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Großflächige Öl-auf-Leinwand-Porträts der Thansauer Künstlerin Annette Werndl sind im vierten Ausstellungsraum zu sehen.

65. Auflage des Kulturevents

Bayrischzell zeigt die „die Beste Kunstausstellung seit Jahren“

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Andere gehen mit 65 in Rente. Die Bayrischzeller Kunstausstellung indes dreht richtig auf: Noch nie haben sich so viele Künstler für die Schau im Schulhaus beworben. Und noch nie war die Bandbreite so groß.

Bayrischzell 90 Künstler von Erkheim über Murnau bis ins Chiemgau, eine Künstlerin sogar aus Friesland und freilich ganz viele aus dem Landkreis haben sich im Vorfeld um die Teilnahme bemüht. 200 Werke galt es zu bewerten. Und angesichts des begrenzten Platzes im Bayrischzeller Schulhaus, das eben nur knapp hundert Kunstwerke fassen kann, gab es auch hier und dort lange Gesichter bei den Künstlern, wenn ihre Werke nicht ausgewählt wurden.

Dabei haben es sich die beiden Juroren Ulrike Camilla Gärtner aus München und Dietmar-H. Kroepel aus Otterfing nicht leicht gemacht. „Die Jury hatte ein schwieriges Amt“, bescheinigte bei der Begrüßung zur Ausstellungseröffnung Bürgermeister Georg Kittenrainer. Sie hat es aber vermocht, eine so gute Auswahl zu treffen, dass Ausstellungsleiter Klaus Gogolin eine harmonische und runde Ausstellung kuratieren konnte. „Die Beste seit Jahren“, wie Kittenrainer befand.

Keine leichte Aufgabe: Dietmar-H. Kroepel (r.) aus Otterfing, einer der beiden Juroren, berichtete bei der Vernissage von der schwierigen Auswahl und musste sich später verprellten Künstlern stellen, die nicht rechtzeitig über ihr Ausscheiden informiert worden waren.

Gogolin hat die künstlerische Vielfalt strukturiert: Ein Raum ist der gegenstandslosen Farbkunst mit vielen Mischtechniken und Kollagen gewidmet. An der Frontseite dominiert ein großformatiges Bild der Gmunder Künstlerin Tatjana Woitynek, die sich in ihrem bekannten Duktus mittlerweile auf runde Formen verlegt hat. Es korrespondiert gerade wegen seiner Gegensätzlichkeit prächtig mit den kleinformatigen und fitzelig-gestanzten Papierarbeiten von Katrin Hering aus Miesbach, die diagonal am anderen Ende des Raums hängen.

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Der geräumige Gang ist mit faszinierenden Objekten – beispielsweise die filigranen „Vier Schätzchen“ von Andrea Mähner (Wolfratshausen) aus Menschen-, Katzen-, Fuchshaaren und Igelstacheln – und Fotoarbeiten bestückt. Und weiter vorne die fantastischen Arbeiten des 2012 verstorbenen Schlierseers Peter Loew. Er hat die Schlierseer Berg-Silhouetten mit ganz wenigen schwarzen, an japanische Tuschezeichnungen erinnernden Strichen in einer Mischung aus Aquarell und Öl auf Leinwand wiedergegeben.

Der dritte Ausstellungsraum widmet sich abstrakten Arbeiten: Hier gilt Stephan Mundi (Gmund), der mehrere Jahre ein künstlerische Pause eingelegt hatte, mit seinen farbintensiven Arbeiten „il mondo sotterraneo“, „Harbour II“ und „Edge of Reality“ als Wiederentdeckung.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich Menschen – in Gruppen, als Paare, alleine, mit ihren Tieren. Den Blick ziehen vor allem die riesigen Öl-auf-Leinwand-Porträts von Annette Werndl aus Thansau auf sich. Damit hat sie eindeutig das Genre Porträt in Öl ins 21. Jahrhundert geholt und entwickelt. Denn, wie Kittenrainer eingangs betonte, Kunst muss sich entwickeln, provozieren, Gefühle ausdrücken, zum Nachdenken anregen und gefallen.

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Das ist der Bayrischzeller Ausstellung auch dieses Jahr wieder gelungen. Auch weil sich Juror Kroepel den verprellten und verschnupften Künstlern, die durch ein Versehen seitens der Gemeinde nicht rechtzeitig über ihr Ausscheiden informiert und bei der Vernissage von der Nachricht überrascht wurden, stellte und auch Einzelgespräche anbot. Kroepel betonte, dass nicht nur nach Qualität, Originalität, Neuartigkeit und inhaltlicher Auseinandersetzung juriert wurde, sondern auch, wie die unterschiedlichen Kunstwerke zu einer Ausstellung zu komponieren seien. Er forderte von den Gästen, sich auf die Harmonie in den leisen Bildpassagen zu konzentrieren: „Dann erleben sie das Crescendo einer Bayrischzeller Partitur!“

Öffnungszeiten

Die Bayrischzeller Kunstausstellung ist bis Sonntag, 2. September, im Schulhaus Bayrischzell zu sehen und dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie sonntags und am Feiertag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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