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Diskussion im Gemeinderat

Eine „dumme Frechheit“ und was Bayrischzell dagegen tun will 

Bayrischzell folgt dem Beispiel Tegernseer Tal und appelliert an seine Bürger, an Silvester auf Feuerwerk zu verzichten - speziell in den Bergen.

Bayrischzell – Georg Kittenrainer will keine „Spaßbremse“ sein: Damit bezieht sich der Bayrischzeller Bürgermeister auf die vielerorts geführte Diskussion zu Feuerwerken an Silvester. Wie berichtet fordern die Gemeinden im Tegernseer Tal ihre Bürger auf, zum Schutz der Umwelt und aus Rücksicht auf die Tierwelt keine Raketen und Kracher in der Silvesternacht abzufeuern. Auch Bayrischzell will sich daran orientieren und appelliert an Einheimische und Gäste, auf die Schießerei zu verzichten. Insbesondere die Knallerei auf den Berghütten ist Kittenrainer ein Dorn im Auge. „Auf jeder Almhütte eine Rakete steigen und einen Böller knallen zu lassen, ist eine dumme Frechheit“, sagte Kittenrainer im Gemeinderat.

Feuerwerksverzicht: Darum soll die Tradition verboten werden

Gerade die „sensible Bergwelt“ reagiere empfindlich auf laute Geräusche und helle Lichtquellen. Wildtiere, die sich im Winter ohnehin mit einem „minimalen Energiehaushalt“ in die Wälder zurückziehen, „werden aufgescheucht, und Vögel fliegen auf“, erklärte der Bürgermeister. Ob oben oder unten, generell würde sich Kittenrainer freuen, wenn „weniger geschossen wird.“ Darum beauftragte die Gemeinde Stephanie Hintermayr, sich Gedanken über Alternativen zu Feuerwerken zu machen. Die Tourismusleiterin teilt die Meinung von Kittenrainer: „Zu unserem touristischen Ziel als naturnaher Ort passen Feuerwerke an Silvester eigentlich nicht“, sagte sie. Und die Feinstaubbelastung sei für einen heilklimatischen Kurort schlicht unpassend. Zwar sei diese im ländlichen Raum nicht so schlimm wie in einer Großstadt, aber dennoch nachweisbar. Hintermayr nannte Zahlen des Umweltbundesamtes: Die erzeugte Emission in der Silvesternacht betrage in Deutschland 4500 Tonnen – dies entspreche 15,5 Prozent der jährlichen Emissionen des Straßenverkehrs.

Um Bürgern und Gästen an Silvester dennoch etwas zu bieten, schlug die Tourismusleiterin Profifeuerwerke wie zum Fest der 1000 Lichter an. Diese könnten in den drei Ortskernen Osterhofen, Geitau und Bayrischzell zentral gezündet werden. Vorstellbar ist laut Hintermayr auch ein großes Silvesterfeuer mit Glühwein- und Maroniständen oder gar eine „Inszenierung der Berge“. Heißt: Per Lasershow die Berge farblich und bildlich zu beleuchten.

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Für letztere Variante winkte Hanno Acher sofort ab: „Bei einer Lasershow wird die Tierwelt genauso belastet wie bei einem Feuerwerk.“ Auch Vize-Bürgermeister Egid Stadler weiß als Landwirt um das Wohl der Tiere. Er würde es begrüßen, wenn Rösser und Rinder mit dem Verzicht auf die Knallerei entlastet würden. Auch das Müllaufkommen könnte reduziert werden. „Bis ins Frühjahr hinein liegt überall auf den Wiesen das Plastik der Feuerwerkskörper.“ Eine zentral ausgerichtetes Feuerwerk hält Stadler für nicht geeignet, da die Kosten bei der Gemeinde hängen bleiben. Burgi von Mengershausen schlug vor, Feuerwerke von der Vermieterseite her zu bündeln, „um Schritt für Schritt etwas dagegen zu tun“. Auch Matthias Sobotta sprach sich gegen eine Alternative aus. „Wir sollten die Vernunft der Bürger ansprechen.“ Darin sieht dagegen Klaus Weilbach ein Problem: Tradition und emotionale Faktoren seien stärker als die Vernunft. Und gerade Kinder und Jugendliche „wollen an Silvester selber Raketen anzünden“.

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Nach der Diskussion betonte Kittenrainer, dass rein rechtlich Silvesterfeuerwerke erlaubt sind. „Außer es besteht starke Waldbrandgefahr.“ Daher empfahl der Bürgermeister, der Tegernseer-Variante zu folgen. Bedeutet. Bayrischzell appelliert an die Vernunft der Bürger, die Schießerei an Silvester runterzufahren.

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