Die Pläne der Euroboden GmbH – hier die Ansicht eines Arkadengangs – stoßen im Gemeinderat nicht auf Begeisterung.
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Die Pläne der Euroboden GmbH – hier die Ansicht eines Arkadengangs – stoßen im Gemeinderat nicht auf Begeisterung.

Gemeinderat über Pläne von Grünwalder Immobilienentwickler

Kritik an Plänen für Wohnbebauung am Bahnhof: „Passt nicht zu Bayrischzell“

Die Pläne der Grünwalder Euroboden GmbH für die Wohnbebauung am Bahnhof Bayrischzell haben in der kleinen Gemeinde hohe Wellen geschlagen. Im Gemeinderat gab es nun Kritik an Plänen und Vorgehen.

Bayrischzell – Neuen Wohnraum zu schaffen, ist der Gemeinde wichtig – aber nicht in der Dimension, wie es der aktuelle Plan der Euroboden vorsieht. „Ich war der Überraschteste im Ort“, erklärte Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU). Wie berichtet, hat die Gemeinde über unsere Zeitung von der Ausgestaltung der Pläne für 69 Wohnungen auf 6000 Quadratmetern erfahren, die die Euroboden GmbH per Pressemitteilung verkündet hatte. Laut Kittenrainer sei die Gemeinde mit dem von der Firma beauftragten Münchner Architekturbüro Florian Nagler zwar im Dialog gestanden. „Aber wir waren noch weit von einem gemeinsamen Konsens entfernt.“

Kittenrainer berichtet davon, dass beim vergangenen Treffen im Sommer 2020 besprochen worden sei, „diese großzügige Bebauung“ im Gemeinderat erst einmal vorzustellen, um sich „dort dann ein Meinungsbild einzuholen“. Euroboden habe daraufhin an der Planung nacharbeiten wollen. „Das Nacharbeiten ist jetzt wohl passiert“, betonte Kittenrainer schmunzelnd; die Gemeinde habe davon nichts gewusst.

„Sobald ein offizieller Bauantrag vorliegt, werden wir uns mit dem Thema im Gemeinderat auseinandersetzen“, sagte der Rathauschef. Mit einem konkreten Ziel: „Wir wollen vom Bahnhof aus noch den Wendelstein sehen.“ Zwar begrüße die Gemeinde die von Euroboden dargestellte Holzbauweise, jedoch nicht bis zu vier Vollgeschosse in „kasernenartiger“ Anordnung der beiden neuen Wohngebäude. „Das passt nicht zu Bayrischzell“, betonte Vize-Bürgermeister Egid Stadler (CSU).

„Da geht es ums Geld und nicht um Bayrischzell“

Das sah auch Georg Acher (FWG) so: „Da geht es ums Geld und nicht um Bayrischzell.“ Er stellte sich die Frage, „ob wir im Ort überhaupt in diesem Ausmaß Wohnraum benötigen“. Wohnraum zu schaffen sei schon in Ordnung, „aber mit Augenmaß“. Selbiges sah er in der Darstellung des Projekts durch die Euroboden GmbH nicht gewahrt: „Wir werden uns doch dort nicht sieben Hochhäuser hinstellen lassen – das ganze Areal zupflastern, nur damit sie Profit machen.“

Um Wohnraum zu schaffen, habe die Gemeinde eigentlich das nördliche Bahngelände sowie den Lokschuppen von der Bundeseisenbahnvermögen kaufen wollen und habe dafür 700.000Euro geboten, erklärte Kittenrainer. „Doch wir sind dreifach überboten worden.“ Der Zuschlag ging an die Euroboden, die sich dann an die Gemeinde gewandt habe. Dabei sei besprochen worden, die Gestaltung dem Ortscharakter anzupassen „und nicht die Fläche maximal auszunützen“, um den teuer erworbenen Grund zu refinanzieren. „Der Wohnraum auf dem Areal muss wachsen“, befand indes Florian Müller (CSU). Knapp 70 Wohnungen bedeute für den Ort aber einen „ordentlichen Zuwachs“, der Infrastruktur und Verkehrssituation belaste.

Nun wartet die Gemeinde auf den überarbeiteten Plan, den Euroboden angekündigt hat. Kittenrainer: „Wir sind gespannt, wie es weitergeht.“

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Daniel Wegscheider

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