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Auf den schmalen Brettern von Bayrischzell bis Thiersee: In einem grenzübergreifenden Projekt wollen Bayern und Österreicher das Langlaufnetz ausbauen.

Streckennetz soll ausgebaut werden

Grenzenloses Langlaufen: Bayrischzell kooperiert mit Kufstein

Langlaufen boomt und grenzübergreifende Projekte auch. Beides kombinieren wollen nun das Kufsteiner Land und Bayrischzell: grenzenloses Langlaufen. 

Bayrischzell – Tourismusorte werben um jeden Urlauber: Warum sich also nicht in Zeiten von boomenden grenzüberschreitenden Gemeindeprojekten zusammenschließen, um mehr Gäste in die Region zu locken? Dies dachte sich wohl auch der Tourismusverband Kufsteiner Land, der mit einer Idee für ein gemeinsames Winterangebot an die Gemeinde Bayrischzell herangetreten ist. Über eine finanzielle Förderung soll das Loipennetz vom Ursprungtal auf bayrischer Seite nach Landl und Thiersee in Österreich erweitert werden. Doch bis es soweit ist, gibt es noch einige Details zu klären.

Die Bitte von Stefan Pühringer, Direktor vom Tourismusverband Kufsteiner Land, kam für Bayrischzell überraschend. Um noch in das Interreg-Förderprogramm für 2021 einsteigen zu können, musste der Antrag schnell gestellt werden. Und so wurde der Tagesordnungspunkt „Grenzüberschreitender Loipenanschluss“ zwischen den beiden Nachbarkommunen unter „Unvorhergesehenes“ bei der jüngsten Gemeinderatssitzung untergebracht – der Abgabetermin für den Förderantrag war bereits ein paar Tage später.

„Mit Hochdruck möchte die Tiroler Ferienregion nun den Loipenanschluss mit uns haben“, berichtete Bürgermeister Georg Kittenrainer. Die Idee dafür habe es schon früher gegeben, „da zeigte Tirol aber eher ein verhaltendes Interesse“. Tourismusleiterin Stephanie Hintermayr hat mit Pühringer telefoniert. „Hoch euphorisch und motiviert“ sei er beim Gespräch gewesen, schilderte sie. Der Grund: grenzübergreifende Gemeindeprojekte wie etwa Wander- und Radwege gedeihen aufgrund der Finanzierung. In diesem Fall liege der Fördersatz bei 75 Prozent.

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Thiersee habe viele Gästebetten anzubieten, erklärte Hintermayr. Aber im Winter hakt es noch. Loipen und ein nahes Skigebiet würden dort fehlen. Gäste werden „in die Skidestinationen Wilder Kaiser oder Kitzbühel befördert“, so Hintermayr weiter. „Zu uns zu kommen, wäre viel näher“, betonte sie. Ein weiterer Grund für die Kufsteiner ist die Werbung: Um in einer Tiroler Broschüre gelistet zu werden, bräuchten die Thierseer eine Loipe von mindestens 50 Kilometern, „die sie nicht haben“, erklärte sie. Das Bayrischzeller Loipennetz bietet über 100 Kilometer gespurte Strecken.

Bekanntheit ist auch Motivation für die Bayrischzeller: „Wenn wir in der Tiroler Werbung dabei sind, ist das eine tolle Sache“, betonte Hintermayr, die auch einen sportlichen Anreiz an einer Streckenerweiterung erkennt: Für erfahrene Langläufer würde sich der Anspruch verbessern: „Wer nach Thiersee hinunter läuft, muss hinterher wieder aufwärts zurück.“ Auch Kittenrainer befürwortete das Konzept: „Die Kufsteiner haben mittlerweile bemerkt, dass unsere Loipen top sind.“

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Um die Euphorie zu bremsen, betonte der Rathauschef: Bisher sei es nur eine Idee. „Mit den Grundeigentümern auf der bayerischen Seite wurde noch nicht gesprochen.“ Auch gelte es, Themen wie Tiefbau und Pacht zu klären – und ob die Tiroler ein Spurgerät haben. „Die Pflege muss auf dem gleichen Niveau sein wie bei uns“, betonte Gemeinderat Hanno Acher. „Das muss schon g‘scheid gemacht sein.“

Das Projekt ist auf 230 000 Euro angesetzt, davon fällt der größte Anteil für Baumaßnahmen auf der Tiroler Seite an. Kosten für Bayrischzell liegen im Bereich Marketing. „Ganz zum Nulltarif wird es nicht gehen. Wir gehen jetzt mal mit 20 000 Euro in die Verhandlung“, sagte der Rathauschef. „Unterm Strich kann unsere Loipe nur davon profitieren, wenn man bis Landl laufen kann“. Im ersten Schritt soll heuer ohne Baumaßnahmen eine Schlaufe von der Bäckeralm bis zum Parkplatz Mariandlalm gespurt werden.

Von Daniel Wegscheider

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