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Auszeichnung oder Beiwerk? Das Prädikat Heilklimatischer Kurort will Bayrischzell vorerst behalten.

Bayrischzell diskutiert

„Heilklimatischer Luftkurort“ - ist das nicht schon ziemlich angestaubt?

Hat das Prädikat Heilklimatischer Kurort heutzutage noch eine touristische Bedeutung? Nicht wenige bezweifeln das. Klingt doch irgendwie angestaubt, oder? Eine Diskussion aus Bayrischzell.

Bayrischzell – Heilklimatischer Kurort: Das Gütesiegel steht für saubere Luft und gesundes Klima; die Regierung von Oberbayern vergibt es zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst für insgesamt zehn Jahre. In Bayrischzell steht nun eine Zwischenprüfung an, die eine Fortführung des Prädikats für weitere fünf Jahre gewährleistet. Die große Prüfung mit einem Luftanalyse-Gutachten findet turnusmäßig alle zehn Jahre statt.

Seit knapp 50 Jahren ist die Wendelsteingemeinde ein Heilklimatischer Kurort und sie will es auch erst einmal bleiben – das hat nun der Gemeinderat einhellig entschieden. Bei der Debatte wurde aber klar gefordert, den antiquierten Begriff zu modernisieren. Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) etwa empfindet die Bezeichnung Heilklimatischer Kurort doppeldeutig: Einerseits klinge „der Begriff verstaubt, und Kuren gibt es bei uns nicht mehr“. Auf der anderen Seite habe der Name höchste Priorität nach der Auszeichnung Bad, wie sie etwa Bad Wiessee trägt. Der Bürgermeister erinnerte an die Anfänge: In den 70er Jahren sei das Gütesiegel „unter größten Anstrengungen der Akteure für den Ort gewonnen worden. Das ist schon ein Meilenstein, der nicht leichtfertig in die Tonne zu treten ist.“ Stephanie Hintermayr, die Bayrischzeller Tourismusleiterin, betonte das Alleinstellungsmerkmal: „Bayrischzell ist einer von nur 16 Heilklimatischen Kurorten in Bayern.“

Die Tourismusleiterin hatte bei Gastgebern, Vermietern und beim Fremdenverkehrsförderverein eine Umfrage gestartet und stellte die gesammelten Antworten dem Gemeinderat vor. Befürworter lobten den „hohen Wert, begründet auf den Messwerten der Wetterstation“. Und angesichts „der aktuellen Debatte über Feinstaub und Stickoxide ist das Thema momentan umso wertvoller“, gab Hintermayr die Antworten wieder. Kritiker betrachten die Auszeichnung dagegen als „altmodisch und nutzlos“. Kein Gast suche spezifisch nach einem Kurort. Ein weiteres Kontra-Argument: „Bayrischzell ist nicht Bad Wiessee.“

Insgesamt aber, so Hintermayr, sei die Mehrheit der Befragten „vehement dafür, das Prädikat zu behalten, weil Gesundheit voll im Trend liegt“. Das sieht auch die Tourismusleiterin so und empfahl dem Gemeinderat, das Prädikat nicht von sich aus abzulegen. Hintermayr geht es nicht um das Logo, sondern darum, mehr auf Inhalte zu setzen. Gesunde Luft und Klima könne Bayrischzell bewerben. „Biodorf wäre eine Idee.“ Davon könnten Landwirtschaft und Gastronomie profitieren.

Insbesondere möchte Hintermayr das Prädikat gegen die innerörtliche Motorrad-Problematik an der Bundesstraße einsetzen. Bekanntlich rasen die Biker gern mit Getöse an Bayrischzell vorbei zum Sudelfeld. „Beim Deutschen Heilbäderverband ist als Voraussetzung aufgelistet, dass die Belange des Umweltschutzes in einem Heilklimatischen Kurort zu beachten sind – gerade im Bereich des Straßenverkehrs und der Lärmemission“, berichtete die Tourismusleiterin.

Für die Zwischenprüfung muss die Gemeinde nun knapp 3000 Euro aufbringen. Ob Bayrischzell bei der turnusgemäßen großen Prüfung in fünf Jahren dann wieder das Prädikat bekomme, sei dagegen fraglich, erklärte Kittenrainer. Eine Voraussetzung dafür sei nämlich, einen großen Kurbetrieb im Ort zu haben. „Und der Tannerhof ist kein Sanatorium mehr, sondern bezeichnet sich heute ganz bewusst als Naturhotel“, erklärte der Rathaus-Chef. „Nichtsdestotrotz wollen wir jetzt an Ideen arbeiten, um für die Zukunft moderne Gesichtspunkte aufzustellen.“ Vizebürgermeister Egid Stadler stimmte zu: „Das staatliche Zertifikat hat einen Wert, das darf man auch in der heutigen Zeit nicht außer Acht lassen.“

Daniel Wegscheider

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