Besuch in der alten Heimat: Dalmatiner-Hündin Anis mit ihrem neuen Frauchen Lara L. in Bayrischzell. Hier blicken sie auf den Wendelstein.
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Besuch in der alten Heimat: Dalmatiner-Hündin Anis mit ihrem neuen Frauchen Lara L. in Bayrischzell. Hier blicken sie auf den Wendelstein.

„Ich glaube, ich habe Ihren Hund“

Dalmatiner-Hündin verschleppt: Facebook-Suchaufruf bringt kuriose Entführung ans Licht

Elisabeth Heckers Dalmatiner-Hündin Anis verschwand im Februar 2018. Nun ist klar: Sie wurde entführt und ans andere Ende von Deutschland gebracht.

Bayrischzell – Es war an einem Wintertag im Februar 2018, als die damals sieben Jahre alte Hündin Anis verschwand (wir berichteten). Nachdem sie in Bayrischzell von Elisabeth Hecker wie immer in den Garten gelassen wurde, kam sie nicht mehr zurück.

Bayrischzell: Hündin entführt - Besitzerin startet Suchaufruf auf Facebook

Bereits ein Jahr zuvor war Anis schon einmal verschwunden. Die Polizei fand sie damals bei Helene S. (Name von der Redaktion geändert) aus Oberfranken, die einen Hund aus dem gleichen Wurf wie Anis hat. Bis zu diesem Vorfall hatten die beiden Frauen ein gutes Verhältnis.

Deshalb fiel auch 2018 der Verdacht auf S. Die Hündin wurde aber nicht bei ihr gefunden, wodurch der heute 90-jährigen Hecker nur noch die Recherche im Internet blieb. Dabei wurde sie von ihrer Enkelin Emilia unterstützt. Sie fand eine Hundevermittlungsgruppe auf Facebook, auf der ein Bild von Anis gepostet war. Ihre Nachfragen nach der Herkunft des Fotos bleiben aber unbeantwortet.

Um Anis wiederzufinden, stellte Emilia Hecker einen Suchaufruf auf mehrere Facebook-Seiten. Und tatsächlich: Im März 2019 meldete sich Lara L. (Name der Redaktion bekannt) aus Norddeutschland. Sie rief Elisabeth Hecker an und begrüßte sie mit den Worten „Ich glaube, ich habe Ihren Hund.“ Das erste Lebenszeichen von Anis seit über einem Jahr.

Dalmatiner-Hündin entführt: Tier ans andere Ende von Deutschland verschleppt - und an neuen Besitzer vermittelt

Lara L. war über merkur.de und den dort 2018 veröffentlichten Artikel auf die Situation aufmerksam geworden. Sie bestätigte den Verdacht von Elisabeth Hecker. Denn: Anis wurde ihr tatsächlich durch Helene S. vermittelt, die sie als misshandelte Hündin präsentierte. Recherchiert habe die neue Besitzerin erst wegen des seltsamen Verhaltens von Helene S.

Diese wollte ihr den Hund plötzlich wieder wegnehmen. Unklar bleibt, wieso sie Anis dann überhaupt weitervermittelt hatte. Sie begann damit, das Veterinäramt auf Lara L. aufmerksam zu machen und bot ihr sogar 5000 Euro für die Hündin. Die gleichen Methoden, die sie bereits bei Hecker versucht hatte.

Nach Tier-Entführung: Neues Frauchen kommt zum Besuch an den Wendelstein

Als dies fehlschlug, ging sie noch einen Schritt weiter. Lara L. berichtet von Beschattungen durch Helene S. und ihren Ehemann, der dafür sogar eine Perücke trug. S. engagierte Detektive und bot zwei Männern 1500 Euro, wenn sie Anis entführen. Die kuriosen Ereignisse fasste Lara L. für eine Gerichtsverhandlung in Flensburg zusammen, wo sie Helene S. wegen Nötigung und Nachstellung angezeigt hatte. „Szenen wie aus einem Tatort“, meint Hecker dazu.

Im August 2019 war auch in Miesbach eine Verhandlung geplant. Helene S. sollte sich wegen des Diebstahls von Anis vor Gericht verantworten. Sie nahm ihren Einspruch jedoch kurz vor der Verhandlung zurück. Wieso Helene S. so starkes Interesse an der Hündin hatte, ist bis heute ungeklärt.

Die Geschichte hat aber ein gutes Ende gefunden. Anis, die mittlerweile Anni heißt, wohnt auch weiterhin bei Lara L. Allerdings bleibt Elisabeth Hecker die Eigentümerin. Zwei Mal war die Hündin mit ihrer neuen Besitzerin und deren Partner bereits zu Besuch in Bayrischzell – im Sommer 2020 und im Frühjahr 2021. „Es war wie früher. Anis hat mich sofort wiedererkannt“, freut sich die 90-Jährige. Die mittlerweile elf Jahre alte Hündin habe sich abwechselnd zu den beiden Frauen gelegt und den Besuch in der alten Heimat sichtlich genossen.

Von Wolfgang Heindl

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