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Lebensretter und Musikanten in Personalunion: Seit jeher sind die meisten Bayrischzeller Feuerwehrler auch in der Musikkapelle aktiv. Das Gruppenfoto wurde im Jahr 1913 vor dem Gasthof zur Post aufgenommen.

Feier fällt aber klein aus

Feuerwehr Bayrischzell wird 140: Historischer Fuhrpark

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Historisch, aber nicht veraltet: Vor 140 Jahren wurde die Feuerwehr Bayrischzell gegründet. Ihr Fuhrpark reicht vom 1964er Opel Blitz bis zum modernen LF20. Ein Blick in die Chronik.

Bayrischzell– Genau elf Jahre sollte es dauern, bis der Arm der Staatsregierung auch Bayrischzell erreichte. 1877 startete diese hier einen Aufruf zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr. In München war dies bereits 1866 geschehen. Doch die Bayrischzeller waren vorbereitet. Schon 1871 hatte die Gemeinde für die fünf Bezirke Bayrischzell, Osterhofen, Geitau, Dorf und Niederhofen eine neue Feuerlöschordnung erlassen. Dank des großzügigen Baron von Malsen, der 1874 seine private Feuerspritze zur Verfügung stellte, waren die Bayrischzeller schon früh für den Kampf gegen die Flammen gerüstet.

Dass die Feuerwehr heuer trotzdem erst ihr 140-jähriges und nicht ihr 143-jähriges Bestehen feiert, hat seinen Grund. Offiziell gegründet wurde die Truppe nämlich erst 1877. Dafür aber bereits mit einer üppigen Personaldecke. 83 Männer meldeten sich auf Einladung des Gemeindeausschusses zum Dienst. Die Ausrüstung wurde mit zwei Feuerlöschmaschinen und zwei Stützleitern in den folgenden zwölf Jahren zwar hochgefahren, blieb aber – gemessen an heutigen Standards – trotzdem eher spartanisch. Ein eigenes Feuerwehrhaus richtete die Truppe gar erst 1921 im Stall des Steffelanwesens ein. Hier war auch Platz für die neu gekaufte, freistehende Leiter.

Eine schwere Zeit machten Mensch und Maschine im Zweiten Weltkrieg durch. Während der Bombenangriffe in München rückten die daheimgebliebenen Wehrmänner immer wieder Richtung Landeshauptstadt aus, um eingeschlossene Bürger aus Luftschutzkellern zu befreien. Einer der Retter – der Bayrischzeller Michl Neumayer – musste dabei sein Leben lassen. Auch das Material der Feuerwehr wurde während des Kriegs beschädigt. Doch die Männer machten aus der Not eine Tugend und stockten ihr Inventar aus alten Wehrbeständen wieder auf. Das letzte Relikt aus dieser Zeit – ein in Geitau stationierter Willys Jeep der US-Armee – wurde erst 2003 durch ein neues Geländefahrzeug ersetzt. Immer noch im Dienst steht der Opel Blitz mit Baujahr 1964 in Osterhofen. „Den müssen wir jetzt aber doch bald mal austauschen“, kündigt Kommandant Markus Kirner an.

Dass seine Truppe nicht in der Vergangenheit stehen geblieben ist, zeigt die bis dato größte Neuanschaffung in der Geschichte der Bayrischzeller Feuerwehr. 2015 weihte diese das 335 000 Euro teure LF20 ein (wir berichteten). Dank seiner Spezialbauweise passt das Löschfahrzeug auch unter den niedrigen Bahnunterführungen im Gemeindegebiet durch.

Dass der Neuzugang auch für Technische Hilfeleistungen ausgerüstet ist, hat sich schon oft bezahlt gemacht. Gut ein Drittel der im Schnitt 30 bis 35 Einsätze pro Jahr führt die Bayrischzeller Retter zu Verkehrsunfällen. „Oft handelt es sich dabei um Motorradfahrer auf der Sudelfeldstraße“, erklärt Kirner. Nur noch selten in Benutzung ist das Gerät zur Bekämpfung von Heustockbränden der Gruppe Osterhofen. „Immer mehr Bauern setzen auf Silos und Silage-Ballen“, sagt Kirner.

Unverändert hoch ist hingegen die Einsatzbereitschaft der aktuell 60 aktiven Feuerwehrler. Weil sich die meisten der insgesamt 90 Mitglieder im Verein mit Vorsitzendem Ludwig Bleier auch beim Trachtenverein und in der Musikkapelle engagieren, legen sie ihr 140-jähriges Jubiläum mit dem Jahrtag der Ortsvereine zusammen. „Wir feiern nur im kleinen Rahmen“, sagt Kirner. Beim 150-Jährigen dürfte das ein bisschen anders aussehen.

Der Jahrtag der Vereine

am Sonntag, 30. April, in Bayrischzell beginnt um 8.45 Uhr mit der Aufstellung zum Kirchenzug am Gasthof Post. Um 9 Uhr folgt die Heilige Messe mit Totengedenken, danach geht’s zur gemeinsamen Einkehr.

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