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Deutliche Spuren haben die Maßnahmen des Forstbetriebs Schliersee in dem Schutzgebiet hinterlassen.

Forstbetrieb Schliersee zieht sich Unmut zu

Schon wieder Holzeinschlag im Schutzgebiet

Das Gebiet südlich von Bayrischzell soll die seltenen Raufußhühner schützen. Der Frühsommer ist wegen der Brutphase der Vögel für Holzeinschlag tabu. Dennoch fällte der Forstbetrieb Schliersee Bäume.

Bayrischzell/Schliersee – Es ist ein Vorgang, der offenbar jedes Jahr aufs Neue für Unstimmigkeiten sorgt. Im Frühsommer haben die Bayerischen Staatsforsten im Bereich von Elendsgraben und Klooaschau-Winterstube sogenannte Hiebsmaßnahmen vorgenommen, also Bäume gefällt. Und sich somit erneut den Unmut des Vereins Wildes Bayern zugezogen.

Denn dies, so betont Christine Miller aus Rottach-Egern, Zweite Vorsitzende des Vereins, sei während der Brut- und Aufzuchtphase im besonders geschützten Gebiet nicht zulässig. „Aber gegen die Vorschriften haben die Staatsforsten ja bereits im vergangenen Jahr schon verstoßen.“

War es 2016 im Bereich der Kreuzbergalm bei Bayrischzell eine zwei Hektar große Fläche, auf der Holzeinschlag vorgenommen wurde, war heuer im Juni der Nordhang auf der anderen Seite des Bergrückens an der Reihe. Wieder während der Brut- und Aufzuchtzeit der seltenen wie störungsanfälligen Raufußhühner, zu denen Auerhühner, Birkhühner und Haselhühner zählen.

Nach den Worten Millers zählt die Fläche zum Natura-2000-Schutzgebiet. Während private Waldbesitzer sich an die besonderen Anforderungen lediglich halten sollen, müssen sich die staatlichen Forstbetriebe zwingend nach den Schutzzeiten richten, erklärt Miller: „Während der Balz-, Brut- und Aufzuchtphase darf kein Holz gemacht werden.“ Eine Genehmigung seitens der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt habe nicht vorgelegen.

Die sei auch nicht nötig gewesen, erklärt Behördensprecher Birger Nemitz auf Nachfrage des Miesbacher Merkur nach Rücksprache mit dem Forstbetrieb Schliersee: „Die Gebiete liegen im Natura-2000-Schutzgebiet, das unter anderem den Schutz seltener Vogelarten zum Ziel hat, wie der Raufußhühner. Maßnahmen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft sind genehmigungsfrei möglich, soweit sich die Erhaltungsziele dadurch nicht verschlechtern.“

Der Forstbetrieb Schliersee hat laut Nemitz im Vorfeld das Gebiet untersucht und keine Betroffenheit der Erhaltungsziele festgestellt. Insbesondere nicht von Raufußhühnern. „Grundsätzlich hat der Forstbetrieb die notwendige Fachkompetenz, um dies eigenständig ohne die Untere Naturschutzbehörde beurteilen zu können“, stellt Nemitz darüber hinaus fest.

Der Forstbetrieb habe der Unteren Naturschutzbehörde im Rahmen der Anfrage des Miesbacher Merkur jedoch angeboten, die Maßnahmen bei einem Ortstermin näher zu erläutern. Nemitz: „Dieses Angebot nehmen wir gerne an und werden dabei die Maßnahmen überprüfen.“

Allzu lange Zeit bleibt dafür allerdings nicht. Denn Christoph Baudisch, der im Februar 2015 die Nachfolge von Stefan Pratsch als Leiter des Forstbetriebs Schliersee übernommen hat, wechselt zum 1. September in die Zentrale der Bayerischen Staatsforsten nach Regensburg.

Dieter Dorby

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