Attacke auf Passanten in Hamburg: Ein Toter, mehrere Verletzte

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Die beiden US-Amerikaner Frank (3.v.r) und Ann Roberts (2.v.r.) sind extra für die Uhren-Übergabe angereist. Sehr zur Freude von (v.l.) Resi Mainwolf, Touristikerin Stephanie Hintermayr, Verena Funk und Bürgermeister Georg Kittenrainer.

Eine fast unglaubliche Geschichte

Kriegsbeute: Amerikaner bringt nach 70 Jahren goldene Uhr zurück

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Vor 70 Jahren verlor der Bayrischzeller Bürgermeister seine goldene Uhr. Dank eines Amerikaners, dessen Vater als Soldat sie im Zweiten Weltkrieg an sich nahm, ist sie heimgekehrt.

Bayrischzell – Uhren dienen bekanntlich dem Ablesen der Zeit. Diesen Zweck erfüllt die goldene Taschenuhr, die Frank und Ann Roberts aus Kalifornien nach Bayrischzell gebracht haben zumindest für den Moment nicht mehr – die Zeiger sind stehen geblieben. Dennoch, für Resi Mainwolf (78) und ihre Enkelin Verena Funk (28) ist sie etwas Besonderes, ein Stück Geschichte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ging die Uhr, die einst dem Bayrischzeller Bürgermeister Sebastian Mainwolf gehörte, verloren – jetzt, mehr als 70 Jahre später ist sie wieder da, wo sie hingehört: in Bayrischzell.

Mainwolf bekam die Uhr anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums 

Lange verschollen: die Taschenuhr von Ex-Bürgermeister Mainwolf.

Die Geschichte der goldenen Taschenuhr nimmt ihren Lauf im Jahr 1931. Mainwolf, seit 1906 amtierender Bürgermeister Bayrischzells, bekommt die Uhr anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums von der Gemeinde überreicht. Nur zwei Jahre später endet seine Amtszeit, weil er sich weigert, der nationalsozialistischen Partei beizutreten. Ein neuer, parteikonformer Rathauschef ersetzt Mainwolf nach 27 Jahren. Gegen Kriegsende verlässt die Uhr ihre Heimat. Wie, das weiß niemand so genau. Dass sie verloren ging, das ist aber sogar in der Gemeinde-Chronik erwähnt. 

Auch Frank Roberts, 63, der die Uhr zusammen mit einem Geldgürtel aus Kriegstagen aus dem Nachlass seines Vaters erhalten hat, kann sich nur auf dessen Erzählungen stützen. Dieser sei gegen Kriegsende mit der 36. Division, einer Sondereinheit der US Army, in Bayrischzell stationiert gewesen. „Die Uhr hat er einem deutschen Soldaten abgenommen, den er festgenommen hatte“, sagt Roberts. „Der hatte die Uhr wohl an einer Kette in seiner Brusttasche.“ Wer besagter Soldat war, ist nicht überliefert.

Uhr wäre vielleicht nie heimgekommen, wenn nicht...

Nach dem Tod seines Vaters kam Roberts in den Besitz der Uhr. Wirklich damit auseinandergesetzt hat er sich aber nicht – das Stück lagerte gemeinsam mit anderen Relikten aus der Army-Zeit seines Vaters im Safe. Bis zum vergangenen Sommer. Als Roberts mit seinem Segel-Kumpel Horst Weiler, einem Auswanderer aus Köln, im Yacht-Club zusammen saß, zeigte er ihm die Taschenuhr samt ihrer Gravur auf der Innenseite des Deckels. Der Kölner war wohl der erste seit Jahrzehnten, der die Inschrift verstand: „Gewidmet von der Gemeinde Bayrischzell zum 25-jährigen Bürgermeister-Jubiläum“.

„Dass es sowas noch gibt, dass jemand die Uhr zurückgibt“

Roberts fasste den Entschluss, die Uhr „nach Hause“ zu bringen. Per Google-Suche stieß er auf die E-Mail-Adresse von Bürgermeister Georg Kittenrainer. Mit dem Anschreiben „Dear Burgermeister“ versehen, teilte er dem Rathauschef sein Vorhaben mit. Der war begeistert, schließlich kommt so etwas nicht alle Tage vor. Nach einer kurzen Recherche in der Chronik war die Geschichte zumindest in groben Zügen rekonstruiert. Kittenrainer informierte die Nachkommen – die konnten es kaum glauben. „Dass es sowas noch gibt, dass jemand die Uhr zurückgibt“, sagt Resi Mainwolf immer noch sichtlich überwältigt beim gemeinsamen Weißwurstfrühstück mit den amerikanischen Gästen.

Dank dem Ehepaar Roberts ist die Uhr zurück in der Heimat. „Wir werden sie erst mal der Verwandtschaft zeigen“, sagt Mainwolfs Enkelin Verena Funk. „Die sind schon gespannt.“ Anschließend wird sie ausgestellt – das haben Kittenrainer und Mainwolf bereits vereinbart. Die Uhr bleibt, die Roberts’ ziehen weiter. Sie verbinden die Übergabe mit einer Rundreise durch Deutschland und Österreich.

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