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Lawinenrettung: Innenminister Herrmann stellt am Sudelfeld neue Möglichkeiten vor

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Von: Alexandra Korimorth

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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Kuratoriums-Vorsitzender Klaus Stöttner.
Für mehr Sicherheit am Berg: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Kuratoriums-Vorsitzender Klaus Stöttner. © Ralf Poeplau

Potenziellen Falscheinschätzungen der Lawinengefahr will das Kuratorium für alpine Sicherheit entgegenwirken. Am Sudelfeld hat es Maßnahmen vorgestellt.

Bayrischzell – Eindrucksvoll und hautnah präsentierte das Kuratorium im Polizeiheim im Sudelfeldgebiet die neuen oder aktualisierten Werkzeuge zu Lawinenrettung: Faltblatt, Notruf-App, Hubschrauber-Detektoren und Lawinensuchhund. Der Zusammenschluss entstand vor zehn Jahren und besteht aus insgesamt 17 Verbänden, Bildungseinrichtungen und Experten. Der Freistaat unterstützt die Arbeit jährlich mit bis zu 100 000 Euro, und so war am Mittwoch auch Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann an die Grafenherberge gekommen.

SOS-EU-App: Heuer 212 Notrufe darüber abgesetzt

Der Minister mahnte – bei aller Freunde über die Öffnung der Skigebiete – zur Vorsicht. „Die Wintersport-Sause hat begonnen, dennoch ist es wichtig, sich des Risikos bewusst zu sein, die Gefahr im Blick zu haben und vernünftig zu sein.“ Gerade weniger bergerfahrene Skifahrer, Skitourengeher und Schneeschuhwanderer würden die Lawinengefahr oft unterschätzen. Witterungs- und Coronabedingt habe es im Jahr 2021 glücklicherweise keine Lawinentote in den bayerischen Bergen gegeben, ebensowenig in der Saison 2019/20. „Eine erfreuliche Bilanz“, meinte Herrmann, doch Lawinenabgänge gab es durchaus.

Beispielsweise am Wilden Fräulein im nicht weit entfernten Spitzingsee-Gebiet. Dort kam es in der zurückliegenden Saison zu einem großen Einsatz, weil Beobachter meinten, Skispuren im Bereich der Lawine ausgemacht zu haben. Relativ schnell konnte aber Entwarnung gegeben und die Verschüttetensuche eingestellt werden.

Rettung mit Hund.
Rettung mit Hund: Thea mit ihrem Hundeführer beim Probeeinsatz. © Ralf Poeplau

Gute Dienste bei Lawinenabgängen leistet laut Herrmann die SOS-EU-Alp-App. Insgesamt wurden heuer 212 Notrufe über diese NotfallApp abgesetzt (2020: 197). Heruntergeladen wurde der „digitale Schutzengel“ 300 000 Mal. Am Sudelfeld wurde die neue, erweiterte Version vorgestellt: Wenn ein Notruf von der App ausgeht, landet er a von Januar an direkt bei allen 26 Rettungsleitstellen in Bayern und übermittelt auch den Standort des Verunfallten. „Das Ziel ist, dass durch die eine App ein Notruf für den gesamten Alpenraum möglich ist“, erklärte der Kuratoriums-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Zudem sollen durch die App künftig auch personalisierte Daten wie Krankenkassennummer übertragen werden können.

Ein weiteres Novum der Lawinenrettung stellte Herrmann für die bayerischen Polizeihubschrauber vor. Es sind spezielles Detektoren, etwa 70 Kilogramm schwer, die unter die Helokopter der gehängt werden und die innerhalb von sechs Minuten “ ein Gebiet von einem Quadratkilometer absuchen können. Sie detektieren das Signal von SAR-Reflektoren, die in etwas 25 Prozent der Bergsportartikel eingebaut sind, aber auch separat gekauft werden können. Zwei dieser Detektoren wurden angeschafft und insgesamt 20 Operateure ausgebildet.

Acht neue Polizeihubschrauber ab 2023

Wie schnelle Rettung funktioniert, demonstrierte die Polizei im Hubschrauber gemeinsam mit der Bergwacht am Boden. Hier waren es Lawinenhündin Thea und ihr Hundeführer, die eine Jacke eines vermeintlich Verschütteten orteten, ausgruben und damit in den Hubschrauber aufgewinscht wurden.

Zuletzt stellte das Kuratorium für alpine Sicherheit das neue Faltblatt „Achtung Lawinen!“ vor. Es ist auch auf www.alpinesicherheit.bayern zu bekommen und soll um eine Sommerversion für Bergsportler ergänzt werden.

Zum Abschluss kündigte Herrmann noch an, dass Anfang 2023 acht neue Polizeihubschrauber (Airbus H145) ausgeliefert werden, die doppelt so viele Rettungskräfte oder zu Rettende transportieren können wie bisher.

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