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Erhält wieder einen Gemeinderat mit Fraktionen: das Rathaus Bayrischzell.

Vier Listen sind wahrscheinlich

Aus für Gemeinschaftsliste: Bayrischzell bekommt wieder Fraktionen

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Bei der Kommunalwahl 2020 wird es in Bayrischzell keinen gemeinsamen Wahlvorschlag mehr geben. Stattdessen zeichnen sich nicht weniger als vier Listen ab.

Bayrischzell – Mit dem Wort Einheitsliste kann Georg Kittenrainer nicht viel anfangen. „Das klingt ein bisschen nach DDR“, sagt der Bayrischzeller Rathauschef. Er nennt das Modell eines fraktionslosen Gemeinderates daher lieber „Gemeinschaftsliste“. Und das hat Kittenrainer in den vergangenen sechs Jahren voll überzeugt. So sehr, dass er und seine Mitstreiter den Bayrischzellern auch bei der Kommunalwahl 2020 gerne einen parteiübergreifenden Vorschlag im Stil einer echten Personenwahl präsentiert hätten. Doch daraus wird aller Voraussicht nach nichts. Grund sind zwei mögliche neue, konkurrierende Listen – und der große Andrang an Kandidaten.

„Wir haben derzeit 30 Interessenten, darunter viele junge Leute“, berichtet Kittenrainer. „Das ist absolut erfreulich.“ Allerdings könne man auf der maximal 24 Plätze umfassenden Gemeinderatsliste nicht alle unterbringen. Weil man die kommunalpolitische Begeisterung nicht abwürgen wolle, habe man sich nun doch entschieden, zwei getrennte Listen aufzustellen: eine für CSU und freie Kandidaten, eine für Freie Wähler und Kandidaten. Die jeweils etablierte Partei/Gruppierung im Titel habe man gewählt, um sich nicht dem komplizierten Prozedere einer Neugründung mit Stützunterschriften aussetzen zu müssen.

Vier Listen sind wahrscheinlich

Darum kommen auch die Grünen herum. Ihre Bayrischzeller Liste, an der sie gerade arbeiten, wird dennoch ein Novum. „Mindestens vier Kandidaten stehen bereit“, sagt der für den Ort verantwortliche Wolfgang Krämer. Der Beschluss zur Aufstellung sei bereits gefallen, die Nominierungsversammlung ist für Mittwoch, 18. Dezember, terminiert. Eine Kandidatur auf einer Gemeinschaftsliste sei für die Grünen kein Thema gewesen, so Krämer: „Wir wollen eine echte Alternative anbieten.“ Was aber nicht bedeute, dass man mit der bisherigen Arbeit des Gemeinderates komplett unzufrieden sei.

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Albert Jupé äußert sich in diesem Punkt deutlich kritischer. Viele Bayrischzeller seien auf ihn zugekommen und hätten ihre Unzufriedenheit mit der Gemeindepolitik zum Ausdruck gebracht. „Man kann den Sinn und die Motivation bei manchen Entscheidungen nicht so recht nachvollziehen“, sagt der Eigentümer und Betreiber des Zipflwirt. Auch er selbst hat bekanntlich schon den ein oder anderen Clinch mit Gemeinderat und Rathausverwaltung ausgefochten. Für Jupé war die Sache damit klar: „Wenn man bestimmte Dinge nicht mehr mittragen möchte, muss man sich selbst engagieren.“

Genau das hat der Zipflwirt vor. Die Suche nach Unterstützern für eine eigene Bürgerliste hat bereits begonnen, berichtet Jupé. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, aber es schaut ganz gut aus.“ Aktuell befinde man sich in der Phase, einen gemeinsamen politischen Weg auszuloten. Bis spätestens 23. Januar müsse die Liste stehen. Sogar auf eine Bürgermeisterkandidatur sei er angesprochen worden, erzählt Jupé. Stand jetzt sei dies aber kein Thema für ihn. „Für so was braucht man Zeit.“

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Beim Amtsinhaber hingegen ist die Sache klar: „Ich werde wieder antreten.“ Zumindest aus den Reihen der ehemaligen Gemeinschaftsliste und damit auch der neuen Freien Wähler/Freie Kandidaten-Liste rechne er derzeit nicht mit einem Gegenkandidaten. Kittenrainer macht keinen Hehl daraus, dass er die Rückkehr zum Fraktionsmodell bedauert. Man wäre durchaus bereit gewesen, auch die Interessenten der Grünen oder der möglichen neuen Bürgerliste mit auf den gemeinsamen Wahlvorschlag zu schreiben. „Unsere Tür war offen.“

Dass es nun anders kommt, sei aber kein Beinbruch, meint der Rathauschef. „Ich sehe das gelassen.“ Wichtig sei ihm lediglich ein fairer Umgang miteinander – im Wahlkampf, aber auch im neuen Gemeinderat. „Ich gehe davon aus, dass jeder im besten Sinne seiner Heimatgemeinde handelt.“

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