Spektakel war beim Landratsamt angemeldet

Jäger verärgert: Privates Feuerwerk  in Osterhofen schreckt Hirsche auf

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Ja ist denn schon Silvester? Das dachten sich etliche Osterhofener wohl, als sie zuletzt ein Feuerwerk an der Leitzach sahen. Das war zwar angemeldet, doch die Jäger sind sauer.

Osterhofen – Ja ist denn heut’ schon Silvester? Das dachten sich etliche Osterhofener wohl, als sie zuletzt verwundert gen Abendhimmel schauten. An der Leitzach flackerte, blitzte und krachte es wie sonst nur zum Jahreswechsel. Ursache: ein privates Feuerwerk. Nach rund fünf Minuten war der Spuk vorbei. Die Irritationen im Dorf verzogen sich aber nicht so schnell wie der Rauch der Raketen – vor allem nicht bei den Jägern.

Für Aufklärung im Nebel sorgt Bayrischzells Vize-Bürgermeister Egid Stadler. Er wohnt in Osterhofen und ist ein Nachbar des Gasthofs Zum Wurz. Dort habe eine Hochzeit stattgefunden – mit dem krönenden Abschluss an der Leitzach. Überraschend kam das Feuerwerk nicht, betont Stadler. Er sei vor ein paar Wochen um sein Einverständnis gebeten worden. Zuerst habe er dieses verweigert. „Ich habe ja meine Viecher noch auf der Weide“, erklärt Stadler. Als ihn die Initiatoren der Party nochmals beknieten, habe er ihnen einen Platz unten an der Leitzach vorgeschlagen. An die Brunftzeit der Hirsche habe zu diesem Zeitpunkt niemand gedacht.

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Davon geht auch Revierjäger Christian Millauer aus. Anders könne er sich die Aktion nicht erklären. Ein Licht- und Lärmspektakel dieses Ausmaßes und zu dieser Jahreszeit könne die Hirsche so verschrecken, dass sie sich noch Tage danach nicht mehr aus dem Wald trauen würden. Die Folge: Das Wild verbeißt die Bäume, die Jäger können sie nicht mehr schießen – und laufen damit Gefahr, ihre vorgeschriebene Quote nicht zu erfüllen.

Deren Einhaltung überwacht die Untere Jagdbehörde am Landratsamt. Am Anzeigeverfahren über das Feuerwerk sei aber nur der Fachbereich Umwelt- und Naturschutz beteiligt gewesen, erklärt Pressesprecher Birger Nemitz. „Einen Handlungsbedarf hätte es nur bei wichtigen Fragen zum Artenschutz gegeben.“ Nemitz räumt aber ein, dass die Behörde in Zukunft auch die Jäger enger einbinden werde. „Wir sind jetzt sensibilisiert.“

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Über das Feuerwerk lediglich informiert wurde das Rathaus, sagt Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer. Er selbst habe dies aber nur „am Rande mitbekommen“ und könne daher nichts zum konkreten Fall sagen. Ein Feuerwerk auf einer Alm werde er aber unter keinen Umständen tolerieren, betont der Bürgermeister. „Da bin ich voll dagegen.“

Die Aktion im Tal scheint derweil noch gut ausgegangen zu sein. Millauer sind bis dato keine Wildschäden bekannt. „Es war wohl nicht ganz so schlimm“, sagt der Jäger. Das bestätigt auch Vize-Bürgermeister Stadler. Er selbst hat trotzdem seine Konsequenzen aus dem Spektakel gezogen. „Ich werde bei so was nicht mehr zustimmen.“ Die Knallerei an Silvester ist ihm genug.

Rubriklistenbild: © dpa / Carmen Jaspersen

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