Zunehmende Konflikte: Vor allem Mountainbiker fallen am Berg wie im Flachland durch rücksichtsloses Verhalten auf. Ein neuer Runder Tisch will Lösungen entwickeln, die zügig Abhilfe schaffen sollen.
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Zunehmende Konflikte: Vor allem Mountainbiker fallen am Berg wie im Flachland durch rücksichtsloses Verhalten auf. Ein neuer Runder Tisch will Lösungen entwickeln, die zügig Abhilfe schaffen sollen.

Nach Angriff auf Gebietsbetreuer

Kreis Miesbach: Landrat fordert zügige Lösungen

  • Dieter Dorby
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Dass die Probleme mit Freizeittouristen größer werden, war allen bekannt. Dass das Konfliktpotenzial aber bereits solche Dimensionen erreicht hat, dass tätliche Angriffe die Folge sind, verschärft die Situation. Der Landrat will zügig mit Lösungen reagieren.

Der tätliche Angriff auf Landratsamtsmitarbeiter Florian Bossert, der als Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge zuständig ist (wir berichteten), hat am heutigen Mittwoch im Umweltausschuss des Kreistags für Bestürzung und Empörung gesorgt. Landrat Olaf von Löwis (CSU) sprach von einer unsäglichen Situation: „Es ist erschütternd, was da abgeht. Das muss uns dazu veranlassen, dass etwas passiert.“

Thematisch stand eigentlich ein anderes, wenn auch verwandtes Thema auf der Tagesordnung. Ursprünglich war vorgesehen, darüber zu diskutieren, ob der Landkreis ein oder zwei Vollzeitstellen für Ranger schaffen soll, doch Löwis setzte diesen Punkt kurzerhand ab. Nicht wegen des Angriffs auf Bossert, sondern, weil Vorlage und Stellenkonzeption fehlerhaft waren, was er – geschuldet seinem dichten Terminkalender – zu spät gesehen habe. Zeitlich sei dies kein Schaden, denn losgehen würde das Ranger-Projekt erst Anfang 2021.

Positives Stimmungsbild pro Ranger

Einen Beschluss gab es dennoch. Gerhard Waas (Grüne) aus Schliersee hatte vorgeschlagen, mit einem „Stimmungsbild“ ein Zeichen pro Ranger nach außen zu setzen. Dies wurde allgemein unterstützt. Lediglich Martin Beilhack (Bayernpartei) aus Warngau stimmte nicht mit. Seine Begründung: Ranger seien zu teuer. Daher bevorzuge er den Einsatz ehrenamtlicher Helfer.

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Dass der Landkreis sich etwas einfallen lassen muss, um den zunehmenden Problemen mit Freizeitsportlern und Tagesbesuchern Herr zu werden, zeigten die anschließenden Wortmeldungen. Dabei kritisierte der Holzkirchner Martin Taubenberger (FW) die „schlimme Ich-Mentalität. Alle meinen, sie haben recht.“

Mountainbiker ohne Respekt vor fremden Flächen

Alois Fuchs (CSU) aus Miesbach erinnerte daran, dass es nicht nur am Berg Probleme mit Mountainbikern gebe, sondern auch im Flachland. „Die Leute meinen, das ist nur eine Wiese, aber auf der haben sie von April bis Oktober eben nichts verloren“, stellte der Landwirt klar. „Früher hat man das in der Schule gelernt.“ Und viele fahren lieber querfeldein, statt an befahrenen Straßen zu radeln. Für Leonhard Obermüller (CSU) aus Warngau fehlt es zudem am Respekt vor fremdem Eigentum, sagte er mit Blick auf unerlaubt gebaute Trailstrecken am Taubenberg.

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Schlimmer werde auch das Müllproblem, ergänzte Kristina Roedel (ÖDP) aus Kreuth. Sie müsse ihren Garten am Hirschberg montags regelmäßig von Unrat säubern, der dort hineingeworfen werde. Und Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU) berichtete von zunehmendem illegalen Camping zwischen Sutten und Valepp. Sein Ansatz: „Da hilft nur Aufklärung.“

Strafen sind zu gering

Robert Wiechmann (Grüne) aus Holzkirchen sieht ein großes Problem darin, dass bei Sanktionen die Verhältnismäßigkeit fehle: „Es wird zu niedrig betraft.“ Für vielleicht 20 Euro Strafe könne man keinen Zwang anwenden. „Polizeiliches Vorgehen wird da nicht weiterhelfen.“ Der Landrat schlug darüber hinaus vor, künftig zwei Personen loszuschicken statt nur eine: „Grundsätzlich ist das so üblich. Sonst ist man allein, wird von Leuten umringt und hat keinen Zeugen bei sich.“

Neuer Runder Tisch bereits schon vorher geplant

Ob es an Corona liege oder nicht: „Die Leute strömen wie wahnsinnig in die Natur“, stellte Löwis fest. Deshalb sei jetzt eine gute Gelegenheit, ein Vorhaben öffentlich zu machen, das schon vor dem Vorfall an der Rotwand initiiert worden war und am kommenden Montag starten soll: ein Runder Tisch mit allen vom Mountainbike-Sport betroffenen Gruppen. Dazu gehören neben den Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) und Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) sowie dem Alpenverein (DAV) auch die Bürgermeister der betroffenen Gebiete, Almbauern, das Landratsamt, Gebietsbetreuer Bossert, die Staatsforsten und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). „Wahrscheinlich werden wir daraus eine kleine Task Force machen, um handfeste Ergebnisse zu bekommen.“

Vorrangiges Ziel sei es, Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Aber auch Nachbarkommunen, der Landkreistag und die Landtagsabgeordneten sollen in das Thema eingebunden werden. „Denn“, so Löwis, „wir brauchen eine schnelle Lösung.“

ddy

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