Will ihr Recht: Georgine Schwoshuber aus Bayrischzell (hier mit Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger).

georgine schwoshuber kämpft weiter 

Diese Wunde heilt niemals

Die Bayrischzellerin Georgine Schwoshuber ist weder in ihrem Kampf mit der Justiz allein, noch mir ihrem Unverständnis über das, was in den Gerichten so passiert. Auch ihre Anwältin Gabriela Klinger-Linhardt runzelt inzwischen verstärkt die Stirn.

Bayrischzell – Die Zeit mag manche Wunde heilen, diese nicht: Georgine Schwoshuber hat auch viele Jahre nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nicht verwunden, dass sie wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung zu 14 Monaten Haft verurteilt wurde. Sie will Gerechtigkeit. Mit ihrem Unverständnis für die Justiz ist sie nicht allein. Anwältin Gabriela Klinger-Linhardt schüttelt inzwischen auch vehement den Kopf ob der Vorgänge, die sich am Landgericht München II zutragen. Klinger-Linhardts Darstellung zufolge hat es das Gericht geschafft, ihre Dokumente zu verschlampen – nicht ein- sondern zweimal.

Wie berichtet, strebt die Münchner Anwältin die Wiederaufnahme von Schwoshubers Verfahren mit neuen Beweismitteln an. Sie führt einen neuen Zeugen ins Feld sowie ein Gutachten. Beides soll belegen, dass für die Verletzungen, die eine damals 63-jährige Münchnerin im September 2005 in Bayrischzell erlitt, nicht Schwoshuber verantwortlich sein kann. Die Wirtin des Silber-Cafés zweifelt letztlich sogar die Echtheit der Verletzungen selbst an. Bekanntlich war es ehedem zu einer Auseinandersetzung zwischen den Damen gekommen, weil Schwoshuber nur Gästen, die etwas verzehren, freien Eintritt in ihr reichlich mit Puppen ausstaffiertes Café gewährt. Alle anderen sollten fünf Euro zahlen, was die Münchnerin verweigerte. Die Gerichte sahen es als erwiesen an, dass Schwoshuber der Frau daraufhin einen Faustschlag ins Gesicht verpasste.

Im Januar 2016 stellte Klinger-Linhardt den Antrag auf Wiederaufnahme. Im August winkte das Landgericht München ab, die Anwältin legte Beschwerde ein. Die Begründung schickte sie einige Wochen später per Fax hinterher. Kurz vor Weihnachten verwarf das Oberlandesgericht die Beschwerde – weil die Begründung fehlte. Auch dagegen ging Klinger-Linhardt vor, sie hatte das Dokument ja gefaxt. In diesem Punkt bekam sie heuer im Februar Recht. Das Landgericht München I hatte vergessen, die Beschwerde an das Oberlandesgericht weiterzugeben. In der Sache selbst schlossen sich die Richter aber dem Landgericht an: keine Wiederaufnahme. Ende dieser Runde.

Doch Aufgeben gehört offenbar nicht zum Wortschatz von Schwoshuber und Klinger-Linhardt. Im Juni folgte der nächste Wiederaufnahmeantrag. Und erst mal hörte die Anwältin: nichts. Auf Nachfrage beim Landgericht München II hieß es sinngemäß, es sei nichts angekommen. Also folgte eine Zweitausfertigung. Und dann begann das Warten auf ein Aktenzeichen. Klinger-Linhardt: „Langsam kommt mir das schon komisch vor.“ 

dak   

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