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Karolin Schober hat an ihrem Haus in Bayrischzell viel selbst gemacht – auch das Dach. 

Serie: Frauen in ehemaligen Männerberufen

Die boxende Spenglerin aus Bayrischzell

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Schweißen, schleifen, schwer arbeiten – ein Spengler braucht Kraft. Gut, dass Karolin Schober regelmäßig boxt. Über eine Spenglerin aus Leidenschaft - mit gutem Stand in der Männerwelt.

Bayrischzell – Mit vier Jahren marschierte Karolin Schober in Lederhose über den Hof in Bayrischzell und stellte sich bei den Leuten als der Schober-Sepperl vor. „Wir sind vier Mädels und ich war immer eher der Bua“, sagt die heute 37-Jährige und lacht. Sie war es auch, die die Spenglerei ihres Vaters übernommen hat. Obwohl der das nicht so gern gesehen hat.

Tochter Karolin war immer in der Werkstatt dabei, schon als Kind. „Wegen meiner kurzen Haare dachten viele, ich sei der Lehrbua“, sagt sie. Schon damals habe Schober gewusst, dass sie das beruflich machen will. Als sie mit 15 Jahren aus der Schule kam, sollte sie aber zunächst etwas anderes lernen. Der Papa empfand die Spenglerei nicht als optimal für seine Tochter. Also machte Schober eine Hauswirtschaftslehre. „Als ich fertig war, habe ich gesagt: Jetzt will ich Spenglerin werden.“

Der Nachwuchs bleibt aus, weil sich niemand mehr körperlich anstrengen will

Gesagt, getan. 1999 begann Schober die Ausbildung, 2004 machte sie ihren Meister. Seither schweißt, schleift, biegt sie Bleche und klettert bei der Montage auf Dächern herum. Heute findet Schober gut, dass sie nicht gleich nach der Schule als Spenglerin angefangen hat. „Ich war dann schon volljährig und das spielt in einem solchen Männerberuf eine Rolle“, sagt sie. Sie sei reifer gewesen, konnte besser damit umgehen, dass untereinander ein rauer Umgangston herrscht. „Da darf man nicht auf den Mund gefallen sein.“

Im Vergleich zu damals hat sich das Berufsbild verändert. Schober bekommt das direkt und indirekt zu spüren. „Am Anfang haben viele Männer geschluckt, wenn ich als Frau auf die Baustelle gekommen bin.“ Heute seien die Reaktionen nur noch positiv. Negativ ist der Wandel beim Nachwuchs. Kaum noch Lehrlinge wollen sich bei der Spengler-Meisterin ausbilden lassen. „Niemand mag sich mehr körperlich anstrengen.“

Trotz weniger Lehrlinge scheint die Zukunft der Werkstatt sicher. Schober hat ihre Leidenschaft an die drei Kinder vererbt. Maximilian (13) ist der Älteste und immer dabei, wenn es sich mit der Schule vereinbaren lässt. „Am liebsten würde er da gar nicht mehr hin“, sagt Schober und lacht. Auch die anderen beiden, Anna (10) und Korbinian (8), wuseln zwischen den Blechen umher. Nur wenn so richtig Remmidemmi in der Werkstatt herrscht, müssen sie draußen bleiben.

Schwindelfrei, aber Riesenrad fahren würde die Spenglermeisterin nicht

Das Remmidemmi und die Abwechslung sind es, die Schober an ihrem Beruf so gefallen. „Es fasziniert mich, was man mit einem Blech in der Hand alles anstellen kann.“ Mit ihrem Mann und drei Mitarbeitern kümmert sie sich vor allem um Dachrinnen und Kamineinfassungen, aber auch sonst um alles am Haus, das aus Blech gemacht wird. Auch in luftiger Höhe. Beispielsweise die Blechdächer auf den Türmen am Tannerhof stammen von Schober. Wer bei der Arbeit in 15 Metern über dem Boden nicht schwindelfrei ist, hat ein Problem. „Solange ich auf meinen Füßen stehe, passt das.“ Riesenrad fahren würde die 37-Jährige aber auf keinen Fall.

Während Schobers drei Schwestern heute Köchin, Friseurin und Hotelfachfrau sind, liebte sie schon immer die körperliche Arbeit. Auch in der Freizeit. Bleibt zwischen all den Aufträgen Zeit, strampelt Schober auf dem Radl oder macht eine Bergwanderung. „Ich war immer schon sportlich“, sagt sie. Das muss sie als Spenglerin auch sein. Mittlerweile boxt Schober in Hausham. „Muskeln und Kondition können nie schaden“, sagt sie und grinst. Bei diesem Grinsen nimmt man ihr den Schober-Sepperl sofort ab.

Zu unserer Serie: Wir stellen Frauen vor, die in Berufen arbeiten, die als Männerdomäne gelten. In den Porträts erzählen sie, warum sie sich gerade für den Job entschieden haben und ob die Geschlechterfrage dabei überhaupt eine Rolle spielt.

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