedenklich und geht gar nicht.“

Daniel Wegscheider

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