Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer in seinem Amtszimmer.
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Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer in seinem Amtszimmer.

Seine Gemeinde hat aktuell zwischen 0 und 1 aktive Fälle

„Bin da nicht mehr dabei“: Bayrischzeller Bürgermeister kritisiert Corona-Politik scharf

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Eine Warnung hat Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer in Richtung Corona-Politik ausgesprochen: „Die Stimmung kippt.“ Auch er selbst könne vieles nicht mehr verstehen.

Bayrischzell – Georg Kittenrainer (CSU) hatte Redebedarf. Und so nutzte der Bayrischzeller Bürgermeister gleich die Begrüßung zur jüngsten Gemeinderatssitzung für ein paar klare Worte in Richtung der just zeitgleich tagenden Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Das Thema: der Corona-Lockdown.

„Ich muss heute was loswerden, was viele an mich herantragen, aber auch mich selbst sehr beschäftigt“, sagte Kittenrainer und holte noch mal tief Luft. Bisher habe die Bevölkerung viel mitgetragen, um größeren Schaden abzuwenden. Jetzt aber sei der Punkt erreicht, an dem die Stimmung kippe. „Einige Dinge sind einfach nicht mehr vermittelbar“, machte der Bürgermeister deutlich und betonte, dass auch seine Toleranzgrenze erreicht sei. „Ich bin nicht mehr dabei“, sagte er über die Entscheidungen der großen Politik. Das solle weder Populismus sein, noch ein „Aufruf zum Aufstand“. Er hoffe aber, dass sich bald etwas in die richtige Richtung bewege.

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Als Beispiel seines Grolls nannte Kittenrainer die Öffnung der Außengastronomie, die trotz zahlreicher Ankündigungen nicht fix terminiert sei. „Immer, wenn ein Ziel in Reichweite ist, wird ein noch höheres Ziel ausgegeben“, schimpfte der Bürgermeister. Der Schuss der Maßnahme gehe jedoch nach hinten los. „Dann hocken sich die Leute halt daheim im Keller zusammen mit der Angst, dass sie von der Polizei erwischt werden.“ Auch das Thema Tourismus brannte Kittenrainer auf den Nägeln: So dürfe man auf Mallorca in den Urlaub fliegen, in Deutschland hingegen blieben sogar Ferienwohnungen tabu. „Da passt vieles nicht mehr zamm.“

Gemeinderat fordert regionale Konzepte

Florian Müller (CSU) teilte diese Einschätzung. Hoffen allein bringe aber nicht viel. „Das machen wir doch schon seit Monaten.“ Vielmehr müsse man endlich ins Handeln kommen und sich auf die Füße stellen. In Bayrischzell liege die Zahl der aktiven Fälle seit Wochen zwischen null und eins. Umso mehr sei es angebracht, endlich regionale Öffnungen, gern flankiert mit Tests, zu ermöglichen. Als Beispiel nannte Müller die Stadt Tübingen. „Lasst uns auch einfach ein Konzept entwickeln und schauen, ob es durchgeht.“

Kittenrainer versprach, es „auf allen Ebenen zu probieren“. Willy Kravanja (Grüne) erinnerte in dem Zusammenhang an den Brief, dem er nach dem positiven Gemeinderatsbeschluss an Ministerpräsident Markus Söder geschickt habe. Eigentlich hätte er dies gern im Namen des Gemeinderats getan, doch die Rathausverwaltung habe ihn ausgebremst. „Dann habe ich ihn als Privatperson abgeschickt“, sagte Kravanja und verlangte eine Erklärung für das Veto. Die gab der Bürgermeister gern. Letztlich sei es eine formale Notwendigkeit gewesen, weil der Beschluss für den Brief nicht einstimmig gefällt worden sei. „Wenn einer dagegen ist, kannst du ihn nicht im Namen aller schreiben.“  

sg

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