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Hilfe für sozial schwache Frauchen und Herrchen: Eine Tafel für Tiere will Alexandra Bräutigam (nicht mit auf dem Foto) aufbauen. Sonja (l.) und Jennifer Baer aus Hausham wollen sie dabei unterstützen.

Sie erklärt es im Interview

Warum eine Bayrischzellerin eine Tafel für Tiere einrichten will

Die Idee klingt verrückt, doch Alexandra Bräutigam hat schon Unterstützer: Gemeinsam wollen sie tatsächlich eine Tafel nur für Haustiere im Landkreis aufziehen. Die Gründe:

Bayrischzell – Haustierhalter mit geringem Einkommen haben es nicht leicht, ihre Katzen oder Hunde zu versorgen: Futter und Tierarztkosten gibt das monatliche Auskommen oft nicht her. Ähnlich der Miesbacher Tafel, die von Geschäften gestiftete Lebensmittel an Bedürftige verteilt, möchte Alexandra Bräutigam aus Bayrischzell eine Tiertafel im Landkreis starten. Die 62-Jährige ist Mitglied bei der Unabhängigen Tierschutz Union Deutschland und möchte mit ihren ehrenamtlichen Kolleginnen Sonja und Jenny Baer aus Hausham an sozial schwache Tierhalter einmal wöchentlich kostenlos Futter ausgeben. Wir sprachen mit Bräutigam über die geplante Tiertafel.

Frau Bräutigam,bei der Tiertafel sollen bedürftige Tierhalter kostenlos Futter erhalten. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Bräutigam: Im Gespräch mit mehreren Betroffenen in Hausham, die ihre Tiere trotz ihrer schwierigen finanziellen Situation nicht abgeben möchten. Wir wollen Geringverdienern und Hartz-IV-Empfängern helfen. Der Nachweis wird in einem Tiertafel-Ausweis festgehalten. Darin steht, wie viele Tiere man hat. So kann man je nach Bedarf Futter holen, das für rund sieben Tage reicht. Der Nachweis über die Anzahl der Haustiere lässt sich über den Impfpass ermitteln.

Woher beziehen Sie Ihr Futter?

Bräutigam: Wir haben noch kein Futter, da wir die Aktion gerade erst starten. Momentan verteilen wir Flyer im Landkreis und bitten um Sponsoren für Futter- oder Geldspenden. Aber wir brauchen dringend einen Platz, um das Hunde-, Katzen- und Kaninchenfutter in einer Garage oder einem Raum zu lagern. Gerade ältere Menschen können das Futter oft nicht selbst abholen.

Wie kommen diese an Rationen für ihre Tiere?

Bräutigam: Bei einer regulären Tafel tun sich Helfer zusammen und liefern Lebensmittel aus. Dafür brauchen wir aber Helfer. Es wäre nicht schlecht, wenn sich Interessierte dafür begeistern könnten. Sie müssen aber zuverlässig sein.

Sehen Sie Ihre Tiertafel als auch Hilfe für das Tierheim?

Bräutigam: Ja, Tierheime sind laut Statistik mehr als überfüllt. Den genauen Stand für den Landkreis kenne ich nicht, aber betroffene Menschen hängen sehr an ihren Tieren. Sie möchten sie lieber behalten, statt sie mangels Geld abgeben zu müssen. Für diese Leute sind Tiere ja wie Familienmitglieder.

Sie klären auch im Bereich Tierdiebstahldelikte auf: Können Sie über einen konkreten Fall aus dem Landkreis berichten?

Bräutigam: Laut unserer Recherchen sind heuer im Mai/Juni im Landkreis und in kleinen Ortschaften entlang der Salzburger Autobahn rund 45 Katzen als vermisst gemeldet worden. In den folgenden Monaten hat sich der aktuelle Stand nochmals auf 54 erhöht. Seltsam war, dass dabei 21 Katzen mit einer rot-weißen und roten Fellfärbung verschwunden sind. Grundsätzlich werden Tiere entführt, weil das Fell für Tierfänger interessant ist. Aber auch Versuchstiere sind ein Geschäft. Dabei werden die Tiere über die Grenze in die Tschechei oder Polen transportiert und mit neuen Papieren zurück nach Deutschland geliefert – als Zuchttiere für Labore. Darum arbeiten wir mit der Polizei zusammen, wenn wir konkrete Beweise und Fakten haben.

Wie verhält man sich richtig, wenn einem ein Tier zuläuft?

Bräutigam: Per Gesetz muss ein gefundenes Tier der Gemeinde, Polizei und dem Tierheim gemeldet werden. Dort muss es normalerweise dann auch abgegeben werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, online auf Katzensuchdienst und Facebook unter Entlaufen-Zugelaufen das Tier mit Foto zu melden. Meldet sich ein Halter, muss er beweisen können, dass es sein Tier ist.

Und wenn sich niemand meldet?

Bräutigam: Nach einem halben Jahr kann der Finder das Tier behalten, wenn er möchte. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert: Ist das halbe Jahr verstrichen, greift das Strafgesetz. Es gab schon Fälle, da ging die Rückgabe nur über den Anwalt. Eine Ausnahme ist, wenn das Tier gestohlen wurde.

Unterstützer gesucht

Wer Alexandra Bräutigam bei der geplanten Tafel für Tiere unterstützen möchte, meldet sich unter 0157/72056106 oder per E-Mail an tiertafelmiesbach@aol.de. Gesucht werden nicht nur ein Lagerraum, ehrenamtliche Helfer sowie Geld- und Futterspenden, sondern auch Tierärzte, die kostenlos behandeln.

Von Daniel Wegscheider

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