+
Muss derzeit in Bayrischzell abgekocht werden: Trinkwasser.

Wasser hätte nur noch 24 Stunden gereicht

Bürgermeister berichtet Neues zum Wasser-Gau

Bayrischzell – Der Notfallplan der Gemeinde hätte nicht viel später kommen dürfen. Bereits am Montag wären die Hähne in Bayrischzell trocken geblieben. Was wir sonst noch wissen:

Im Volksglauben gilt Freitag, der 13., als potenzieller Unglückstag. In Bayrischzell schlug das Pech hingegen zwei Tage später zu. Am Sonntag, 15. Januar, fiel der Wasserstand im neuen Tiefbrunnen unter einen kritischen Wert, die Gemeinde aktivierte daraufhin den Notfallplan. Seit Sonntagabend beziehen die Bayrischzeller Haushalte ihr Trinkwasser wieder aus der alten Legerwaldquelle, am Montag wurde zudem mit der Chlorung der seit längerem nicht mehr auf Keime beprobten Leitungen begonnen. Bis auf das Chlor seine Wirkung voll entfaltet hat, gilt zudem eine Abkochverfügung. Im Gemeinderat fasste Bürgermeister Georg Kittenrainer den Wasser-Gau noch einmal zusammen. Dabei wurde klar, wie kritisch die Versorgungslage tatsächlich war.

So hätte das Wasser für den Ort nur noch für 24 Stunden ausgereicht. „Ein kritischer Tiefstand, den es die vergangenen 30 Jahre nicht mehr gegeben hat“, sagte Kittenrainer. „Wir dachten, Bayrischzell sitzt gleich auf dem Trockenen.“ Der „verrückte Sonntag“, wie Kittenrainer das Datum beschreibt, sollte noch chaotischer werden: Selbst als die Bauhofmitarbeiter gegen 17 Uhr die Schleusen des alten Hochbehälters aufdrehten, tropfte weiterhin kein Wasser aus den Hähnen. Die Beschwerden der ersten Haushalte ließen nicht lange auf sich warten. Zuerst meldeten sich Bewohner der höher gelegenen Gebiete wie das Naturhotel Tannerhof und die Pizzeria Bella Calabria, berichtete Kittenrainer. Danach häuften sich die Anrufe von weiteren Gastronomiebetrieben. Obwohl der Wasserstand im alten Hochbehälter drei Meter betrug, blieb das kühle Nass weiterhin aus.

Bürgermeister hatte erst Rohrbruch in Verdacht

„Wir dachten zuerst an einen Rohrbruch“, berichtete Kittenrainer. Darum habe die Feuerwehr ein zusätzliches Rohr zur Einspeisung ins Wassernetz verlegt. Letztendlich stellte sich aber heraus, dass sich eine Luftblase in den Hauptleitungen gebildet hatte, die wiederum zu einem Wasserrückstau führte. Der Bürgermeister hat die Pumpen im Tiefbrunnen im Verdacht. Weil der Wasserspiegel unter die Ansaugvorrichtung gefallen war, gelangte Luft in das System. „Das werden wir aber genau prüfen lassen“, kündigte Kittenrainer an.

Zunächst gelte es nun aber, die Wasserversorgung wieder auf sichere Beine zu stellen. Parallel zur laufenden Chlorung lässt die Gemeinde prüfen, ob sich die alte UV-Filteranlage, die zwischen Hochbehälter und das Leitungsnetz geschaltet ist, wieder in Betrieb nehmen lässt. Diese sorgte bereits zur aktiven Zeit der Legerwaldquelle für sauberes Trinkwasser in Bayrischzell. „Dann könnten wir die Chlorung wieder einstellen“, erklärt Geschäftsleiter Josef Acher auf Nachfrage unserer Zeitung. Wie lange das dauert, konnte Acher noch nicht sagen. Gleiches gilt für die Abkochverfügung. Diese gilt laut Kittenrainer so lange, bis die am Montagmorgen entnommene Wasserprobe negativ auf Bakterien überprüft worden ist. „Aber bis jetzt liegt uns noch kein genaues Ergebnis vor“, sagte der Bürgermeister.

Haftung: Noch nicht geklärt

Auch die Frage der Haftung und damit auch der Kosten für die Wiederinbetriebnahme des Tiefbrunnens ist noch zu beantworten. Hier sieht Kittenrainer jedoch die Fachfirmen in der Pflicht: „Es darf nicht sein, dass wir rund eine Millionen Euro für einen Tiefbrunnen bezahlt haben, der nicht funktioniert. Dafür dürfen jetzt nicht unsere Bürger geradestehen müssen.“ So viel steht fest: Der Wasser-Gau in Bayrischzell wird aufgearbeitet.

Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

A bissl Radlweg geht immer 
Der neue Geh- und Radweg an der B 472 in Schwaig bei Irschenberg stößt auf Unverständnis bei den Radlern. Kein Wunder, endet er doch in beiden Richtungen im …
A bissl Radlweg geht immer 
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen
Das Unwetter von Freitag hat im Landkreis Miesbach seinen Tribut gefordert. Etliche Bäume sind umgeknickt. Viele Straßen, die Autobahn sowie Bahnstrecken waren betroffen.
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen
Technischer Defekt löst Großeinsatz aus
47 Feuerwehrleute, dazu Polizei: Auch abseits des Unwettergeschehens hatten die Einsatzkräfte in der Nacht zum Samstag zu tun. 
Technischer Defekt löst Großeinsatz aus
Angeklagter (40) rammt betrunken auf der A8 einen Streifenwagen
Zwei Polizisten werden bei dem Aufprall leicht verletzt, als ein 40-Jähriger auf der A8 bei Irschenberg hinten auf ihren Streifenwagen fährt. Der Mann flüchtete - und …
Angeklagter (40) rammt betrunken auf der A8 einen Streifenwagen

Kommentare