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Dieses Wäldchen will der Besitzer roden und auf der Fläche ein Haus bauen.

Besitzer wollte hier bauen

Kein Baurecht: Wäldchen darf bleiben

Auf einer Fläche hinter dem AOK-Gelände in Bayrischzell wollte der Besitzer ein Wäldchen roden und ein Haus bauen. Der Gemeinderat sagt Nein. Der Baumbestand soll erhalten bleiben.

Bayrischzell – Friedlich ruht am Bayrischzeller Wendelsteinbach ein Buchen- und Ahornwald. Doch das private Grundstück, nördlich hinter dem ehemaligen AOK-Gelände am Mühlleitenweg gelegen, sorgt nun im Gemeinderat für Unruhe: Der Grundstücksbesitzer hat im Sommer 2016 eine Voranfrage zum Bau eines acht mal 15 Meter großen Einfamilienhauses bei der Kommune eingereicht. Die hat das Einvernehmen einstimmig verweigert. Außerdem nahm der Gemeinderat im November 2016, ebenfalls einhellig, das Grundstück in den Bebauungsplan auf und erließ eine Veränderungssperre, um den Baumbestand zu erhalten.

Der Eigentümer erhebt nun Einspruch – lässt die Entscheidung der Gemeinde juristisch prüfen. Das Anwaltsschreiben landete im Herbst kurz vor der Abstimmung in den Briefkästen der Ratsmitglieder. „Einige Gemeinderäte wurden schriftlich aufgefordert, gegen die Veränderungssperre zu stimmen, weil sonst Schadensersatzansprüche und andere haftungsrechtliche Konsequenzen entstehen könnten“, erklärt Bürgermeister Georg Kittenrainer. Auf 13 Seiten wird darin über „Haftung kommunaler Mandatsträger“ aufgeklärt: „Zu entschädigen wäre die Differenz zwischen dem Wert dieses Grundstückes als Baugrundstück und dessen Wert als unbebaubare Grünfläche“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Weiter wird darum gebeten, das Grundstück aus dem Umgriff der Bebauungsplanänderung „herauszunehmen und die Beurteilung über die Bebaubarkeit dem Landratsamt zu überlassen“.

Rückblick und Sachstand: „Bereits 2013 lag der Gemeinde eine Anfrage vor, das Grundstück zu bebauen“, informiert Kittenrainer. Zudem befindet sich neben dem rund 1500 Quadratmeter großen Buchenwald auf der östlichen Bachseite ein ehemaliges Wohnhaus des Besitzers. „Der Gemeinderat stimmte damals einer weiteren Bauparzelle neben seinem Wohngebäude zu.“ Aber es sei auch klargestellt worden, dass sich die Gemeinde eine Bebauung der Wald-Parzelle nicht vorstellen könne. Der Grund: „Die Erschließung ist aus unserer Sicht über den seit 1961 gewidmeten Wanderweg nicht gesichert, und vor allem wollte der Gemeinderat den parkartigen Buchenbestand an der westlichen Bachseite erhalten“, erklärt der Rathaus-Chef. 2014 verkaufte der Besitzer sein Wohnhaus inklusive dem zusätzlich geschaffenen Baurecht. Dezember 2016 reichte der Besitzer einen weiteren Antrag bei der Gemeinde ein, mit der Bitte, den Baumbestand zu roden und bis zur Beseitigung der Bäume den Wanderweg am Grundstück entlang zu sperren. Nach eingehender Begutachtung kämen drei Baumsachverständige zu dem Ergebnis, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sei, schreibt der Besitzer.

Daraufhin begutachtete die Gemeinde zusammen mit der Unteren Naturschutz- und Forstbehörde das Waldgrundstück. Martina Lewald-Brudi, Sachverständige für Baumpflege und Verkehrssicherheit am Landratsamt, konnte laut Kittenrainer dem Urteil „der drei Forstingenieure nicht folgen“. In deren Stellungnahmen werde die Entfernung der Bäume empfohlen, ohne Handlungsalternativen in Betracht zu ziehen, fasst sie zusammen. Die Behördenmitarbeiterin sieht das allerdings anders: So handle es sich gemäß der Baumschutzverordnung und Gestaltungssatzung der Gemeinde „um einen geschützten Bestand, der nicht beseitigt werden darf“. Lewald-Brudi stellte einige „Schadmerkmale“ fest und empfiehlt, zwei pilzbefallene Bergahorne zu entfernen. Zudem gebe es einige Zwieselbildungen in Form von V-Vergabelungen, deren Kronen zu sichern seien.

Der Gemeinderat schloss sich in der jüngsten Sitzung einstimmig der Fachmeinung an und lehnte die Rodung ab. Die vereinzelte Baumsicherung koste den Betreiber keine Unsummen, sagte Kittenrainer und weiter: „Es ist nachvollziehbar, wenn ein Grundstückseigentümer seine Flächen möglichst hochpreisig verkaufen will, doch die Mittel, mit denen hier gearbeitet wurde, sind mehr als fragwürdig.“

Daniel Wegscheider

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