Paar lebte trotzdem noch zusammen

Freundin bewusstlos geprügelt - auf Bewährung frei

Miesbach - Das Geständnis ließ auf sich warten. Vor dem Amtsgericht hat ein 41-Jähriger zugegeben, seine Freundin geschlagen zu haben. Nur deshalb kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Es war nicht der erste Beziehungsstreit, doch diesmal endete er handgreiflich. Im Dezember des vergangenen Jahres hat ein damals in Bayrischzell lebender 41-Jähriger vor einer Kneipe in Schliersee seiner Freundin mehrere Faustschläge verpasst. So lautete jedenfalls die Anklage, die sich auf mehrere Zeugenaussagen stützte. Die Frau sei kurzzeitig sogar bewusstlos gewesen, hieß es vor dem Miesbacher Amtsgericht. Dort rückte der Angeklagte erst nach und nach mit der Wahrheit heraus.

"Sie provozierte - das führte zum Streit"

Zunächst verharmloste der 41-Jährige die Geschichte und sprach lediglich von einem Streit, der eben etwas ausgeartet sei. Schläge soll es keine gegeben haben. „Es war so, wie es öfter mal der Fall war, wenn meine Freundin getrunken hat“, berichtete der gebürtige Kosovare. „Sie provozierte, was zu einem Streit zwischen uns beiden führte.“

Freundin wollte noch was trinken gehen

Unbestritten war von Beginn an die Vorgeschichte. In besagter Dezember-Nacht fuhr das Paar gegen 23 Uhr vom Feiern in München mit dem Auto in Richtung Heimat – der nüchterne Angeklagte, der damals noch in Bayrischzell wohnte, als Fahrer, seine beschwipste Freundin auf dem Beifahrersitz. Letztere hatte anscheinend noch nicht genug vom Feiern und bat ihren Lebensgefährten, sie vor einer Kneipe in Schliersee aussteigen zu lassen.

Sie habe ihn ignoriert und weiter provoziert

Dort angekommen, blieb sie nach Angaben des 41-Jährigen aber im Auto sitzen. Er selbst habe einfach nur nach Hause gewollt, da er am nächsten Tag arbeiten musste. Er habe sie aufgefordert, das Auto zu verlassen. „Sie wollte aber nicht, sondern machte nur die Tür einen Spalt auf und stellte ihren Fuß hinaus“, berichtete der Angeklagte. Die Bitte, die Türe zu schließen, habe sie ignoriert, ihn vielmehr weiterhin provoziert. „Ich sagte, dass sie entweder die Tür zu machen soll und wir weiterfahren oder sie aussteigen soll“, berichtete der Angeklagte weiter. Doch die Frau reagierte nicht.

Zeugen: Er stieg aus, ging um den Wagen - und schlug zu

Zeugenaussagen zufolge stieg der 41-Jährige dann wutentbrannt aus seinem Wagen, ging zur Beifahrertür und schlug seiner Freundin mehrmals mit der Faust ins Gesicht. Sie fiel zu Boden, war offenbar kurz bewusstlos, und zog sich Prellungen im Gesicht sowie am Bein zu. Die Schläge wurden von mehreren Zeugen beobachtet, hieß es vor Gericht.

"Wenn Sie das abstreiten, erwartet Sie eine Freiheitsstrafe"

Der Angeklagte gab derweil an, seine Freundin lediglich „vom Auto auf den Parkplatz gestellt“ zu haben. Diese Aussage rief Staatsanwalt Matthias Braumandl auf den Plan. Der sagte eindringlich: „Ich habe mehrere Zeugenaussagen, die gegen Sie sprechen. Wenn Sie das heute hier zugeben, endet das Ganze mit einer Bewährungsstrafe. Wenn Sie es aber weiter abstreiten und letztlich doch überführt werden, erwartet Sie heute eine Freiheitsstrafe.“

Pflichtverteidiger Hermann Borchert bat um eine kurze Verhandlungspause, in der er seinem Mandanten offenbar die Augen öffnete. Denn nur wenige Augenblicke später gestand der frühere Bayrischzeller die Tat. Als Grund für seinen Ausraster gab er Stress an.

Paar lebte bis vor Kurzem noch zusammen

Trotz der Auseinandersetzung lebte das Paar weiterhin zusammen. Erst vor drei Monaten ging der 41-Jährige den ständigen Streitereien aus dem Weg und zog nach Dachau um. Innigen Kontakt zueinander unterhalten die beiden aber weiterhin.

Es war derweil nicht das erste Mal, dass eine Auseinandersetzung zwischen dem 41-Jährigen und seiner Freundin eskalierte. Schon im Jahr 2010 hatte der Mann zugeschlagen und war wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auch war es nicht das erste Mal, dass der Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Ganze elf Vorstrafen hat der 41-Jährige eingesammelt. Jedes Mal gab es eine Geldstrafe. „Jetzt ist aber Schluss damit“, sagte Amtsrichter Walter Leitner und verurteilte den Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Zudem muss er eine Geldauflage von 1000 Euro an den Weißen Ring bezahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Bewährungsstrafe gefordert. „Mit ihrem späten Geständnis haben Sie gerade noch die letzte Ausfahrt genommen“, meinte Staatsanwalt Braumandl. Eine Geldstrafe würde aber nun nicht mehr ausreichen.

hph

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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