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Im Dornröschenschlaf: Aktuell verfällt das frühere AOK-Heim in Bayrischzell, doch schon 2017 – so der Wunsch – soll das geplante Familienhotel des Tiroler Investors Anton Pletzer in Betrieb gehen. Seit Kurzem ist der Verkauf unter Dach und Fach.

Bürgermeister spricht vom "großen Wurf"

Es geht voran: Gemeinde verkauft AOK-Heim

Bayrischzell - Eine schier nicht enden wollende Geschichte strebt nun doch einem guten Abschluss entgegen. Die Gemeinde Bayrischzell hat die frühere AOK-Klinik an Unternehmer Anton Pletzer verkauft.

Das AOK-Gelände in Bayrischzell schlummert unverändert in einem Dornröschenschlaf: Verwaiste Gänge, leer stehende Zimmer und Wildwuchs im angrenzenden Park und am Gemäuer bestimmen seit gut 15 Jahren das Aussehen der ehemaligen Reha-Klinik. Das Anwesen aus den 1960er-Jahren ist wahrlich kein schöner Anblick mehr. Nun hat die Gemeinde beim Versuch, das Projekt wachzuküssen, offenbar Erfolg. Nach dem Kauf der Immobilie fand sie im Unternehmer Anton Pletzer aus Tirol einen Investor, und nun verkündete Bürgermeister Georg Kittenrainer im Gemeinderat, dass jetzt der „Vertrag mit der von Pletzer gegründeten Auracher Hof GmbH unterzeichnet wurde“. Sprich: Das Anwesen ist verkauft. Ein Durchbruch, hoffen die Bayrischzeller.

Wie berichtet, hatte im Jahr 2000 die AOK ihr Rehabilitationszentrum Auracher Hof geschlossen. Dann folgte eine lange Zeit des Stillstandes. Viele Enttäuschungen mussten die Bayrischzeller verkraften, ehe sie zwölf Jahre nach der Schließung das AOK-Heim vom damaligen Besitzer Bernfried Kirchgessner erwerben und damit den ersten von vielen weiteren Schritten gehen konnten, um das rund 12500 Quadratmeter große Grundstück am Wendelsteinbach wieder für den Tourismus nutzbar zu machen. Das Vorhaben scheint zum Abschluss zu kommen. Läuft alles wie beabsichtigt, geht 2017 ein geplantes Familienhotel in Betrieb.

Nach langwierigen Verhandlungen kam im Jahr 2014 eine erste Zusammenarbeit mit der Bergspitz-GbR zustande. Die beiden damaligen Münchner Architekten Dirk Wesenfeld und Hotel-Entwickler David Borger hatten damals Großes geplant – zu groß für die kleinste Gemeinde im Landkreis Miesbach. Sie beabsichtigten ebenfalls, das AOK-Heim zu einem Hotel für die ganze Familie umzubauen. In einem 35 Meter langen Süd-Anbau sollten auf drei Vollstockwerke 112 Doppelzimmer untergebracht werden. Ein Monstrum aus Beton, trotz zahlreicher Holzelemente. Die Kommune sah dieses Vorhaben eher kritisch und stoppte das Vorhaben letztlich (wir berichteten). Bei der Bürgerversammlung wurde dann das neue Konzept von Pletzer erstmals vorgestellt. Er beauftragte für den Gestaltungsplan das österreichische Architekturbüro Geisler & Trimmel. Die dort gezeigte Animation des neuen Familienhotels im Tiroler Landhausstil sorgte für Begeisterung in Bayrischzell.

Das neue Vier-Sterne-Hotel mit einer Kapazität von 280 Betten integriert sich besser als sein Vorgänger-Modell ins natürliche Umfeld. Das Dachgeschoss verteilt sich nicht über die komplette Anlage sondern nimmt nur zwei Drittel der Gesamtfläche ein – der Rest bleibt auf ein Obergeschoss beschränkt. Zur Erholung der Gäste dienen Schwimmbecken, Saunabereich, Speiserestaurant sowie eine Kinderbetreuung. Kittenrainer meint, in der Auracher Hof GmbH nun endlich den richtigen Partner gefunden zu haben. „Wir haben einen großen Wurf gemacht“, sagte der Rathaus-Chef. Ein wichtiger Schritt auch mit Blick auf den Gemeinde-Haushalt. „Mit dem Verkauf können wir unsere Schulden wieder zurückführen.“

Denn für das groß angelegte Projekt Dorfverschönerung, hatte die Kommune einen Kredit von über drei Millionen Euro aufgenommen. „Wir wollten in Immobilien vor Ort investieren, die vor sich hin schlummern und leerstehen.“ Der Zeitplan gilt laut Kittenrainer ebenfalls als eingehalten. Als die Gemeinde die Immobilie 2012 erwarb, plante sie, diese innerhalb von fünf Jahren zur Fertigstellung zu bringen. „Wenn bis 2017 der Bau erfolgt, dann sind wir genau im Zeitplan“, sagte Kittenrainer.

Von Daniel Wegscheider

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