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Teurer, aber wertvoller Spaß: Den Übungslift am Tannerfeld lässt sich die Gemeinde Bayrischzell einiges kosten. Der Bürgermeister und sein Gemeinderat sehen dies aber als wichtige Investition in den Tourismus.

Bürgerversammlung Bayrischzell

Bürgermeister wirbt für Tourismus: „Jeder kann hier Geld verdienen“

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Ohne Tourismus könnte Bayrischzell nicht leben. Deshalb stellte Rathauschef Georg Kittenrainer den Fremdenverkehr ins Zentrum der Bürgerversammlung. Die Entwicklung ist positiv.

Bayrischzell – Sie leben da, wo viele andere Urlaub machen. Mit mehr als 58 500 Gästen teilten sich die 1650 Bayrischzeller Bürger 2017 ihren Ort. Ihr Rathauschef muss es beiden Seiten recht machen. Keine leichte Aufgabe, wie Georg Kittenrainer bei der Bürgerversammlung im Gasthof zur Post durchblicken ließ. Doch der Tourismus sei der Hauptwirtschaftszweig der Gemeinde, betonte Kittenrainer. „Von den Investitionen profitiert jeder, auch die Einheimischen.“

Mit 430 000 Euro hat Bayrischzell im Vorjahr den Fremdenverkehr bezuschusst. Es sei aber gelungen, das Defizit immer weiter zu reduzieren – um mehr als 77 000 Euro seit 2015. Als besonders erfreulich bezeichnete Kittenrainer die Entwicklung bei den Langlaufloipen und im Skibusverkehr. „Die Saison war bisher sensationell.“ Er gehe davon aus, dass sich die Einrichtungen mittelfristig kostendeckend betreiben lassen. Anders der Kinderlift am Tannerfeld: Ein wirtschaftlicher Betrieb sei hier bei den niedrigen Eintrittspreisen nicht möglich. Dennoch werde der Gemeinderat in jedem Fall daran festhalten, sagte Kittenrainer.

Interessiertes Publikum: Zahlreiche Zuhörer lauschten Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (l.) bei seinem Vortrag im Gasthof zur Post.

Als größtes „Sorgenkind“ nannte der Bürgermeister das Warmfreibad. Das Betonbecken verliere immer wieder Wasser, die Wärmepumpe verursache einiges an Reparaturkosten. „Hier müssen wir uns mittelfristig was überlegen“, kündigte Kittenrainer an. Als erste Maßnahme soll heuer der Eintrittspreis um voraussichtlich einen Euro steigen.

Einen Aufschwung für den ganzen Ort verspricht sich Kittenrainer vom Familienhotel auf dem ehemaligen AOK-Gelände. Noch in der ersten Jahreshälfte 2018 werde die Baugenehmigung für den Auracher Hof vorliegen. Trotz aller Belastungen für die Nachbarn: „Wir können es uns nicht leisten, eine zentrale Fläche brachliegen zu lassen“, sagte Kittenrainer. Die Kritik an der Größe des Hauses könne er nachvollziehen, aber er sei der Auffassung, man habe nun einen guten Kompromiss gefunden.

Dass sich Investitionen auszahlen, zeige das Sudelfeld, machte Zweiter Bürgermeister und Bergbahn-Geschäftsführer Egid Stadler deutlich. Die Modernisierung im Oberen Teil des Skigebiets sei mit dem neuen Achtersessellift abgeschlossen. „Wir sind da, wo wir hinwollten“, sagte Stadler. In wenigen Tagen werde die Grenze von 200 000 Skipässen überschritten, und auch das Ziel von 100 Betriebstagen werde man locker übertreffen. An guten Tagen seien bis zu 7000 Leute im Gebiet unterwegs. Durch den neuen Lift würden sich diese auch besser auf den Pisten verteilen.

Eng wird es hingegen manchmal auf den Parkplätzen. Eine Neuausweisung sei dennoch nicht geplant, so Stadler. „Wir wollen das Skigebiet nicht überfüllen.“ Der Traum von einer neuen Bahn hinunter ins Tal existiert hingegen weiter. Gerüchte, wonach bereits konkrete Planungen laufen würden, wies Stadler aber zurück. Fest stehe nur, dass sich der bestehende Einser-Sessel nicht einfach durch eine neue Bahn ersetzen lasse. „Wir müssen da noch vieles erforschen“, sagte Stadler. Die Bürger sollen in den Prozess einbezogen werden.

Einen Aufruf an die Vermieter startete der Rathauschef. Jeder sei selbst dafür verantwortlich, seine Fremdenzimmer auf Vordermann zu bringen. Dass es hier Nachholbedarf gibt, zeigte er mit einer anonymisierten Grafik der jährlichen Bettenauslastung von je fünf Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Die Schwankungen bewegten sich zwischen 20 und 70 Prozent. „Das soll kein erhobener Zeigefinger sein“, sagte Kittenrainer, „aber jeder kann hier Geld verdienen.“

Das hat die Gemeinde 2018 alles vor

Tourismus schön und gut – aber was tut die Gemeinde Bayrischzell für ihre Bürger? So einiges, wie Rathauschef Georg Kittenrainer in seinem Überblick bei der Bürgerversammlung aufzählte. 

-Haushalt: Die Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer von fast 700 000 Euro im Jahr 2017 werden sich heuer nicht wiederholen. Durch die höhere Kreisumlage werde sich der freie Finanzspielraum in Grenzen halten, erklärte Kittenrainer. Andererseits habe die Gemeinde 2018 auch keine größeren Ausgaben geplant. Oberstes Ziel sei die Tilgung von Schulden. 

-Wasserversorgung: Als Folge des fast ein Jahr dauernden Tiefbrunnenausfalls will Kittenrainer die Legerwaldquelle unter keinen Umständen aufgeben. Eine mögliche Stromerzeugung mittels einer Turbine bedürfe aber noch vieler Prüfungen. 

-Straßen-/Kanalnetz: Bis auf Instandhaltungsarbeiten ist hier 2018 nichts größeres geplant. Mit der Abrechnung der Kosten des Straßenbaus in Geitau und am Bayrischzeller Bahnhof will Kittenrainer noch abwarten, bis Klarheit in Sachen Ausbaubeitragssatzung herrscht. „Wenn wir unsere Bürger entlasten können, werden wir das auch tun“, versprach Kittenrainer. 

-Breitband: Bis 2019 sollen weite Bereiche Bayrischzells, des Sudelfelds und der südlichen Gemeindeteile bis zur Landesgrenze ans schnelle Internet angeschlossen sein. Durch die hohen Fördersätze würde der Haushalt nur mit 140 000 Euro belastet, so Kittenrainer: „Wenn wir es jetzt nicht machen, wann dann?“ 

-Nahversorgung: Der Mietvertrag mit dem Edeka-Markt läuft bis 2019. Die Gemeinde werde alles dafür tun, den Vollsortimenter im Ort zu halten, sagte Kittenrainer. Als Eigentümer des Hauses sei man hier in einer guten Verhandlungsposition. 

-Schule/Kinderbetreuung: Das Ganztagsangebot in Neuhaus macht der Grundschule Bayrischzell zu schaffen. „Diese Kinder gehen uns ab“, sagte Kittenrainer. Dennoch werde man weiter alles tun, um die Schule im Ort zu erhalten. Voll ist der Kindergarten, eine eigene Krippe sei aber nicht geplant. Durch Kooperationen mit anderen Gemeinden und einer Tagesmutter lasse sich der Bedarf abdecken.

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