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Von einem „führsorglichen Verhältnis“ spricht die Besitzerin. Das Video zeigt eine andere Realität.

Drei Wochen musste „Jockel“ leiden

Frau lässt ihren Hund grausam sterben - und kauft sich einen Neuen

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Sie sah dabei zu, wie ihr Hund von einem anderen langsam zu Tode gequält wurde – und unternahm nichts. Bis heute zeigt sie keine Reue - und kauft sich einfach einen neuen Hund.

Bayrischzell – Die grausigen Bilder schockten Anfang des Jahres eine ganze Region. Dem Nachbarn, der sie aufgenommen hat, glaubten die Behörden lange nicht. Erst durch die Recherchen unserer Redaktion leitet die Polizei Ermittlungen ein. Die Besitzerin jenes kleinen Hundes, der über Tage grausam zu Tode gequält wurde, legte Widerspruch gegen den Strafbefehl ein. Gestern fand das Verfahren statt. 90 Tagessätze und ein dreijähriges Hundehalterverbot forderte die Staatsanwaltschaft. 

Erst drei Wochen nach Attacken kommt der Hund zum Tierarzt - durch die Polizei

Die Anklage wirft ihr dabei nicht nur vor, bei dem Todeskampf ihres Hundes zugesehen zu haben, sondern auch, dass sie danach einfach gar nicht reagiert hat. Die 66-Jährige geht nicht zum Tierarzt, sie versorgt die Wunden des Hundes nicht, sie lässt ihn einfach vegetieren. Erst drei Wochen nach den Angriffen bringt die Polizei den Hund zum Tierarzt, da schon mehr tot als lebendig. Wenig später wird er eingeschläfert.

Das Video spielt bei der Verhandlung keine Rolle. Es wurde heimlich aufgenommen, ist vor Gericht nicht zulässig. Unserer Redaktion liegt es immer noch vor. Ausschnitte sind auch auf tz.de abrufbar, Bilder daraus finden Sie auch auf Merkur.de.

Kleiner Hund eingeschläfert - Großer Hund quälte ihn halb tot

In jenem Video hält der Nachbar der Angeklagten den brutalen Todeskampf des kleinen weißen Westie-Rüden Jockel für die Ewigkeit fest. Über mindestens zwei Tage wird der Hund von dem schwarzen Riesenschnauzer Xaver immer wieder am Nacken gepackt, durch die Luft geschleudert und gebeutelt. Immer wieder versucht der kleine weiße Hund wegzukriechen und seinem Artgenossen anzuzeigen, dass er furchtbare Schmerzen hat. Vergeblich. Mit wedelndem Schwanz attackiert er später auch den Ehemann (86) der Angeklagten, beißt auch ihn blutig, stößt ihn immer wieder zu Boden.

Angeklagte: Umgang der Hunde war „fürsorgliche Angelegenheit“

Von diesen Ereignissen will die Angeklagte bis heute nichts wissen. Der Hund habe ein Ekzem gehabt. Das sei manchmal aufgeplatzt. „Der Xaver hat da ein bisschen rumgeleckt. Das war ja eine führsorgliche Angelegenheit.“ Bisswunden habe sie nie bemerkt. Wann sie das letzte Mal mit ihrem Jockel beim Tierarzt war, weiß sie zwar nicht mehr. Aber eine Salbe habe sie immer wieder mal aufgetragen. Abgesehen davon sei der Jockel halt einfach alt gewesen. 16 Jahre ist für einen West Highland Terrier ein stolzes Alter.

Eitrige Bisse, Hirnschäden: Tierarzt schildert grausames Resümee der Verletzungen

Das Alter bestätigt der Schlierseer Tierarzt, der als Zeuge geladen ist. Die Verletzungen, die er aufzählt, sprechen eine andere Sprache. Mehrere tiefe Bisswunden, die unbehandelt blieben, in der Folge eiterten, zum Teil war das Gewebe schon abgestorben. Jockel hatte Hirnschäden und Wasser in der Lunge. Beides könne dem Alter geschuldet sein, aber genauso Bissen im Kopfbereich und Strangulation.

Ob die Bisswunden vielleicht nur durch einen Fachmann entdeckt worden wären, will Christian Beil, der Rechtsanwalt der Angeklagten, wissen. „Wenn ich Löcher in meinem Hund sehe“, erwidert der Tierarzt trocken, „ziehe ich die Verbindung zu einem spitzen Gegenstand.“

Beils Taktik ist ein Schuldeingeständnis auf Raten. Vor der Aussage des Tierarztes fordert der Anwalt eine Einstellung des Verfahrens. Auch weil die Angeklagte damals ihren kranken Mann pflegen musste. Der sei es auch gewesen, der die Hunde in den Garten gelassen hatte, sagt die Angeklagte. Ihr Mann kann nicht widersprechen. Er ist inzwischen gestorben.

Richter Walter Leitner und der Staatsanwalt bleiben hart und verwickeln die Angeklagte immer wieder in Widersprüche. Man einigt sich auf 80 Tagessätze zu 20 Euro. Das Halterverbot wird fallengelassen. Auch weil die Bayrischzellerin wieder einen Hund hat – trotz aller Appelle von Bürgermeister und Tierschutzverein. Dem Vernehmen nach ist es ein Rottweiler. Er bellt die ganze Nacht.

Happy End für Xaver?

Xaver, der blutrünstige Riesenschnauzer, hat dagegen die Möglichkeit einer zweiten Chance. Eine Hundetrainerin hat sich ihm angenommen. Er macht gute Fortschritte, sagt sie. Die Fehlerziehung durch die Bayrischzeller Familie wird man wohl nie ganz ausbügeln können. Aber einem Profi könnte der schwarze Riese bald ein guter Hund werden.

kmm

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