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Bagger in der Leitzach: Der Fluss wird auf einer Länge von 920 Metern saniert. Der Umbau sei zu massiv, monieren einige Kritiker.

Umbau des Wasserwirtschaftsamts sorgt für Kritik  

Leitzach-Fischer: „Fluss ist braun wie Kaffee“

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Fischer Max Miller ärgert sich über den derzeit laufenden Umbau der Leitzach. Er sei schlichtweg übertrieben. Die Behörden indes betonen die Notwendigkeit der Maßnahme.

Geitau – Wenn flussaufwärts die Bagger am Werk sind, färbt sich bei Max Miller die Leitzach braun. „Das sieht aus wie trüber Kaffee“, sagt der Rosenheimer, der seit 40 Jahren das Fischrecht sechs Kilometer unterhalb der Geitauer Brücke hat. Darunter würden nicht nur die Äschen und Bachforellen leiden, weil sie kein Futter mehr finden könnten, sondern auch der Eisvogel und die Wasseramsel, die sich von der Fischbrut ernähren.

Der Grund für Millers Ärger ist das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, das heuer die Leitzach zwischen Ried und Klarermühle im Gemeindebereich Bayrischzell umbaut (wir berichteten). Auf einer Länge von 920 Metern lässt die Behörde die sanierungsbedürftigen Sohlschwellen durch naturnahe Bauwerke, sogenannte aufgelöste Rampen, ersetzen. So tun sich Fische und andere Wassertiere nicht nur leichter beim Wandern, sondern finden auf ihrem Weg flussaufwärts auch immer wieder Ruhezonen vor. Eigentlich also eine Maßnahme, die ganz im Sinne der Fischer sein sollte.

Miller ist da anderer Meinung. Er hält den Umbau für übertrieben. „Da wird einfach nur Geld verbaut“, schimpft er. Die durchschnittliche Fallhöhe an den Wehren liege schon jetzt bei gerade einmal 15,4 Zentimetern, also noch innerhalb des Grenzwerts, der für Neubauten vorgeschrieben sei. „Das kann nicht Anlass für so eine Maßnahme sein“, sagt Miller. „Die Kollateralschäden sind viel zu groß.“

Das Wasserwirtschaftsamt weist diese Vorwürfe zurück. Natürlich gehe jeder Eingriff während der Bauzeit mit einer Beeinträchtigung einher, erklärt Leiter Paul Geisenhofer auf Nachfrage unserer Zeitung. Man bemühe sich aber, die negativen Begleiterscheinungen so gering wie möglich zu halten. Je nach Wetter oder Hochwasser würden die Arbeiten im September, spätestens aber im Oktober abgeschlossen sein. „Davon profitiert das Fischwasser dann für Jahrzehnte.“ Selbstverständlich sei alles mit dem Naturschutz abgestimmt. „Wir arbeiten nicht ins Blaue hinein“, betont Geisenhofer.

Dass sich nach Abschluss des Umbaus eine „deutliche Verbesserung für die Fischpopulation“ ergibt, ist auch die Auffassung der anderen Fachstellen. „Die Baumaßnahme des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim wird von der Fachberatung für Fischerei der Regierung von Oberbayern und dem Fachlichen Naturschutz am Landratsamt Miesbach grundsätzlich positiv beurteilt“, teilt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamtes mit. Dass es zumindest an der Kommunikation gehakt hat, wurde nun bei einem Ortstermin unter der Moderation von Ulrich Wunner von der Fischereifachberatung Oberbayern deutlich.

Die Gesprächsbeteiligten hätten sich darauf geeinigt, so Nemitz, „dass vor dem nächsten Bauabschnitt die Fischereiberechtigten in einem größeren Fließstreckenabschnitt unterhalb der Baustelle vorher eingebunden werden“. Entstandene Schäden am Fischereichrecht würden entschädigt. Ferner soll bei einem Termin im Herbst das gesamte Gewässerunterhaltungsprogramm für 2018 mit Wasserrecht und Fachlichem Naturschutz im Vorfeld abgestimmt werden.

Miller jedenfalls geht es nicht um eine „materielle Entschädigung“, wie er versichert. Das Gesprächsangebot nimmt er hingegen gerne an. Noch lieber wäre ihm aber eine Begehung mit allen Fischereiberechtigten, „um die Notwendigkeit und den Ablauf der Baumaßnahmen gemeinsam zu besprechen“.

sg

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