Dankbare Wanderer: Florian Bossert (l.) zeigt zwei Besuchern unterhalb des Lämpersberg die naturverträglichste Route zur Rotwand. Der linke Bereich des Fotos zeigt ein Schongebiet, Wanderer sollten dort quer weiterlaufen.
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Dankbare Wanderer: Florian Bossert (l.) zeigt zwei Besuchern unterhalb des Lämpersberg die naturverträglichste Route zur Rotwand. Der linke Bereich des Fotos zeigt ein Schongebiet, Wanderer sollten dort quer weiterlaufen.

Keine Verschnaufpause

Intensive Aufklärung: Ranger und Gebietsbetreuer nutzen Ruhe in den Bergen

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Ranger der ATS und Gebietsbetreuer Florian Bossert stellen in den Bergen einen Besucherrückgang fest - zugunsten der Wildtiere. Ansprachen gibt es weiterhin, auch wegen Lawinen.

Spitzingsee/Bayrischzell – Etwa 200 Ansprachen verbuchten die zehn eingesetzten Ranger der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) am vergangenen Samstag an den Bergen im Landkreis. Was zunächst nach viel klingen mag, beschreibt ATS-Geschäftsleiter Thorsten Schär als „Qualität statt Quantität“. Das solle freilich nicht heißen, dass die Qualität der Gespräche an anderen Tagen geringer sei. „Aber momentan haben wir einfach mehr Zeit für die einzelnen Menschen“, sagt Schär mit Blick auf die geringere Zahl an Wintersportlern.

Ranger und Gebietsbetreuer nutzen Besucherrückgang für Aufklärung

Auch Florian Bossert, Gebietsbetreuer des Mangfallgebirges, war in der vergangenen Woche zur Aufklärung über naturverträglichen Wintersport in den Bergen unterwegs. „Normalerweise sprechen die Ranger der ATS und ich jeweils 70 bis 150 Besucher an einem Tag an.“ Seit der Allgemeinverfügung mit dem Verbot touristischer Tagesausflüge in den Landkreis sei ein deutlicher Rückgang spürbar. „Es ist weniger los.“ Die Ruhe nach dem Sturm, der insbesondere am Spitzingsee Schlagzeilen machte.

Lawinengefahr besteht weiterhin

Unabhängig von dieser Entwicklung ist Bossert mit der Saison zufrieden. „Wir verbuchen überraschend früh große Erfolge“, sagt der 36-Jährige. Mittlerweile treffe er auf viele Besucher, die von seiner Arbeit bereits gehört hätten oder schon einmal von ihm angesprochen worden seien. Bossert betont: „Es ist Gold wert, wenn sich die Informationen so streuen.“ Immerhin sei es das erste Jahr, in dem er Unterstützung von der ATS erhalte. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Kombination lohnt.“ Der viele Schnee und die damit offensichtlichere Lawinengefahr helfen derzeit, den Anteil uninformierter Besucher zu senken. Trotzdem: „Es gibt immer noch Leute, bei denen der Wunsch nach einer tollen Abfahrt mehr als die Sicherheit wiegt“, meint Bossert. Bei Lawinenstufe drei seien Hänge ab einer Neigung von 30 Grad aber „einfach nicht drin.“ Die Schneedecke sei durch unterschiedliche Schwachschichten schlecht aufgebaut.

90 Prozent der Besucher aufgeschlossen für Informationen

Dies mussten zuletzt auch die Ranger der ATS berücksichtigen. Bossert sagt: „Wir konnten vor allem den Talbereich bis hin zu den Almen, nicht aber die höheren Lagen abdecken.“ Stattdessen waren die Freiberufler, die aus einem Sonderbudget für naturtouristische Themen vom Landratsamt finanziert werden, auch auf Parkplätzen zur Aufklärung unterwegs. Schär zufolge trafen seine Mitarbeiter am Samstag an Taubenstein, Sudelfeld, Breitenstein und Hirschberg auf überwiegend aufgeschlossene Besucher. „Die Gespräche sind sehr positiv verlaufen“, resümiert der ATS-Leiter. Bossert machte an anderen Tagen die gleichen Erfahrungen: „Rund 90 Prozent aller Angesprochenen freuen sich über die Informationen und reagieren freundlich und offen.“ Fünf bis zehn Prozent dagegen schätzen die Ansprachen nicht, fühlen sich bevormundet oder getadelt. „Die Werte sind konstant, unabhängig von der Pandemie oder vom Ansturm des jeweiligen Tags“, sagt Bossert.

Betretungsverbote in Arbeit

Eine Problemzone sah der Gebietsbetreuer einzig am Lämpersberg. Der dortige freie Hang werde momentan viel befahren, obwohl er als Schongebiet für das Birkhuhn ausgewiesen sei. Ein Betretungsverbot gehe damit aber nicht einher – Bossert und die ATS-Mitarbeiter sind auf die Rücksichtnahme und Einsicht der Freizeitsportler angewiesen. Wie berichtet, arbeitet das Landratsamt an einer Lösung für eine verbindliche Lenkung durch das Ausweisen von Birkhuhn-Schutzgebieten. „Eine Idee ist derzeit, den betroffenen Hang am Lämpersberg offiziell für Tourengeher freizugeben – und im Gegenzug die noch sensibleren Gebiete in höheren Lagen zu sperren“, erklärt Bossert. Konkrete Entwürfe müssten aber noch erarbeitet werden. Bis dahin zeigt sich der 36-Jährige zuversichtlich: „Es ist besser geworden.“ Das Wildalpjoch etwa und die Lacherspitz seien in der Zeit vor dem Ausflugsverbot wesentlich stärker frequentiert gewesen. nap

Tipps für die Vorbereitung auf naturverträgliches Skitourengehen

Gebietsbetreuer Florian Bossert bittet Skitourengeher, ihre Route von zu Hause aus zu planen, um Birk- und Auerhühner zu schonen. „Im Spitzing- und Rotwandgebiet gibt es nur noch rund 20 Tiere der bedrohten Art“, sagt Bossert. Das Aufschrecken, das Flattern und der anschließende Fußmarsch kosten wichtige Energiereserven, die im Winter schwer aufzufüllen sind. „Ferner schaden die Skispuren den Hühnern, da sie Füchsen den Aufstieg trotz Schnee ermöglichen.“ Eine Übersicht aller Schongebiete gibt es in den Karten des Alpenvereins. Wer sich digital informieren will, ist laut Bossert etwa mit den Apps „Alpenvereinaktiv“ und „Outdooractive“ gut bedient. Dort seien Schongebiete und die für die Lawinengefahr relevante Hangneigung eingezeichnet. Neben der Tourenplanung sei auch eine LVS-Ausrüstung mit Sender, Sonde und einer Schaufel für Lawinen zwingend notwendig. Außerdem empfiehlt Bossert Wechselkleidung, Trinkwasser und ein Handy. nap

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