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Isidor Scharmann erklärt, wie Bayrischzeller Loipen der Winter-Wärme trotzen

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Von: Christian Masengarb

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Mit Erfahrung dabei: Isidor Scharmann spurt seit über zwei Jahrzehnten die Bayrischzeller Loipen. Im Sommer geht er die Strecken ab, im Winter rückt er bei Neuschnee mehrmals täglich aus – meist mitten in der Nacht.
Mit Erfahrung dabei: Isidor Scharmann spurt seit über zwei Jahrzehnten die Bayrischzeller Loipen. Im Sommer geht er die Strecken ab, im Winter rückt er bei Neuschnee mehrmals täglich aus – meist mitten in der Nacht. © Steffen Gerber

Trotz wochenlang frühlingshafter Temperaturen hat Isidor Scharmann Langläufern in Bayrischzeller Kloo-Aschertal durchgängig gut befahrbare Loipen gespurt. Im Interview erklärt er, worauf es dabei ankommt.

Bayrischzell – Trotz wochenlang frühlingshafter Temperaturen hat Isidor Scharmann Langläufern in Bayrischzeller Kloo-Aschertal durchgängig gut befahrbare Loipen gespurt. In unserem Gespräch erklärt der 60-Jährige, der oft mehrmals täglich stundenlang mit dem Loipenspurgeräte die Strecke pflegt, wie er diese auch bei wärmeren Temperaturen befahrbar hält, was ihn am Spuren fasziniert und wann die derzeit nicht befahrbaren Bayrischzeller Loipen wieder einsatzfähig sein könnten.

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Isidor Scharmann erklärt, wie Bayrischzeller Loipen der Winter-Wärme trotzen

Herr Scharmann, trotz lange zweistelliger Temperaturen waren die Bayrischzeller Loipen vom Stockerparkplatz ins Kloo-Aschertal und zur Bäckeralm stets gut zu laufen. Wie haben Sie das hinbekommen?

Einerseits liegt das natürlich an der Temperatur im Kloo-Aschertal. Wenn wir in Bayrischzell fünf Grad plus haben, ist es da hinten ein Grad minus. Es schneit auch häufiger. Das macht viel aus. Aber es kommt natürlich auch auf das richtige Spuren an.

Erklären Sie!

Ganz wichtig ist, wann man spurt. Wenn ich frisch gespurt habe, sind die Schneekristalle von der Raupenkette und der Fräse aufgelockert. Danach braucht der Schnee Zeit, bis sich die Kristalle wieder verbinden. Ist der Schnee warm oder nass, muss er besonders lange ruhen. Deswegen fahre ich hauptsächlich auf die Nacht um zwölf oder eins. Ist der Schnee weich und ich spure erst in der Früh, fahren die ersten Läufer Absätze in die Loipe. Außerdem taut der Schnee dann schneller: Solange die Kristalle noch locker sind, kommt die wärmere Morgenluft besser unter die Oberfläche und die aufgehende Sonne findet mehr Angriffsfläche. Wenn ich nachts aber den richtigen Zeitpunkt erwische, damit der Schnee bis in die Früh wieder zusammenfriert, macht es auch nichts, wenn es tagsüber wärmer ist.

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Sehr interessant! Können Sie auch etwas tun, damit der Schnee länger hält?

Es hilft, wenn man für warmes Wetter vorausplant. Ich spure die Loipen jetzt seit 21 Jahren und kenne Stellen, an denen es schnell taut. Solange es kalt ist, schiebe ich dort mehr Schnee hin. Wird es wärmer, kann die Strecke so länger befahren werden.

Wie haben Sie diese Tricks gelernt?

Ich bin vor 21 Jahren einmal eine Stunde mit einem Loipenspurer mitgefahren, der mir das Wichtigste gezeigt hat. Den Rest habe ich mir selbst beigebracht. Es gibt immer wieder neue Situationen. Da musst du das Beste daraus machen und dazulernen.

Verraten Sie uns einen Spurer-Spezial-Trick!

(lacht) Da gibt es einige. Zum Beispiel muss ich immer genau die alte Spur nachziehen. Fahre ich einmal daneben und es geht recht Wind, kann ich verwehten Schnee auffangen und die Lücken damit füllen. Dazu gehört auch, was mein Schreiner-Lehrmeister immer gesagt hat: Wenn es dir gefällt, gefällt es den Kunden auch. Deswegen habe ich damals mit dem Spuren angefangen: Ich wollte die Loipen für die Gemeinde verbessern. Wenn wir jetzt in Vergleichen mit anderen Skigebieten immer vorne dabei sind, freut mich das. Ich will es gerne machen und selbst mit meiner Arbeit zufrieden sein.

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Nun ist es kälter geworden. Bis wann bekommen Sie alle Bayrischzeller Loipen wieder lauffähig?

Bevor ich alle Strecken spuren kann, brauche ich überall 20 Zentimeter Neuschnee. Drunter darf ich nicht fahren. Vom Stocker aus geht aber schon alles ein wenig wieder. Auch im Ursprungstal geht’s an manchen Stellen. Es soll aber wieder wärmer werden.

Wann spuren Sie lieber: Bei fünf Grad plus oder 15 Grad minus?

Solange der Schnee nachts zusammenfrieren kann, ist mir recht, wenn es ein bissl wärmer ist. Ideal ist der Schnee um null Grad. Da kann ich ihn am besten bearbeiten, und es reichen 20 Zentimeter Schneedecke für eine gute Loipe. Pulverschnee kann man schwer verdichten. Da bin ich schon über 40 Zentimeter drübergefahren und am Ende war fast nichts übrig.

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