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Blick auf Bayrischzell: Zuletzt gingen zum Verkauf stehende Häuser fast ausschließlich an Zweitwohnsitzler. 

Sicherung touristischer Strukturen

Bayrischzell  will weitere Zweitwohnsitze verhindern

Die Gemeinde Bayrischzell passt ihre Fremdenverkehrssatzung an. Hintergrund: Nahezu fast alle Immobilien, die verkauft werden, gehen an Zweitwohnsitzler. Dem möchte die Gemeinde nun einen Riegel vorschieben.

Bayrischzell – Der Beschluss zum Verbot der Neubegründung von Zweitwohnungen war schon vergangenes Jahr diskutiert worden. Die Wendelsteingemeinde möchte mit dem Erlass aber „keinen Feldzug“ gegen Zweitwohnungsbesitzer starten, betonte Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU). Vielmehr möchte sie die Zukunft der jungen Ortsansässigen unterstützen. Diese seien oftmals frustriert. Denn: Wollen junge Einheimische ein Haus kaufen, „werden sie regelmäßig von Käufern aus dem Großraum München überboten“, sagte Kittenrainer jetzt im Gemeinderat.

Wie berichtet, wurde bereits das gesetzliche Steuersystem für die Zweitwohnsitzsteuer umgestellt und die Netto-Kaltmiete für Zweitwohnbesitzer auf 20 Prozent erhöht. Zudem brauchen Eigentümer nach dem Baugesetzbuch eine Genehmigung von der Gemeinde, wenn sie ihre Häuser oder Ferienwohnungen im Innenbereich mit touristischer Anbindung in einen Zweitwohnsitz umwandeln möchten. „Daher müssen diese Geltungsbereiche regelmäßig überprüft und angepasst werden“, erklärte Kittenrainer den Gemeinderäten.

Die Änderung der Gebietskulisse stellte Geschäftsführer Josef Acher als „Instrument zur Sicherung der touristischen Infrastruktur“ vor. Die Änderung betrifft insbesondere die Ortsteile Osterhofen und Bayrischzell. In Bayrischzell gelten die zentralen Bereiche an der Ursprungs-, Tiroler- und Schlierseer Straße sowie am Kranzer mit dem neuen Familienhotel und der Mühlleitenstraße in Schwimmbadnähe als touristisch gesichert, auch der Bereich Tannerhof mit seinem Naturhotel. Nicht im Geltungsbereich liegen dagegen die Wohnsiedlungen am Ortseingang, der Rudolf-Holzmann-Straße und am Reitberg sowie die Brachfläche nördlich des Bahnhofareals. Neu herausgenommen aus der Satzung wurden etwa die Bürgermeister-Kastl-Siedlung und der östliche Bereich an der Sudelfeldstraße bis zum Einser-Sessellift hinauf. „Dort gibt es keine Vermietungen mehr“, sagte Acher. So fallen eben Bereiche weg, bei denen eine touristische in eine reine Wohnnutzung geändert werde.

Osterhofen ist laut Acher hauptsächlich von der Landwirtschaft und Wohnen geprägt – bis auf das Hotel Alpenhof, den Gasthof Wurz und ein paar Vermieter nördlich der Bahngleise. Darum verkleinerte die Gemeinde auch den touristischen Geltungsbereich auf den Bereich der Pensionen. Kittenrainer war nicht glücklich darüber, den Alpenhof aus der Satzung herauszunehmen: „Da können wir aber über einen Bebauungsplan entsprechend Einfluss nehmen“, erklärte er weiter.

Lesen Sie hierzu auch: Neue Satzung: Das kommt auf die Zweitwohnungsbesitzer zu und Schutz vor „Spekulanten“: Fischbachau plant Satzung gegen Zweitwohnungen

In Geitau gibt es dagegen keine Veränderung in der Gebietskulisse: Der südliche Ortsbereich ist durch Gaststätten, Privatvermieter sowie Ferienhäuser touristisch geprägt und ebenfalls gesichert. Kittenrainer fasste den einstimmig abgesegneten Beschluss zusammen: „Ohne Genehmigung des Gemeinderats keine Neugründung eines Zweitwohnsitzes im Geltungsbereich.“ Und: „Die Zweitwohnsitzsteuer gilt weiterhin außerhalb der Fremdenverkehrssatzung im gesamten Bayrischzeller Gemeindegebiet.“

Daniel Wegscheider

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