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Bayrischzell: So bekam die Wendelstein-Sage ein Gesicht

Kunst im öffentlichen Raum 

So bekam die Wendelstein-Sage ein Gesicht

Fast jeder kennt sie, aber kaum jemand kennt ihre Geschichte: Nur mit einer Motorsäge erschuf Künstler Rudolf Peukert die Wendelstein-Männlein, die heute Jung und Alt begeistern.

Bayrischzell – Sie sollen einst im Wendelsteinmassiv gelebt haben, waren kleiner als Menschen und hausten in den Höhlen im Berg: die Wendelsteinmännlein. Rudolf Peukert aus Fischbachau hat diesen Figuren aus der örtlichen Sage ein Gesicht verliehen und erschuf die passenden Holzfiguren. Eines der Männlein steht im Kurpark in Bayrischzell, weitere am Wendelsteinmännleinweg.

Der Anlass

Marita und Sabine Acher haben die Sage 2008 wieder ins Bewusstsein der Gemeindebürger gerufen, nachdem diese für mehr als 30 Jahre in Vergessenheit geraten war. Jetzt singen sechs Kinder aus der Gegend wieder bei feierlichen Anlässen im passenden Kostüm das Wendelsteinmännlein-Lied. 2011 wurde der Wendelsteinmännleinweg eröffnet. Er soll einen Einblick in den Lebensraum der Bergwesen geben und auf Naturgegebenheiten aufmerksam machen. Die Holzfiguren von Peukert – drei Männlein und ein Weiblein – zieren den Wegesrand, der an einem Wasserfall, einem Schneeheide-Kiefer-Wald und einem Totholz-Steig vorbeiführt.

Künstler Rudolf Peukert schuf die Wendelstein-Männlein mit einer Motorsäge.

Die Inspiration

Der Künstler und Forstwirt Rudolf Peukert formte die Sagen-Männlein auf Grundlage der Überlieferung und seiner Vorstellungskraft. Modelle oder Vorlagen gab es keine. Die Figuren aus Eichenholz laden nun am Wegesrand zum Betrachten ein. Mit ihrer Größe von circa 1,20 Metern sind sie zwar klein, passen sich aber der Umgebung an. Durch das natürliche Material sind sie genauso wie die Umwelt Wind und Wetter ausgeliefert. Sie wandeln sich mit der Zeit und verformen sich naturbedingt. Das unterstreicht das Wesen der Wendelsteinmännlein, denn auch sie waren der Überlieferung nach der Natur und den Jahreszeiten ausgesetzt. Obwohl das stabile Eichenholz am besten geeignet sei für Kunstobjekte im freien Raum, sei es trotzdem vergänglich, sagt Peukert.

Der Stil

Was den Stil von Peukert besonders macht, ist die Arbeit mit der Motorsäge. Der gelernte Forstwirt erschafft seit 1999 seine Kunstwerke mit einer Kettensäge, deswegen haben seine Figuren auch eine gröbere Struktur und eine massivere Figur. Um auch filigranere Partien wie die Mimik eines Gesichts zu gestalten, nutzt er verschiedene Aufsätze – die sogenannten Schwerter. Peukert nimmt nach dem Sägen keine weiteren Schleifarbeiten mehr vor. Das hebe seine Werke von anderen ab – etwa aus Oberammergau. Die Gemeinde im Kreis Garmisch-Partenkirchen sei die Hochburg der Holzkunst.

Blickfänge sind Peukerts Objekte allemal, und mit seinem Stil gibt er den Wendelsteinmännlein einen freundlichen Charakter: Alle Figuren haben ein Lächeln um den Mund, das sinnbildlich für die wohlwollende Einstellung der Männlein gegenüber den Menschen gesehen werden kann.

Das Lied

Die Sage findet bei Einheimischen und Gästen großen Anklang, wenn sich die Kinder in Wendelsteinmännlein verwandeln und dabei das alte Lied vortragen: „Am Wendelstein, da waren wir vor langer, langer Zeit; ein kleines Volk und waren stets zu jeder Hilfe bereit. Ein verstiegenes oder krankes Tier, wenn Almleut’ waren in Not; bei Nacht und Nebel halfen wir – es war unser Aufgebot. (...) Der Schatz, der in der Höhle war, den mussten wir beschützen, doch böse Leut’ drunt aus dem Tal – die wollten ihn stibitzen. Wir mussten fort, mein Zauberwort noch an der Wand zerschellte, sie fanden in der Höhl’ statt Gold nur Schnee und Eis und Kälte. Wo sind wir jetzt? - Das sag ich nicht! Ewig sei’s verschwiegen, von den Männlein einst am Wendelstein sind nur noch wir sechs geblieben“.

Das hölzerne Quartett hatte damals die Tourist-Info Bayrischzell in Auftrag gegeben. Jetzt erfreuen sich vor allem junge Gäste an Peukerts Kunstfiguren.

Zu dieser Serie

Wie und durch wen gelangt Kunst in den öffentlichen Raum? Das ist die Frage, der wir in einer Serie in den kommenden Wochen nachgehen. Wir stellen eine Auswahl Kunstwerke, Künstlern und Anlässen vor, die dafür verantwortlich sind.

von Amelie Knaus

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