Bürgerbegehren: Die Initiatoren Alexander Jonscher (l.), Barbara Wittmann (r.) und Robert Mörtl (nicht im Bild) wollen das Freibad am bestehenden Ort erhalten – vollständig. Den Verkauf der Fläche wollen sie der Gemeinde verbieten.
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Bürgerbegehren: Die Initiatoren Alexander Jonscher (l.), Barbara Wittmann (r.) und Robert Mörtl (nicht im Bild) wollen das Freibad am bestehenden Ort erhalten – vollständig. Den Verkauf der Fläche wollen sie der Gemeinde verbieten.

Die Folgen der Freibad-Abstimmung: Bayrischzell wählt seine Zukunft

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Wenn die Bayrischzeller Ende November über die Zukunft ihres Freibads abstimmen, treffen sie eine wegweisende Entscheidung über die Zukunft ihrer Gemeinde. Eine Analyse.

Bayrischzell – Der Teufel steckt im Detail – das gilt auch für die drei Optionen, aus denen die Bayrischzeller am 29. November die Zukunft des Alpenfreibads wählen können. Wir erklären die Bedeutung und die Folgen der Möglichkeiten.

Die Optionen

Option eins: Das Ratsbegehren, das der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat. Es fragt, ob Bayrischzell weiterhin ein beheizbares Warmfreibad erhalten und betreiben soll. Der Zusatz „beheizbar“ sei bewusst gewählt, erklärt Bürgermeister Georg Kittenrainer. Die Gemeinde habe gemerkt, dass die Bürger kein Naturfreibad wollen. Dieses sei vom Tisch.

Ratsbegehren: Bürgermeister Georg Kittenrainer will bei einem erfolgreichen Ratsbegehren das Freibad am liebsten an den Seeberg verlegen und am derzeitigen Standort bezahlbaren Wohnraum für Einheimische schaffen. Dieser könne die Verlegung finanzieren.

Option zwei: das Bürgerbegehren von Alexander Jonscher, Robert Mörtl und Barbara Wittmann. Auch dieses fragt nach der Zukunft des Bads – allerdings „im derzeitigen Umfang“. Außerdem soll „der Gemeinde eine Veräußerung des Areals oder Teile hiervon untersagt“ werden. Zwei Zusätze mit weitreichenden Folgen.

Option drei: Lehnt die Mehrheit der Bayrischzeller beide Begehren ab, bleibt das Schwimmbad ab dem kommenden Jahr zu.

Die Folgen

Für Alexander Jonscher, der das Bürgerbegehren mitinitiiert hat, sind dessen Vorteile klar: „Nur der Bürgerentscheid stellt sicher, dass das Schwimmbad dort bleibt, wo es ist, dass es den Sommer-Tourismus stärkt, dass es für alle Bayrischzeller zugänglich ist und dass die fast 100-jährige Tradition weitergeführt wird.“ Das Bürgerbegehren schaffe Fakten, während das Ratsbegehren viele Optionen offenlasse.

Genau das seie der Vorteil des Ratsbegehrens, sagt Kittenrainer. „Das Fatale am Bürgerbegehren ist, dass es den Status quo zementiert.“ Eine Sanierung des Freibads im derzeitigen Umfang würde über drei Millionen Euro kosten, schätzt er. Das sei schlicht zu teuer.

Gewinnt das Ratsbegehren, bleiben dem Gemeinderat mehrere Optionen. Die wahrscheinlichsten: Die Teilsanierung des Schwimmbads – ein Konzept über rund 2,1 Millionen Euro liegt vor (wir berichteten) – oder die Verlegung des Freibads an den Seeberg. Beide Varianten seien besser als die Vollsanierung, meint der Bürgermeister.

Standort Seeberg

Die Königslösung für Kittenrainer: Das Freibad an den Seeberg verlegen („Das ist genauso teuer wie die Sanierung.“) und am jetzigen Standort bezahlbaren Wohnraum für Einheimische schaffen. Damit könne die Gemeinde den Neubau finanzieren und schaffe Unterkünfte, die sich viele wünschen. Außerdem: Anbindung und Parkmöglichkeiten seien am Seeberg besser.

Viele Fliegen mit einer Klappe, die das Bürgerbegehren verhindern würde, findet Kittenrainer. „Das Bürgerbegehren wünscht sich die Maximallösung für das Freibad, schließt aber die Finanzierung aus.“ Wer weiter ein Schwimmbad, an dessen derzeitigen Standort aber bezahlbaren Wohnraum will, habe mit dem Ratsbegehren die besten Chancen. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens lehnen diese Option ab.

Alter Standort

Scheitert die Seeberg-Varian-te, will Kittenrainer das 2,1-Millionen-Euro-Konzept umsetzen: das neue Bad in die bestehende Wanne einsetzen, die Schwimmfläche von 650  auf 440 Quadratmeter verkleinern. Diese Idee gefällt auch den Bürgerbegehren-Initiatoren.

Strittig ist die Finanzierung: In einem Brief an Ihre Unterstützer rechnen Jonscher und Co. vor, wie die Kosten, durch einen Kredit über 30 Jahre verteilt werden könnten. Die Raten, so ihr Fazit, würden sich durch mehr Übernachtungen und niedrigere Unterhaltskosten von selbst zahlen.

Kittenrainer sieht das anders: Weil das Bürgerbegehren die Erhaltung des Freibads im derzeitigen Umfang fordert, sei eine Verkleinerung der Schwimmfläche um ein Drittel, wie sie das Konzept vorsieht, ausgeschlossen. Es müsse so groß bleiben, wie es ist. Weil die Gemeinde eine Vollsanierung aber nicht zahlen könne, könne sie den Erhalt nur umsetzen, indem sie das Bad noch einige Jahre ohne Sanierung betreibt. „Danach sind wir womöglich finanziell zu eingeschränkt, um die Sanierung zu leisten – und das Schwimmbad ist weg.“

Was Kittenrainer ebenfalls am Kredit-Plan stört: Die Einsparungen bei den Betriebskosten nach der Sanierung seien zu gering, um den Kredit zu zahlen. Dieser belaste die Finanzen der Gemeinde auf Jahrzehnte. Bleibt das Schwimmbad am derzeitigen Standort, will er daher den Spielplatz verlegen, dessen derzeitige Fläche für bezahlbaren Wohnraum nutzen und so wenigstens einen Teil der Kosten wieder reinholen.

Klar scheint also: Mit dem Ratsbegehren wird das Bad weniger kosten. Mit dem Bürgerbegehren bleibt es größer.

Ausgang offen

Eine Prognose, wie die Abstimmung ausgehen wird, trauen sich weder Kittenrainer noch Jonscher zu. Der Bürgermeister schließt auch die Bad-Schließung nicht aus. Dessen Kritiker seien zwar noch leise. Aber auch sie gebe es. Ein Argument, dass sie anführen könnten: Schließt das Bad, könnte die Gemeinde dort ebenfalls bezahlbaren Wohnraum schaffen. Sie würde sich aber die Kosten für den Neubau sparen.

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