Veraltet: die Bayrischzeller Kläranlage.
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Veraltet: die Bayrischzeller Kläranlage.

Kosten viel zu hoch

Kläranlage Bayrischzell: Anschluss an Fischbachau so gut wie vom Tisch

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein Anschluss von Bayrischzell an die Fischbachauer Kläranlage lässt sich wohl nicht zu vertretbaren Kosten realisieren. Bleibt nur die Sanierung im Bestand. Und auch die ist teuer.

Bayrischzell - Eine neue Kläranlage für nur 1600 Einwohner: „Das kann eigentlich nicht sein“, meinte Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) jüngst im Gemeinderat. Deshalb habe er zuletzt bei der Nachbargemeinde Fischbachau angeklopft, um die Anschlussmöglichkeit an deren erst vor wenigen Jahren neugebaute Anlage in Wörnsmühl auszuloten. Kittenrainer hätte sich dafür auch die Gründung eines Abwasserzweckverbands nach Miesbacher Vorbild vorstellen können. Doch es wird wohl beim Wunsch bleiben.

Denn auch die nochmalige Prüfung bestätigte die Einschätzung, die das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro Dippold & Gerold bereits im Oktober 2020 vorgestellt hatte (wir berichteten): Der Anschluss an Fischbachau ist mit acht Millionen Euro die mit Abstand teuerste Lösung. Zum Vergleich: Die umfangreiche Sanierung des in den 1960er-Jahren erbauten Klärwerks, die laut Bayrischzells Geschäftsleiter Josef Acher technisch quasi einem Neubaustandard entspricht, würde „nur“ mit 4,9 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die abgespeckte Variante, bei der nur ein Teil der Anlage erneuert wird, gar nur mit 3,5 Millionen Euro.

Anschluss mit vielen Unwägbarkeiten verbunden

Den auf den ersten Blick charmanten Anschluss müsse man sich damit wohl aus dem Kopf schlagen, gab Kittenrainer zu. So reiche es nicht aus, einfach nur ein Rohr bis zum ersten Fischbachauer Kanal zu verlegen. Wegen der Grundstücksproblematik müsse man vielmehr den längeren Straßenweg von Osterhofen über Aurach und dann weiter bis zur früheren Fischbachauer Kläranlage in Lehenpoint wählen. Da man hier auch Höhenunterschiede überwinden müsste, brauche es teure Druckleitungen samt Pumpwerken. Alleine dies würde 5,1 Millionen Euro kosten. Die notwendige Aufrüstung der Kapazitäten in Wörnsmühl sowie eine verhandlungsabhängige Anschlussgebühr kämen obendrauf. „Das ist eine Wundertüte mit zu vielen Unwägbarkeiten“, seufzte Kittenrainer. Vize-Bürgermeister Egid Stadler (CSU) teilte diese Einschätzung. „Die Fischbachauer Bürger wurden beim Neubau ihrer Kläranlage stark belastet, da würden sie zurecht auch von uns eine vernünftige Beteiligung erwarten.“

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Kaum Zuschüsse für Neubau

Andererseits gebe es kaum Aussicht auf Zuschüsse. Einzig für die Leitung könne man mit 1,2 Millionen Euro rechnen. Die Idee des Bürgermeisters, beim Umweltministerium mit einer möglichen Verbesserung der Wasserqualität an der oberen Leitzach zu argumentieren, hat wohl wenig Aussicht auf Erfolg. „Das Wasserwirtschaftsamt hat schon jetzt so gut wie nichts zu beanstanden.“ Auch über die dann niedrigeren Betriebskosten könne man den Zusammenschluss kaum rechtfertigen, ergänzte Acher. „Es würde 60 Jahre dauern, bis sich das amortisiert hat.“ Umgekehrt sei Bayrischzell aber auch zu klein, als dass sich die Gründung eines Eigenbetriebs, beispielsweise in Form von Gemeindewerken, rentieren würde.

Einen Beschluss, welche Sanierungsvariante nun verfolgt wird, fällte der Gemeinderat noch nicht. Mindestens genauso viele Gedanken müsse man sich auch um die kommunalrechtlich vorgeschriebene Umlegung der Kosten auf die Bürger machen. Kittenrainer schickte schon mal voraus, dass es wohl auf eine Mischkalkulation mit einem einmaligen Verbesserungsbeitrag sowie einer Erhöhung der jährlichen Grundgebühr (aktuell 108 Euro) und der verbrauchsabhängigen Abwassergebühr von derzeit 1,40 Euro pro Kubikmeter hinauslaufen wird. Konkrete Zahlen könne er aber bis dato nicht nennen. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös.“

sg

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