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Soll umfassend saniert und erweitert werden: das teilweise denkmalgeschützte Nagelschmidanwesen im Ortskern von Geitau.

Auch eine Tiefgarage unter dem Garten ist geplant

Historischer Hof in Geitau: Gemeinderat befürwortet Ferienwohnungen und Laden

Zehn Ferienwohnungen, ein Büro, ein Laden und sogar eine Tiefgarage: Ein teils denkmalgeschützte Hof in Geitau erhält ein neues Gesicht. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Bayrischzell – Bunte Lüftlmalereien rahmen die Fenster ein, eine rustikale Holzfassade fasst die Eingangspforte: Im Geitauer Ortszentrum steht ein altes Haus, das jüngst im Bayrischzeller Gemeinderat Thema war – das sogenannte Nagelschmidanwesen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege datiert den zweigeschossigen Flachsatteldachbau mit Giebellaube und Kniestock auf das Jahr 1804, der Kern ist wohl bereits im 16. Jahrhundert entstanden. In der Sitzung mussten die Gemeinderäte nun über einen Antrag auf Sanierung des Hauses und den Anbau von zehn Ferienwohnungen abstimmen. Auch eine Tiefgarage ist geplant.

Der ehemalige Gasthof in Geitau habe früher eine Posthalterei sowie Stallungen beinhaltet, erklärte Bürgermeister Georg Kittenrainer. Im Laufe der Jahre habe er mehrfach seine Besitzer gewechselt und einige Nutzungsänderungen erfahren. So habe es dort schon eine Bäckerei oder ein Ladengeschäft gegeben, so Kittenrainer. In den vergangenen zehn Jahren sei das geschichtsträchtige Anwesen aber immer weiter heruntergekommen und dümple heute vor sich hin. Derzeit werde nur noch eine Wohnung im Bestandsgebäude vermietet.

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Kittenrainer erachtet das Gebäude dennoch als „sehr wertvoll und ortsbildprägend für Geitau“. Grund genug für die Gemeinde, sich mit dem beantragten Umbau zu befassen. „Es wird kein geschützter Gebäudeteil abgerissen“, stellte der Rathauschef klar. Die vordere Hausfassade stehe ohnehin unter Denkmalschutz. Vielmehr betreffe der Bauantrag von Eigentümer Michael Schmied nur den hinteren Trakt.

Dieser habe aus Sicht des Denkmalschutzes keinen historischen Wert mehr, da er über die Jahre mehrfach umgebaut worden sei. Deshalb seien hier bauliche Veränderungen möglich, erklärte Kittenrainer. Allerdings solle dieser wieder der ursprünglichen Achse des früheren Einfirsthofs angepasst werden“.

Geschäftsführer Josef Acher schilderte die Details: So soll der denkmalgeschützte Wohnteil erhalten, aber saniert werden. Im Erdgeschoss sind ein Laden, Büro und Empfangsraum für die Ferienwohnungen geplant. Zudem sollen im Ober- und Dachgeschoss zwei Wohneinheiten entstehen.

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Mit Zustimmung des Denkmalamtes dürfe der ehemalige Wirtschaftsteil des Gebäudes dagegen abgebrochen und durch einen rund 24 Meter langen Neubau ersetzt werden, berichtete Acher. Dadurch werde der Bestand in westlicher Ausrichtung zwar größer, die Abstandsflächen könnten aber eingehalten werden können. Der Neubau beinhaltet dann die zehn Ferienwohnungen und ein Personalapartment. Die Autos der Gäste sollen in einer Tiefgarage mit neun Stellplätzen unter dem Garten verschwinden.

Zur Fenstergestaltung liegen der Gemeinde derzeit zwei Varianten vor. Letztendlich müsse diese Entscheidung aber das Denkmalamt treffen, so Acher. „Wir können mit beiden Vorschlägen leben.“ Weniger Freiheit ließ die Gemeinde dem Antragsteller bei den Möglichkeiten einer zukünftigen Nutzung des historischen Hofs. Kittenrainer stellte klar: „Wir wollen dort keine reine Wohnraumnutzung. Wir brauchen mehr Gewerbe.“

Alles in allem ist der Bürgermeister aber von der Belebung des Nagelschmidanwesens überzeugt: „Wenn alles so umgesetzt wird, ist es eine Erfolgsgeschichte für Bayrischzell. Dadurch bekommt der Ort mehr Gästebetten.“

Von Daniel Wegscheider

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