6000 Quadratmeter Wohnraum will die Euroboden am Lokschuppen schaffen.
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6000 Quadratmeter Wohnraum will die Euroboden am Lokschuppen schaffen.

69 Wohnungen am Lokschuppen?

Grünwalder GmbH kündigt großen Bau am Bahnhofsareal an

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Bayrischzell – Käme alles, wie es der Grünwalder Immobilienentwickler Euroboden in einer Pressemitteilung ankündigt, das Bayrischzeller Ortsbild würde sich grundlegend ändern. 69 Wohnungen mit 6000 Quadratmetern Wohnfläche wolle das Unternehmen auf dem nördlichen Bahnhofsgelände bauen – zentral gelegen, mit moderner Holzfassade und bester Anbindung Richtung München.

Im denkmalgeschützten Lokschuppen solle ein Quartierstreffpunkt mit Café, Gästehaus und Gemeinschaftsflächen entstehen. Ein beiliegender Entwurf zeigt ein drei- und ein viergeschossiges Haus. Das sei „Nachhaltigkeit auf Bayrischzell“, verspricht die Überschrift.

Das Problem

Dieser Plan ist laut Euroboden „im Dialog mit der Gemeinde Bayrischzell weiter ausgefeilt worden“ und habe einen „internationalen, prominent besetzten Architekturwettbewerb gewonnen“. Derzeit werde er im Ort präsentiert. Beschlossene Sache, könnte man meinen – fast.

„Diese Darstellung überrascht mich sehr“, sagt Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU), nachdem er durch unsere Zeitung von der Pressemeldung erfahren hat. Auch mit dem Gemeinderat hat Euroboden sein Vorhaben nicht besprochen. Zwar habe die Gemeinde mit dem Architekten Florian Nagler, der das Projekt für Euroboden betreut, beim Bebauungsplan für die Ortsmitte vertrauensvoll zusammengearbeitet, sagt Kittenrainer. Ihm gefalle auch die Holzbauweise. Der Entwurf ignoriere aber Verkehrslage und Ortsgestaltung. „Eine Bebauung in dieser Form wird es mit mir nicht geben.“

Die Vorgeschichte

Wie kommt es zu so gegensätzlichen Darstellungen? Daran, dass beide Seiten nicht mit einander geredet haben, liegt es nicht. Einmal hätten sich die drei Bürgermeister Kittenrainer, Egid Stadler (CSU) und Isidor Scharmann (FWG) mit Euroboden-Vertretern getroffen, berichtet Kittenrainer. Das sei aber im Juli 2020 gewesen.

Damals hätten die Grünwalder sehr ähnliche Pläne präsentiert, sagt Kittenrainer. Die Gemeinde habe ähnlich geantwortet: „Zu städtisch. In der Dichte nicht machbar.“ Seitdem habe er nichts mehr von Euroboden gehört. Dass das Unternehmen den Medien nun vollendete Tatsachen verkündet, ärgert den Bürgermeister: „Ich fühle mich vorgeführt.“

Ein weiterer Grund dafür: Die Ablehnung der Gemeinde geht sogar weiter zurück: Bayrischzell saß mit in der Jury des Architekturwettbewerbs, den Euroboden gewann. Die Gemeinde habe aber nicht für den Entwurf gestimmt, sagt Kittenrainer. Schon damals habe sie argumentiert, der Plan sei zu groß. „Gemeinsam entwickelt“, wie Euroboden behauptet, haben Euroboden und Gemeinde die Idee nicht.

Mögliche Hintergründe

Eine mögliche Erklärung für das Vorgehen Eurobodens hat Kittenrainer: Die Grünwalder hätten das nördliche Bahnhofsareal teuer vom Bundeseisenbahnvermögen gekauft – samt zu beseitigender Altlasten wie einer aufgelassenen Schmiergrube. Nun wollten sie die Investition reinholen. Das Dorfbild sei Nebensache.

Die 69-Wohnungen-Aussage schlägt in der Gemeinde so ein, weil auch sie das Gelände haben wollte – für kommunale Mietwohnungen. Um die Entsorgung der Altlasten zahlen zu können, hatte sie einen Puffer in ihr Gebot eingeplant. Gegen Euroboden kam sie damit nicht an. „Die haben uns ums Dreifache überboten“, sagt Kittenrainer. Nun von der Zeitung einen 6000-Quadratmeter-Plan zu hören, stört ihn.

Der Ausblick

Trotzdem besteht Hoffnung auf Einigkeit. Euroboden wisse um „nachvollziehbare Kritikpunkte“ der Gemeinde, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage. Architekt Nagler überarbeite den Entwurf seit einem halben Jahr. Sobald Corona es zulässt, werde er ihn im Ort vorstellen. Wie viele Wohnungen der Entwurf dann enthalten wird, schreibt die Sprecherin nicht. Die Holzbauweise sei dem Unternehmen aber wichtiger als die Größe. Und: Auch der Dialog mit Gemeinde und Öffentlichkeit sei Firma und Architekt „sehr wichtig“.

War also alles nur unglücklich kommuniziert? Spricht man mit Gemeindevertretern, merkt man jedenfalls: Sie wären froh, Euroboden hätte seinen Dialog früher begonnen.

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