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Kein Durchkommen mehr: Wegen Lawinengefahr war die Sudelfeldstraße am Sonntag erneut gesperrt.

Sperrung der Zufahrtsstraße sorgt für Verkehrskollaps

Chaos-Sonntag am Sudelfeld - und die Lawinengefahr bleibt hoch

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Die Lawinengefahr am Berg ist auch im Tal zu spüren. Durch die Sperrung der Sudelfeldstraße am Sonntag brach in Bayrischzell ein Verkehrschaos aus. Und die Lage bleibt angespannt.

Bayrischzell – Für gewöhnlich zieht er allenfalls Nostalgiker an, am Sonntag war er für viele Skifahrer der Retter in der Not. Der Schwebelift in Bayrischzell war wegen der Sperrung der Sudelfeldstraße die einzige Möglichkeit, ohne Umweg ins Skigebiet zu gelangen. Doch die Einersesselbahn zuckelt gemächlich dahin – dementsprechend lang waren die Schlangen, berichtet Bergbahnen-Geschäftsführer Egid Stadler. Wartezeiten von bis zu zwei Stunden hätten den Brettlfans viel Geduld abverlangt.

Die braucht auch der Chef der Liftbetriebe. „Wir kommen aus dem Krisenmodus nicht heraus“, seufzt Stadler. Wie berichtet, hatte sich die Lawinenkommission Bayrischzell am Samstag zu einer erneuten Sperrung der B 307 entschlossen. Grund war die für Sonntag prognostizierte Sonneneinstrahlung und der damit verbundene Temperaturanstieg, erklärt Obmann Ernst Wuttig. Diese Kombination könne dazu führen, dass die mächtige Schneedecke an den Hängen oberhalb der Straße unkontrolliert abrutscht. Zwar sei die Erwärmung letztlich nicht so stark eingetreten wie erwartet, resümiert Wuttig am Montag, dennoch könne man kein Risiko eingehen.

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Dafür hat auch Stadler vollstes Verständnis. „Hut ab vor der Lawinenkommission“, sagt er. Und das, obwohl ihm die Sperrung einen fast schon denkwürdigen Sonntag beschert hat. Denn trotz rechtzeitiger Information waren Massen an Skifahrern nach Bayrischzell gefahren, und schnell bildete sich ein langer Stau. Stadler und sein Team setzten jeden verfügbaren Mitarbeiter ein, um den Verkehr zu lenken. Sogar der Chef selbst gab vier Stunden lang den Parkeinweiser.

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Zuerst lotsten sie die Autos auf den Parkplatz des Schwebelifts, der aber schnell voll war. „Er ist nicht auf solche Kapazitäten ausgelegt“, erklärt Stadler. Also schufen die Bergbahnen eiligst Notparkplätze auf einer Wiese und teilweise auch im Ort. Schließlich sandten sie sogar einen Hilferuf Richtung Wendelsteinbahn, die trotz ihres eigenen Saisonstarts einen Teil des Parkplatzes in Osterhofen zur Verfügung stellte. Ein Pendelbus brachte die Skifahrer von dort aus Richtung Sudelfeld.

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Als es gar nicht mehr anders ging, leiteten Stadler und seine Mitarbeiter die Schneesportler Richtung Spitzingsee um. „Dann war’s dort aber auch voll, und sie sind wieder zurückgekommen“, erzählt der Bergbahnenchef. Manche hätten sogar den Umweg über Thiersee und Kufstein in Kauf genommen, um von der anderen Seite her ins Sudelfeld zu gelangen. Über mangelnde Auslastung konnte Stadler daher trotz aller Hürden nicht klagen. Das war diesen Winter aber auch schon mal anders. Wie berichtet, war das Skigebiet zwischenzeitlich sogar ganz von der Außenwelt abgeschnitten.

Zumindest was die Zufahrt von Bayrischzell aus anbelangt, kann Lawinen-Experte Wuttig noch keine Entwarnung geben. Zwar ist die Straße seit gestern wieder frei, jeder Temperaturanstieg könne die Lage wieder verschärfen. Durch den warmen Boden hätten sich gefährliche Hohlräume in der je nach Verwehung bis zu 1,80 Meter hohen Schneedecke gebildet. Sprengungen würden durch die Kompaktheit der Schichten nichts bringen. „Das ist schon eine außergewöhnliche Situation“, sagt Wuttig. Seit 3. Januar hätten 18 Begehungen stattgefunden. Eine Ende ist nicht in Sicht. Dauerfrost könne das Problem zwar kurzzeitig einfrieren – aber eben nur bis zum nächsten Tauwetter.

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Für Stadler gibt es nur eine langfristige Lösung: eine Gondelbahn vom Tal bis ins Sudelfeld. „Das müssen wir dringend ernsthaft angehen“, sagt er. Realistisch sei eine Umsetzung binnen fünf Jahren. „Wenn es früher klappt, haben wir natürlich auch kein Problem.“ Und dann könnte der Schwebelift endlich in den verdienten Ruhestand gehen.

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Lift-Defekt am Wendelstein

Am Wendelstein konnten die Skifahrer zum ersten Mal die meisten Lifte in Aktion genießen.

Kurzes Vergnügen: Am Sonntag konnten gute Skifahrer erstmals in dieser Saison die Wendelstein-Ostfahrt wagen. Allerdings nur bis Mittag. Dann ging mit dem Lacher-Schlepplift der einzige Zubringer in die Knie. „Es war ein etwas holpriger Start“, sagt Sprecherin Claudia Steimle. Die technische Prüfung läuft. Die Westabfahrt nach Osterhofen sei bis ins Tal gut zu befahren. Entsprechend groß war der Andrang am Sonntag. Das lag aber auch am Sudelfeld, das wegen Lawinengefahr schlecht erreichbar war.

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